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Tesla Model S Test

Elektroauto im Alpenextremtest

Tesla Model S Foto: Hans-Dieter Seufert 37 Bilder

Ist der neueste Tesla das ganze Brimborium, das um ihn gemacht wird, überhaupt wert? Wir schicken das Model S nicht nur durch das auto motor und sport-Testprogramm, sondern auch über die Alpen. 400 Kilometer Reichweite und ein Schnellladekabel sollten dafür reichen.

23.10.2013 Alexander Bloch

Es ist sechs Uhr morgens, die Motor Presse Stuttgart liegt noch im Tiefschlaf, und das leise Surren des Tesla Model S taugt nicht zum Wecken. Das beleuchtete Schild am Verlagshaus gibt der morgendunklen Szenerie etwas Glamour. Auf dem Display des amerikanischen Stromers stehen 400 Kilometer. Die stehen da immer, wenn er vollgeladen ist, unabhängig davon, ob er vorher getreten oder getragen wurde. "Typical range" – typische Reichweite nennt das Tesla, und es ist die derzeit mit Abstand größte eines Serien-E-Autos. Ein gewaltiger 85-kWh-Lithium-Ionen-Akku liegt schwer und flach wie ein Granitfußboden zwischen den Achsen. Dabei ist die Reichweite keine Sensation. Einen großen elektrischen Fahrradius kann prinzipiell jeder, da er nur von der eingesetzten Zellanzahl abhängt. Die Kunst ist, das Gewicht dabei im Rahmen zu halten und den Preis realistisch.

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Test Tesla Model S Mit dem Tesla über die Alpen
auto motor und sport 21/2013
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Tesla Model S, Display
Multifunktionsdisplay im Tesla Model S 3:34 Min.

Tesla Model S mit 381 km realistischer Reichweite

Beides schafft das Tesla Model S mit der typischen Tesla-Akkustruktur aus vielen tausend einzeln überwachten Consumer-Zellen. So wiegt er mit 2.129 Kilogramm auch nicht mehr als eine gut ausgestattete deutsche Luxuslimousine, und mit 95.900 Euro ist er im Edel-Segment sogar ein Schnäppchen. So viel kosten die ersten 500 Tesla P85 Performance, die nach Europa kommen. Die Zusatzbezeichnung P85 steht für den größten Akku und die größte Leistung von 310 kW. Es gibt ihn auch noch als 60er mit einem 60-kWh-Akku und als 85 ohne P mit weniger Leistung. Beide kommen später.

Unser Tesla Model S P85 hat schon anstrengende Tage mit dem auto motor und sport-Testprogramm hinter sich. Dabei ist der Hecktriebler locker unter die Fünf-Sekunden-Hürde von null auf 100 km/h gestürmt, hat beim Bremsen tadellos verzögert und ist agil durch die Hütchen gewuselt. Auch die Elektro-Optimisten in der Redaktion trauten dem Fünf-Meter-Kind eines Start-up-Autoherstellers keine so hohe automobile Reife zu. Was für eine Entwicklung vom Bastel-E-Roadster zum Oberklasse-Wunderkind in wenigen Jahren – keine Überraschung, dass sich das Tesla Model S in Amerika derzeit viel besser verkauft als die deutsche Elite.

Im Hintergrund wirkten mächtige Geburtshelfer und Anteilseigner: Toyota half beim Produktionsprozess und Mercedes bei der Entwicklung. Einige Bauteile im Interieur kommen direkt aus der schwäbischen Entwicklungsstube. Dazu heuerte Tesla-Chef Elon Musk mit viel Geld und der typischen amerikanischen Firmenbeteiligung die besten Autobauer aus Detroit und Software-Entwickler aus dem Silicon Valley an. Sein Ziel: das beste Auto der Welt zu bauen.

Unser Ziel: Das Tesla Model S an einem Tag über die Alpen und den Großglockner-Hochalpenpass bis ins 460 Kilometer entfernte österreichische Heiligenblut zu fahren. Nur zur Erinnerung: Sonst karren wir E-Autos per Hänger zum Testen ins 100 Kilometer entfernte Hockenheim. Das Tesla Model S ist anders, egal ob bei Kapazität oder Ladegeschwindigkeit. Es beherrscht mehrere Schnelllademodi: mit 400 V und bis zu 22 kW Ladeleistung und per Gleichstrom sogar bis zu 120 kW. Sechs passende Gleichstrom-Supercharger-Stationen gibt es laut Tesla in Europa – alle in Norwegen. Wir entscheiden, dass dieser Umweg wohl zu groß wird. Aber mit 22 kW ist er in vier Stunden auch wieder voll. Die stressen den Akku zudem nicht so sehr.

