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Mercedes C 230 Kompressor

Giftgrünes Sportcoupé im Test

Es ist 18 Zentimeter kürzer als die Limousine und hat einen langen Namen: das Mercedes C 230 Kompressor Sportcoupé. Doch damit sind seine Reize keineswegs erschöpft.

04.04.2001

Kleider machen Leute – und Farben machen Autos. Der Testwagen ist in Giftgrün gehalten, Heliodorgrün, wie es Mercedes umschreibt. Die Farbe wurde exklusiv für das Sportcoupé gemischt, und sie verfehlt ihre Wirkung nicht. Jugendliche umschwärmen den geparkten Sport-Benz wie Motten das Licht, finden ihn obergeil. Ein Herr mittleren Alters drückt sich etwas differenzierter aus. „Das schönste Auto, das Mercedes zurzeit anbietet“, meint er ganz im Ernst. „Bis auf die Farbe.“

Auch der Bürzel ist nicht jedermanns Geschmack. Aber es scheint, als käme das Sportcoupé genau dort an, wo es die Marketingexperten gerne sä­hen: bei den Jungen und Dynamischen. An den Mercedes-Maßstäben gemessen heißt das: Menschen unter 40.

Das Rezept, auf das man zu diesem Zweck zurückgriff, ist nicht neu, aber bewährt. Man nehme die kompakte Limousine aus der Mittelklasse und verkürze sie unter Beibehaltung des Radstands. Ferner reduziere man die Zahl der Türen auf zwei, versehe das Heck mit einer großen Klappe und den Fond mit umklappbaren Sitzen.

Und wer hat’s erfunden? Nicht Mercedes, sondern eindeutig BMW, auch wenn das entsprechende Resultat auf Dreier-Basis dort nicht Sportcoupé, sondern nur Compact heißt. Macht nichts. Dem Erfolg des geschrumpften Mercedes dürfte der Ideenklau keinen Abbruch tun.

Schließlich bietet er genau so viel C-Klasse, wie es die ­anvisierte Kundschaft – vom Single bis zur jungen Familie – braucht. Vorne herrschen die in der Limousine gewohnten Platzverhältnisse, die selbst 1,90-Meter-Insassen gewachsen sind. Und hinten reicht es bequem für den Nachwuchs. Groß Gewachsenen hapert es indessen an Kopfraum, ein Tribut an das coupéhafte Dach.

Auch die Innenbreite fällt gegenüber der Limousine deutlich knapper aus. Logischerweise ist zudem der Einstieg beschwerlicher als bei der Limousine. Die trickreiche Mimik, die den Vordersitz beim Vorklappen der Lehne nach vorn befördert, hilft da nicht wirklich.

Immerhin steht im Kurzheck ein manierlicher Kofferraum zur Verfügung. Unter der Abdeckung stößt man auf ein Volumen von 310 Litern in­klusive Reserveradmulde, die im Normalfall leer ist. Serienmäßig gibt es nur ein Reifendichtmittel. Wer der Sache nicht traut, kann aber ohne ­Aufpreis ein Faltrad ordern. Bei erhöhtem Platzbedarf lässt sich der Laderaum im Stil einer Kombi­limousine vergrößern.

Sitzflächen und Rückenlehnen der asymmetrisch geteilten Rückbank können nach vorn geklappt werden, und zwar ohne zuvor die Kopfstützen demontieren zu müssen. Das Ergebnis ist eine ebene Ladefläche und ein Laderaum von 1100 Litern, der sich dank der Heckklappe problemlos bestücken lässt. Deren auffällige Verglasung ist übrigens nicht ohne praktischen Vorteil: Der rückwärtige Sehschlitz erleichtert trotz seiner verzerrenden Optik das Einparken.

Beim Blick nach vorn bietet sich dem Sportcoupé-Fahrer hingegen weitgehend das aus der C-Klasse gewohnte Bild. Nur die geschwungene Blende über den Instrumenten und der fehlende Stern auf der Haube verraten auf Anhieb den kleinen Unterschied. Außerdem ver­spürt der Rücken etwas mehr Seitenhalt, da die Sitze seitlich stärker aufgepolstert sind. Auch der Schwingeffekt der auf zwei Schraubenfedern abgestützten Sitzfläche fiel beim Testwagen nicht so un­angenehm auf wie bei den bisherigen C-Klasse-Modellen.

Am Umfang der Serienausstattung gibt es, abgesehen von der Abwesenheit einer Klimaanlage, nichts auszusetzen: Er entspricht bis auf die karosseriespezifischen Merkmale dem der Limousine. Ähnliches gilt freilich für die lange Liste der zumeist verlockenden Extras, die es gestattet, das Auto derart zu verteuern, dass man für den Aufpreis mühelos noch eine A-Klasse kaufen könnte.

Der Testwagen, ein C 230 Kompressor, unter anderem mit Lederpolsterung, Klimaautomatik, elektrischer Sitzverstellung und Comand-System für Radio, CD, Telefon und Navigation ausgerüstet, lieferte da­für ein beeindruckendes Beispiel: Basispreis 56?144 Mark, Komplettpreis 86?480 Mark.

Darin enthalten ist das Pa­norama-Schiebedach für 2900 Mark: Per Knopfdruck rollen sich über den Köpfen zwei Jalousien auf und geben den Blick durch zwei dunkel getönte Dachfenster frei. Das vordere entpuppt sich als großes Schiebedach, während das hintere fest installiert ist. Nichts davon braucht man, aber man ist beeindruckt, denn in Funktion und Machart ist das Neueste aus dem Reich der Mercedes-Extras ein Meisterwerk.

