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Sechs verschiedene Sportreifen im Test

Bei nasser Straße hilft nur Fuß vom Gas

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Sportreifen sind die Helden des trockenen Asphalts. Beim Vergleich sechs unterschiedlicher Fabrikate an einem Audi S3 zeigt sich aber, dass sich einige der gripfreudigen Spezialisten so langsam auch mit dem nassen Terrain anfreunden können.

04.06.2007 Jochen Übler Powered by

Die Trennung zwischen Winter- und Sommerreifen fällt schon allein auf Grund der Kennzeichnung auf der Reifenflanke relativ leicht. Aber wo liegen nun eigentlich die Unterschiede zwischen Sportpneus und UHP-Reifen?

Hier scheint die Sachlage nicht ganz so klar zu sein: Die Unterschiede verwässern zusehends. Wobei "verwässern" durchaus bildlich gesprochen zu verstehen ist. Denn der reine Sportreifen (Ultra High Performance), der gewissermaßen für die öffentliche Straße zulässige Rennreifen, kapriziert sich ausschließlich auf das Territorium der trockenen Fahrbahn. Nässe war bislang nicht sein Ding.

Bridgestone, Avon und Toyo mögen keine Nässe

Drei Vertreter dieser Spezies stellen im vorliegenden Vergleich dieses Ansinnen schon optisch unübersehbar zur Schau. Der Bridgestone RE 55 S, Toyo Proxes R 888 und Avon ZZR manifestieren bereits durch den sehr geringen Negativanteil ihres Profilbilds, dass mit ihnen ausschließlich bei Trockenheit zu rechnen ist. Eine leicht feuchte Fahrbahn können die Spezialisten bei vorsichtigem Gebrauch womöglich noch meistern. Bei Aquaplaningsituationen sollten sie mit ihrem Latein jedoch am Ende sein.

Das etwas offenere Profilbild des Michelin Pilot Sport Cup verspricht da schon weitreichendere Fähigkeiten. Und der Hankook RS-2 - sozusagen ein Zwitter aus UHP- und Sportreifen - sollte auf Grund des noch luftigeren Profils bei Nässe die Spitze markieren. Als Sechster im Bunde der vermeintlichen Gripkünstler ein weiterer Michelin Pilot Sport Cup.

Eine weiterer Michelin im 19-Zoll-Format

Leider ist die neue Spezifikation momentan nur im 19-Zoll-Format (235/35-19) zu haben, was einen direkten Vergleich mit den ansonsten 225/40-18 großen Pneus an sich verbietet. Aber die tendenzielle Ausrichtung zwischen Neu und Alt sollte auch trotz der unterschiedlichen Größen als aussagekräftig gelten. So weit die Theorie. Der Aquaplaningtest bestätigt die eingangs erwähnte Annahme: Der Hankook macht im 8 Millimeter tiefen Wasserbecken die Pace. Der mehr auf Nässegrip ausgelegte Michelin der neuesten Spezifikation folgt mit Respektabstand. Knapp dahinter Bridgestone und Avon. Der Toyo schwimmt deutlicher hinterher. Wie viel Vorsicht bei Nässe geboten ist, zeigt der Bremstest aus Tempo 100. Sogar der vermeintlich beste der einem Slick ähnlichen 18-Zöller, der Michelin, gönnt sich einen Bremsweg von 80 Meter. Der Rest des Feldes liegt sogar noch deutlich darüber. Ganz klare Ansage also: Straße nass, Fuß vom Gas!

Der Hankook hingegen zeigt, was bei sportlichen Sommerreifen State of the Art ist: 58,1 Meter sind akzeptabel. Mit 64,4 Meter liegt die neue Konzeption des Pilot Sport Cup zwar deutlich dahinter. Aber der ermittelte Wert verdeutlicht die auf Nassgrip optimierte Ausrichtung des neuen Cup2. Gleiches Bild beim Nasshandling: Michelin Pilot Sport Cup1, Toyo Proxes R 888, Bridgestone RE 55 S und Avon ZZR sind überaus schwer zu beherrschen. Die Bandbreite reicht vom gnadenlosen Untersteuern bis zum schlagartigen Übersteuern. Kommen die Reifen nicht auf Temperatur, ist auf sie einfach kein Verlass. Der Pilot Sport Cup2 ist da schon deutlich umgänglicher. Zwar reagiert auch er empfindlich auf Lastwechsel. Jedoch ist das Gripniveau klar höher. Und der Grenzbereich findet kein schlagartiges Ende, sondern kündigt sich vergleichsweise zahm an. Der Hankook schließt sich dem Gebaren des Franzosen an, wenngleich der RS-2 noch mehr Grip und Fahrsicherheit bietet, was auf der Stoppuhr einen Vorsprung von 2 Sekunden gegenüber dem Michelin bringt.

