Skoda Superb im Test: Nicht nur Länge ist überzeugend

Eine Chauffeurs-Limousine zum Preis eines VW Golf? Richtig, der Skoda Superb. Version Nummer zwei, jetzt noch ein wenig länger, bietet neben Oberklasse-Beinfreiheit und -Anmutung auch mächtig viel Laderaum.

Imposant. Prächtig. Feudal. Das Anfangspathos könnte kaum größer sein: Wer die hinteren Wagenschläge des  Skoda Superb öffnet, gerät in dionysisches Schwärmen - falls nicht der Redefluss angesichts der erschlagenden Eindrücke stockt. Bürgerliche verkehren schließlich eher selten in der Welt der Chauffeurslimousinen, doch jetzt ist sie zu Gast im Schauraum des örtlichen Skoda-Händlers. Zum geerdeten Preis ab 22.990 EUR.

Fürstliche Platzverhältnisse im Fond

Anders ausgedrückt: Es lockt mehr Beinfreiheit als im Bentley Arnage, und das zum Preis eines gut ausgestatteten VW Golf. Im Falle des Testwagens gibt es die luxusdurchdrungene Mittelklasse mit großbürgerlichen Platzverhältnissen erst ab 25.690 Euro; ihn treibt der Zweiliter-TDI mit 140 PS via Sechsgang-Schaltgetriebe an. Deutlich über 30.000 Euro werden es, wenn man sich für die Ausstattungslinie Elegance samt Parksensoren hinten, Klimaautomatik, beheizbaren Vordersitzen, Lederausstattung und variablem Ladeboden des Kofferraums entscheidet. Letzterer sorgt nach dem fürstlichen Fond für ein zweites Aha-Erlebnis: beim Öffnen der Heckklappe.

Sie ist zweigeteilt, was man zunächst nicht vermutet, denn äußerlich fallen keine Scharniere auf. Allenfalls der breite Spalt am Dachende deutet auf die Besonderheit hin. Den versteckten Mechanismus und seine Aktivierung kennen nur Eingeweihte: Beim Druck auf den Knopf über der Nummernschild-Aussparung schwingt der Kofferraumdeckel wie bei einer konventionellen Limousine nach oben - das Ladeabteil fasst dann 565 Liter. Soviel bietet auch ein VW Passat mit Stufenheck.

Schließt man den Deckel wieder und betätigt einen zweiten, rechts versetzten Knopf, ertönt ein Stellmotor-Geräusch. Jetzt ist die Mimik für den großen Schwung bereit: Ein nochmaliger Druck auf den ersten Schalter, und die gesamte Klappe surrt wie bei einem Fließheck-Modell gen Himmel.

Lade-Schlund auf Van- oder Kombi-Niveau

Gierig reißt der Superb seinen Lade-Schlund auf - bereit, alles zu verschlingen, was normalerweise nach Van oder Kombi verlangt. Wenn die hintere Rückenlehne umgeklappt wird, entsteht zwar keine ebene, sondern eine ansteigende Fläche, aber sie ist die Basis für ein Volumen von 1.670 Litern.

Twindoor, die Zwillingstür, beeindruckt zunächst. Doch dann kommen Zweifel: Warum der zusätzliche Stellmotor, die Mimik, die Entriegelungs-Choreografie? Eine günstigere Lösung hätte gereicht - eine, die komplett in zwei Höhen aufschwingt. So aber ist unnötig Gewicht an Bord.

Edel anmutender Innenraum im Skoda Superb

Nicht, dass es den Superb schwermütig machen würde. Im Gegenteil. Wer den beeindruckten Blick vom edel anmutenden Umfeld der Mittelkonsole lösen kann und über das Täuschungsmanöver der Holzdekor-Folie hinweggekommen ist, fokussiert seine Aufmerksamkeit wie von selbst auf die Fortbewegung. Und hier entspricht die Wahrnehmung des Fahrers nicht derjenigen des Gefahrenen.

Platzverhältnisse vorn und Übersichtlichkeit nach draußen deuten auf Mittelklasse à la Audi A4 hin - die Handlichkeit sogar fast auf einen Kompaktwagen. Dann taucht der Skoda in die Kurvenwelt ein. Mit der Entschiedenheit eines Golf, dem Technik-Spender, lenkt der 4,8 Meter lange Superb ein, das angehängte Großraumabteil folgt wie selbstverständlich. Die technische Verwandtschaft zum feinsinnigen Fahrwerk des VW-Bestsellers ist in jedem Meter Landstraße zu spüren.

Diesel harmoniert nicht mit Getriebe

Nur der selige Pumpe-Düse-Diesel kommt bei dieser Agilitäts-Vorführung nicht mit; er hängt verzögert am Gas, wirkt zusätzlich durch die lange Gesamtübersetzung gehemmt. Oft findet man sich einen Gang niedriger wieder als in Limousinen gewohnt.

Längst mault der Fond-Passagier seinen Chauffeur an, er solle gefälligst weniger ruppig fahren. Trotz gut stützender Sitzbank geziemten sich die starken Fliehkräfte nicht. Schließlich logiere man doch in einer Art Direktionswagen, werde schon genug von der stuckerigen Federung, den hart abrollenden Reifen und dem lauten Motorgeräusch belästigt. Jenes falle umso mehr auf, als der Lärm der Welt dank gut gedämmter Scheiben in angenehme Ferne rücke.

Skoda scheint dem Jugendlichkeits-Wahn verfallen, rüstet den Testwagen mit 18-zölliger Optionsbereifung und Sportfahrwerk aus; damit büßt der Superb  die Diskretion des langen Radstands wieder ein. Hibbeliger Vorwärtsdrang statt nordischer Zurückhaltung. Der introvertierte Luxus, konterkariert von Tieferlegungs-Federn.

Kritik an Motorisierung des Skoda

So bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Positiv: die innere Größe mit XL-Platz für Passagiere und Gepäck, die herausragende Verarbeitung, Luxus-Nettigkeiten wie ein Regenschirm-Fach mit Drainage in der linken hinteren Tür, innovative Neuerungen wie die Bi-Xenon-Scheinwerfer, die sich in Leuchtweite und -breite dem Umfeld anpassen und nicht zuletzt die volksnahe Kalkulation.

Negativ steht dem der sparsame, aber laute und technisch veraltete TDI-Motor gegenüber, der im Hause VW längst gegen weicher laufende Common-Rail-Vierzylinder ersetzt wird. Und vor allem die fehlende Harmonie zwischen Karosserie und Fahrwerk: Dieser Skoda ist ein Konfigurations-Opfer. Die großbürgerliche Mittelklasse-Limousine verspielt ihre Chance auf die Höchstnote grundlos.

So muss die Auto-Republik warten, bis der Fünf-Sterne-Luxus fürs Volk ausgerufen wird. Vielleicht schon bald, falls zum fälligen auto motor und sport-Vergleichstest ein Benziner mit 17-Zoll- Rädern sowie Standard-Fahrwerk anrollen sollte. Damit dürfte der Superb seinem Namen vollends entsprechen.

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Marcus Peters

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