Aber auch unten herum bereichert den Testwagen Begehrenswertes. Da er über das Sportpaket Evolution (2100 Mark Aufpreis beim 230 K) verfügt, rollt er auf 17-Zoll-Rädern in Tateinheit mit tiefer gelegter Karosserie und strafferem Fahrwerk. Das Resultat ist die fahrdynamisch bislang gelungenste Variante der C-Klasse.

Den Begriff Sport führt diese Variante des Sportcoupés jedenfalls nicht zu Unrecht im Namen. Selbst auf schwierigen Strecken lässt sich der fahrwerksseitig aufgewertete Mercedes handhaben wie ein Sport­wagen. Das kurveneingangs sonst bei der C-Klasse zu beobachtende Untersteuern tritt nur noch in gemilderter Form in Erscheinung, das Auto gehorcht mit bislang nicht gewohnter Präzision den Direktiven des Lenkers.

Dabei kommt gelegen, dass es auch bei abgeschaltetem ESP nichts Böses zu befürchten gibt. Wer sich spaßeshalber lieber ohne das früh eingreifende Sicherheitssystem ins Kurvengeschlängel stürzt, der darf damit rechnen, dass sich das Auto bis in den Grenzbereich mit minimalen Lenkkorrekturen auf der Bahn halten lässt. Auch auf die Bremsen ist immer Verlass: Die gemessenen Verzögerungswerte sind beispielhaft und bleiben es auch bei extremer Beanspruchung.

Nicht weniger erfreulich ist die Tatsache, dass bei allem Zugewinn an Fahrdynamik der Komfort keineswegs zu kurz kommt. Selbst Bodenwellen größeren Ausmaßes werden von der Federung noch erstaunlich gut geschluckt, und auch Langsamfahrkomfort ist noch genügend vorhanden.

So nimmt es nicht wunder, dass angesichts dieser Qualitäten, aber auch in Anbetracht der Preislage, unwillkürlich der Wunsch nach einem gepflegten Sechszylindermotor aufkeimt – ein Verlangen, das bei Mercedes freilich noch auf taube Ohren stößt. Das höchste der Gefühle ist momentan der aus SLK und CLK altbekannte 2,3-Liter-Vierzylinder, dem ein Kompressor zu 197 PS verhilft. Er verfügt zwar über eine sympathische Leistungscharakteristik, klingt aber ziemlich rustikal und verströmt auch sonst nichts, was Autophile faszinieren könnte.

Hinzu kommt, dass er sich mehr als angenommen plagen muss. 1562 Kilogramm Leergewicht, so viel waren es beim üppig ausgestatteten Testwagen, sind für einen Zweitürer dieses Zuschnitts bleischwer. Das drückt natürlich auf das Temperament, vom Benzinverbrauch – stolze 12,1 L/100 km – ganz zu schweigen.

Wer wirklich sportlich unterwegs sein möchte, sollte das Sportcoupé mit manueller Schaltung ordern und nicht mit der neuen Sequentronic. Hierbei handelt es sich um das gleiche Sechsganggetriebe, garniert mit einer automatisierten Schaltung und Kupplung.

Zum Schalten muss nur der Schalthebel angetippt werden, oder man überlässt auch das einer automatischen Steuerung. Doch wie bei anderen Beispielen dieser Art stören auch hier die berüchtigten Schaltpausen, vor allem im Automatikmodus. Der Vorteil der Sequentronic: die leichte Bedienung im Kurzstreckenverkehr.

Außerdem ist dieses Extra nicht ganz billig (Aufpreis 1.856 Mark), aber in diesem Punkt dürfte Sportcoupé-Käufer ohnehin fast nichts mehr erschüttern.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot vorn
  • gut nutzbarer Laderaum
  • sorgfältige Verarbeitung
  • wenig Kopffreiheit im Fond
  • beschwerlicher Einstieg nach hinten
Fahrkomfort
  • straffe, aber gut abgestimmte Federung
  • bequeme Sitze
  • niedriges Innengeräusch
  • Klimaanlage nur gegen Aufpreis
Antrieb
  • hohes Durchzugsvermögen
  • bedienungsfreundliches Sequentronic-Getriebe
  • Schaltrucke im Automatikmodus
  • eingeschränkte Laufkultur
  • mäßige Fahrleistungen
Fahreigenschaften
  • hohe Fahrsicherheit
  • sportliche Fahreigenschaften
  • präzise Lenkung
  • eingeschränkte Traktion
Sicherheit
  • Seiten- und Kopfairbags
  • zweistufige Frontbags
  • ESP serienmäßig
  • hervorragende Bremsen
  • Bremsassistent
Umwelt
  • schadstoffarm nach D4
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • günstige Versicherungskosten
  • vorraussichtlich geringer Wertverlust
  • hoher Anschaffungspreis
  • teure Extras

Fazit

Das Sportcoupé ist eine reizvolle Alternative zur Limousine mit sportlichen Fahreigenschaften bei gutem Komfort. Der Zweitürer bietet weniger Platz im Fond, aber einen variablen Laderaum. Der Verbrauch des 230 K ist zu hoch.

Technische Daten
Mercedes C 230 Kompressor Sportcoupé
Grundpreis29.116 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4343 x 1728 x 1406 mm
KofferraumvolumenVDA310 bis 1100 L
Hubraum / Motor2295 cm³ / 4-Zylinder
Leistung145 kW / 197 PS (280 Nm)
Höchstgeschwindigkeit240 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,0 s
Verbrauch10,0 L/100 km
Testverbrauch12,1 L/100 km
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