Smart Fortwo mhd im Test: Stillstands-Abkommen im Micro Hybrid Drive

Mit Start-Stopp-Automatik will der Smart Fortwo im Stadtverkehr ökologische Pluspunkte sammeln. Der Versuch geht gründlich daneben. So ist das nun mal: Gute Ideen brauchen manchmal auch in der Automobiltechnik etwas länger. Dabei ist bei der Suche nach Möglichkeiten zur Sprit-Einsparung der Gedanke ebenso simpel wie wirkungsvoll: Ein Motor, der stillsteht, verbraucht auch keinen teuren Kraftstoff.

Oder anders gesagt: Warum Benzin verbrennen, solange man überhaupt nicht fährt? Im Zuge der hochaktuellen Diskussion um Klimaschutz und Benzinpreis- Spirale hat nun auch Smart jene Idee eines Start-Stopp-Systems wieder aufgegriffen, die schon Anfang der achtziger Jahre von VW als Bestandteil des Formel-E-Konzepts für Passat und Santana und später im Golf Ecomatic im Angebot war.

Damals mit ziemlich mäßigem Erfolg. Doch die Zeiten ändern sich. Heute verlangt die Kundschaft spritsparende Autos. Und genau das verspricht Smart für den Fortwo: Der verbraucht gemäß EU-Norm 4,7 Liter auf 100 Kilometer. Mit Start-Stopp-Funktion soll sich das auf 4,3 Liter reduzieren – eine Verbrauchsminderung von immerhin 8,5 Prozent. Das klingt vielversprechend.

Obwohl der Smart Fortwo ein Winzling ist, könnte bei ihm eine solche Technik Sinn machen. Als ausgewiesenes Stadt-Auto bewegt er sich schließlich überwiegend in jenem spritfressenden Stop-and-go der Ballungsräume, wo das Sparpotenzial echter Vollhybrid-Autos schon immer am größten ist.

Durchschnittlich alle 1,3 Kilometer, hat man bei Smart sorgfältig ermittelt, kommt ein Auto im Alltagsverkehr zum Stillstand. Damit dürfte im Stadtverkehr eher ein noch größerer Spareffekt als im EU-Zyklus zu erwarten sein – eigentlich.

Wie ist es denn nun mit der versprochenen Kraftstoffersparnis? Schon in der Normalversion hatte die große Diskrepanz zwischen Normverbrauch – 4,7 Liter – und der Test-Realität von durchschnittlich sieben Liter/100 km enttäuscht. Auch das Start-Stopp-System ändert da nichts grundsätzlich, ein Testmittel von 6,9 Litern ist für einen 750-Kilogramm-Zwerg wahrlich keine Offenbarung, für die der technische Aufwand lohnend erscheint.

Um sein Potenzial im Stadtverkehr, seiner eigentlichen Domäne, auszuloten, schickte auto motor und sport den Fortwo mhd eigens auf eine City-Runde. Zwar reduzierte sich hier der Verbrauch auf 6,1 Liter, aber eine wirkliche Empfehlung für einen ökologisch wertvollen Stadtfloh ist auch das keineswegs.

In einer exakt gleichen Testrunde, ganz ohne Eco-Modus gefahren, erhöhte sich der Spritkonsum erwartungsgemäß – allerdings lediglich um 0,3 Liter. Übrigens: Das Kürzel mhd auf der Heckklappe steht für „micro hybrid drive“. Schon das klingt etwas großsput rig, denn für den Vortrieb ist nach wie vor allein der 71 PS starke Dreizylinder- Benziner ganz ohne elektrische Unterstützung zuständig.

Doch das Smart-Ziel lautet: mit Hilfe einer Start- Stopp-Automatik wesentliche Anteile des Sparpotenzials in den Stillstandsphasen elegant nutzen. Die Technik dafür ist vergleichsweise simpel: Der übliche Starter wurde durch einen riemengetriebenen Startergenerator ersetzt. Der erzeugt den Strom fürs Bordnetz und ist auch für den Motorstart zuständig.

Diese Aufgabenstellung verlangt ein leicht modifiziertes E-Aggregat, dazu einen robusteren und speziell in beide Richtungen belastbaren Riemen, eine zyklenstabile AGM-Batterie mit Glasfasermatten zur Säurebindung und eine Steuerelektronik, die das Wechselspiel koordiniert. Der Aufwand dafür hält sich in überschaubaren Grenzen.

Nur ein Eco-Schalter auf der Mittelkonsole zeugt von den ökologischen Ambitionen des Fortwo. Hier lässt sich die Start-Stopp-Funktion aktivieren, die im Display angezeigt wird. Smartüblich übernimmt die Automatik Kuppeln und Schalten. Das ist die unkomplizierteste Art der Fortbewegung, auch wenn die Schaltübergänge prinzipbedingt mit ihren Zugkraftpausen leichte Unruhe stiften.

Schaltpaddel lassen manuelles Eingreifen zu, was sich jedoch kaum als notwendig erweist. Nach dem Start bleibt die Start- Stopp-Funktion noch passiv. Erst betriebswarm greift sie ein. Nähert man sich, den Fuß auf dem Bremspedal, einer Ampel oder einem Stauende, wird der Motor bereits bei acht km/h abgeschaltet. Das geschieht unspektakulär und ohne lästiges Schütteln.

Geht der Fuß von der Bremse, wird binnen Sekundenbruchteilen ebenso unspektakulär wieder gestartet. Eine kurzzeitige Haltefunktion der Bremsen bekämpft dabei die Angst vor eventuellem Wegrollen. So wächst schnell das Vertrauen in die Automatismen.

Allerdings: Rollt der Smart durch ein Wohngebiet, wird der Motor mitunter alle paar Dutzend Meter beim Annähern an eine Vorfahrtsstraße sekundenweise stillgelegt. Das nervt schnell und legt den Griff zur Off- Stellung des Eco-Schalters nahe.

Blitzstarts sind nicht die Sache des Smart mhd, doch an der Anfahrverzögerung hat die Schaltautomatik weit größeren Anteil als der zügige Neustart. Die Bordbatterie führt die Stromversorgung in Standphasen fort. Selbst die – optionale – Klimaanlage arbeitet weiter, fördert im Winter nach mehrminütigen Standphasen dann aber spürbar kühlere Luft.

Was also bleibt als Fazit? Vom Prädikat eines spritsparenden und ökologisch wertvollen Autos jedenfalls ist der Smart mhd so weit entfernt wie die Theorie von der Wirklichkeit. Nur 360 Euro Aufpreis verlangt die Mercedes-Tochter dafür. Dennoch sind die Smart-Strategen vom Erfolg ihres Konzepts wohl nicht überzeugt. Der Smart mhd soll eine limitierte Sonderedition bleiben.

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Klaus-Ulrich Blumenstock

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