Vollladung in 4 Stunden

Einfach losfahren und im Gottvertrauen auf Tankstellen hoffen geht bei Elektroautos eben nicht. Statt Spontanität will hier alles überlegt und per Internet-Recherche abgesichert sein. Als Zwischenziel zum Nachladen küren wir München. Dort gibt es einen Tesla-Store und knusprige Schweinshaxen. Die A 8 wird dabei zur Geduldsprobe für die Verkehrs- und Strom-Moral. Da die Großglockner-Mautstation um 17 Uhr schließt, dürfen wir in München maximal drei Stunden nachladen. Das Thema Vollstrom auf den freien Abschnitten ist damit gestrichen.

Aber mach das mal bei einer derartigen Elektro-Rakete. Sicher regelt der Tesla Model S schon bei 209 km/h ab, doch was davor an fast lautloser Beschleunigung und nahtlosem Durchzug passiert, ist dazu geeignet, dem Verbrennungsmotor für alle Zeiten abzuschwören. In sensationellen 2,6 Sekunden geht der Zwischensprint von 80 auf 120 km/h. Der wie bei einem Porsche 911 hinter der Hinterachse lauernde E-Motor drückt ansatzlos, brutal und euphorisierend. Hier rotiert ein eigentlich als veraltet geltender asynchroner Typ (funktioniert wie ein Drehstrom-Trafo) mit immenser Kraft aus dem Tourenkeller und einfachem Aufbau, aber mäßiger Effizienz. Letzteres können wir nicht bestätigen: Mit 20 bis 26 kWh pro 100 Kilometer ist das Tesla Model S für eine Oberklasse-Limousine sogar sehr sparsam. Sein nach dem deutschen Strommix berechneter indirekter CO2-Ausstoß liegt bei nur 132 g/km. Echt grüner Luxus.

Im Fond des Tesla Model S wird es ungemütlich

Unser Puls liegt bei 65 – so entspannt gleiten wir leise über die A 8, auch wenn die Luftfederung des Tesla Model S in etwas zu sportlichem Übermut nicht jede Welle bügelt. Viel schöner sind die Schwingungen des grandios klingenden schwäbischen(!) Soundsystems. Vorne sitzen die Passagiere gemütlich mit viel Raum auch für Reise-Utensilien. Hinten geht es bergab: Das niedrige Dach zwingt alle über 1,80 Meter in leichte Kauerhaltung, die Oberschenkel finden wenig Auflage und der Kaffeebecher keinen Halter. Nochmal weiter hinten wartet ein ausklappbarer Doppelsitz für kleine Kinder. Das Kofferraumvolumen des Model S ist gigantisch: 895 Liter – dem klugen Akku-Packaging und der vorderen Ladebox sei Dank. Das Nachladen in München klappt an der dritten Säule und mit BMW-Hilfe dann auch problemlos, die Haxe schmeckt ebenso. Was uns nicht mundet, ist die schlechte Karosseriequalität, die schwache Heizung, die fehlenden Assistenzsysteme und der laxe Umgang mit Bediensicherheit: Das Internet ist auch während der Fahrt frei, und wichtige Funktionen liegen in Untermenüs. Auch Anfahren am Berg wird zum Geduldsspiel, da der Tesla gerne zurückrollt.

Um 16 Uhr erreichen wir mit 150 Kilometer Restreichweite die Mautstation. Die Sonne strahlt uns mit tausenden kW-Stunden an, und wir genießen die Serpentinen-Fahrt mit Vollstrom. Wer ihn kurveneingangs vom Untersteuern fernhält, erntet ausgangs heftigen Vortrieb. Oben liegt das Ziel, denn runter generiert das E-Auto ja Strom. Und so gönnt sich das Tesla Model S auf dem Weg zur Energiestation in Heiligenblut noch einen bis zu 60 kW starken Rekuperationsschluck. Es ist schon dunkel, als wir dort ankommen. Nur das Ladelicht des Tesla Model S strahlt hell.

Technische Daten
Tesla Model S P85
Grundpreis87.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4970 x 1963 x 1445 mm
KofferraumvolumenVDA745 bis 1795 L
Leistung310 kW / 421 PS (600 Nm)
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,4 s
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