Trockene Straße - Die Stunde der Radikalisten?

Was im vorliegenden Fall wirklich zählt, ist das primäre Einsatzgebiet der Sportreifen: das trockene Geläuf. Nun sollte die Stunde der Radikalisten von Avon, Bridgestone und Toyo schlagen – obwohl es zunächst der richtigen Vorbereitung bedarf. Dabei empfiehlt sich eine Absenkung des Kaltluftdrucks auf 1,8 bar. Nach zwei Einführungsrunden auf dem 1,7 Kilometer langen Handlingkurs kommen die Reifen auf die richtige Arbeitstemperatur, und der in der Folge angestiegene Luftdruck sollte 2,4 bar nicht überschreiten. Dann klebt der Gummi regelrecht auf der Straße – was allein schon die Bremswerte dokumentieren. Als Bester im Bunde präsentiert sich hierbei der Bridgestone. Er überträgt die Verzögerung überaus giftig, was dazu führt, dass der Audi S3 bei einer Vollbremsung aus 100 km/h bereits nach 33 Metern zum Stillstand kommt. Mit rund einem Meter Abstand folgen der Toyo und der Avon. Die beiden Michelin-Spezifikationen sowie der Hankook kommen nicht unter 35 Meter.

Im Trockenhandling ist der Pilot Sport Cup 1 nicht zu schlagen

Andererseits trumpft der Pilot Sport Cup1 in der Königsdisziplin, dem Trockenhandling, mächtig auf. Derart präzise in der Lenkung ist keiner der Kontrahenten. Das Gripniveau kommt dem eines Rennslick verdächtig nahe. Lastwechsel treten zwar spät, dann aber relativ ruppig auf. Dennoch: Schneller als der Cup1 ist keiner. Als 19-Zöller und auf deutlich schwereren Felgen montiert, hinkt die neue Spezifikation des Michelin eine Sekunde hinterher. Subjektiv kommt der Neue dem Alten ziemlich nahe, obwohl er nicht ganz so direkt agiert, aber auch auf Lastwechsel zahmer reagiert. In puncto Rundenzeit liegt der Bridgestone auf absolutem Top-Niveau, auch wenn die Lenkpräzision nicht so derart präzise ausfällt wie bei den beiden Michelin-Versionen. Am Audi operiert der RE 55 S etwas mehr untersteuernd. Allein das kostet ihn ein paar Punkte.

Der Bridgestone liegt vor Avon und Toyo

Trotzdem hat der Bridgestone auf der Stoppuhr klare Vorteile vor Avon und Toyo. Obwohl der Engländer ein ähnlich gutes Lenkverhalten an den Tag legt wie der Pilot Sport Cup1, verfällt er deutlicher ins Untersteuern. Die hohen Schräglaufwinkel kosten Zeit, ebenso wie beim Toyo R 888. Der Asiate lässt es zudem an Lenkpräzision vermissen. Jedoch ist ihm zugute zu halten, dass er bereits nach wenigen Kurven seine bestmögliche Leistung zur Verfügung stellt und keine allzu lange Aufwärmphase benötigt. Der einem herkömmlichen UHP-Reifen am ähnlichsten konstruierte Hankook stößt beim harten Einsatz auf dem Handlingparcours hingegen relativ schnell an seine Grenzen. Das erste Einlenken ist noch perfekt, darauf folgt ein Untersteuern, das von Runde zu Runde zunimmt. Den hohen Belastung und den daraus resultierenden Temperaturen halten das relativ offene Profi l und die weiche Mischung nicht lange stand. Die radikalen Sportler kommen auch mit einer Laufflächentemperatur von knapp 90 Grad Celsius noch nicht ins Schwitzen. Beim harten Einsatz auf der Rennstrecke bieten sie damit auch eine höhere Laufleistung.

++
Hinweis für den Download Die angegebenen Preise im pdf-Dokument bzw. im der sport auto-Ausgabe 6/2007 sind teilweise leider nicht korrekt. Der Bridgestone RE55S kostet 370 Euro, der Avon ZZR 302 Euro und der Toyo R888 steht mit 265 Euro in der Liste. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Übersicht: Sportreifen im Test
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