Peugeot 3008 HDi FAP 150

Crossover aus Van, Kombi und SUV im Test

Peugeot 3008 HDi FAP 150

Mit dem 3008 bringt Peugeot ein - tja, was eigentlich? Der bullige Crossover soll die Vorzüge dreier Autokonzepte verbinden. Ob er das kann und was sonst noch, klärt der Test mit dem Zweiliter-Diesel.

Alle, die Früher-war-alles-besser-Jammern nervt, sollten diesen Absatz überspringen. Wir treffen uns dann im nächsten wieder - da geht es mit dem Test richtig los. Zuvor soll kurz etwas melancholisch daran erinnert werden, was Peugeot-Design früher auszeichnete: die leichte Eleganz der schlichten Linie. Passé, seit die Franzosen meinten, das selbst hinzubekommen und nicht mehr auf die Stilsicherheit des Hauses Pininfarina vertrauen zu müssen. Man könnte das für Selbstüberschätzung halten, mit Blick etwa auf den großmauligen Peugeot 407, den moppeligen Peugeot 307 CC oder nun den Peugeot 3008 (zum Fahrbericht).

Der Peugeot 3008 HDi FAP 150 verbindet die Eigenschaften von Van, Kombilimousine und SUV

Und doch darf sich der 3008 als Schönster seiner Klasse fühlen, was vor allem daran liegt, dass er deren einziger Vertreter ist. Sein wahres Wesen lässt sich schwer ergründen. Peugeot nennt ihn selbst im anglizismenfeindlichen Frankreich etwas hilflos "un Crossover compact" und beteuert, er verbinde die hohe Sitzposition eines Vans mit dem Komfort einer Kombilimousine und dem Aussehen eines SUV.

Funktional jedenfalls gibt es an der solide verarbeiteten Karosserie bis auf die schlechte Übersichtlichkeit wenig auszusetzen. Das Raumangebot liegt deutlich über dem des Peugeot 308, mit dem der 3008 die Plattform teilt. Pilot und Co. reisen auf gemütlichen Sitzen, wenn auch strikt getrennt und etwas eingeengt durch die massige Mittelkonsole, in der sich gekühlte, schwer erforschbare Ablagekatakomben verbergen. Der barrierefreie und geräumige Fond beherbergt zwei Erwachsene zuvorkommend und bringt selbst drei noch einigermaßen passabel unter.

Das Variabilitätstalent des Peugeot 3008 HDi FAP 150 hält sich in Grenzen

Der Kofferraum steckt locker einen großen Kinderwagen und noch etwas Gepäck weg. Doch mehr als den in drei Positionen arretierbaren Ladeboden und die asymmetrisch geteilte Rücksitzlehne, die sich federkraftbeschleunigt auf die synchron abtauchende Bank wirft, hat der Peugeot 3008 HDi FAP 150 an Variabilitätstalent nicht zu bieten. Auch der Nutzen der geteilten Heckklappe hält sich in Grenzen. Der untere Teil mag ab und zu als Picknickbank dienen oder - wie der allerdings noch nicht ins Standardtestprozedere aufgenommene Praxisversuch beweist - als Wickeltisch. Die Klappe stört aber, wenn Gepäck aus dem Kofferraum gewuchtet werden muss.

Mehr als die hohe Sitzposition hat der Peugeot 3008 an Van-Eigenschaften tatsächlich nicht mitbekommen. Und mit den SUV-Fähigkeiten ist es ebenfalls nicht weit her. Daran ändert die für 200 Euro Aufpreis erhältliche, Grip Control genannte Anfahrhilfe nichts. Über einen Drehschalter ähnlich dem des Terrain- Response-Systems von Land Rover lassen sich lediglich fünf unterschiedliche Kennlinien der Antriebsschlupfregelung abrufen. Je nach Modus - Asphalt, Schnee, Sand, Schlamm und ESP aus - erlaubt das System mehr oder weniger Schlupf an den angetriebenen Vorderrädern. Weil das mit Bosch entwickelte System einen Allradantrieb nicht ersetzen kann und will, bleibt der Nutzen geringer als die Nachteile. Denn auf 3008 mit Grip Control schnallt Peugeot immer 16 Zoll große M&S-Reifen, welche die Verzögerungswerte und Traktion verschlechtern. 

Die größten Stärken des Peugeot 3008 liegen beim Fahrkomfort

Ansonsten liegt die Fahrsicherheit auf hohem Niveau. Dafür sorgt neben dem resolut eingreifenden ESP der ab 150 PS serienmäßige dynamische Wankausgleich. Über dem Querträger der Verbundlenker- Hinterachse sitzt ein hydraulisches Dämpfungselement, das mit den Stoßdämpfern verbunden ist. Die können dadurch mit unterschiedlichen Kennlinien arbeiten: weich bei Geradeausfahrt, straff in Kurven.

Ernsthaft sportlich wird es aber nicht, schon wegen der rückmeldungsschwachen Lenkung. Vor allem aber, weil die größten Stärken des Peugeot 3008 HDi FAP 150 beim Fahrkomfort liegen. Die beflissene Federung fängt selbst herbe Stöße gelassen ab, die gute Aerodynamik und die umfangreiche Isolation halten die Windgeräusche klein. Dazu passt der kultivierte Common-Rail-Diesel. Im 3008 leistet die Allzweck-Maschine von PSA 150 PS und erfüllt die Abgasnorm Euro 5. Seine 340 Newtonmeter hat der Zweiliter bei 2.000 Touren zusammen, zieht aber schon darunter voran - turbolochfrei und homogen.

Durchschnittlicher Verbrauch des Peugeot 3008 HDi FAP 150 von 4,6 L/100 km

Deswegen brummelt der Motor meist in den großen Stufen des nicht besonders exakt schaltbaren, aber gut abgestuften Sechsganggetriebes. Mit positiven Auswirkungen auf den Verbrauch: Auf der auto motor und sport-Sparrunde zieht sich der Peugeot 3008 HDi FAP 150 nur 4,6 L/100 km aus dem Tank - die ab 2011 lieferbare Hybridversion, bei der ein 27 kW und 100 Newtonmeter starker E-Motor die Hinterräder antreibt, soll das nur um einen halben Liter unterbieten. Bei der Ausstattung endet die Zurückhaltung. Die Topversion Platinum verfügt über Klimaautomatik und Radio/CD, dazu ein 1,6 Quadratmeter großes Panoramaglasdach, ein kleines, gewöhnungsbedürftiges Head-up-Display und einen unaufdringlichen Abstandswarner.

Ein durchaus erfreuliches Auto also, der Peugeot 3008 HDi FAP 150, obwohl er selbst nicht so recht weiß, was er ist. Umso deutlicher macht er aber, was er nicht ist: kein Van, kein Kombi, kein SUV - und erst recht keine Schönheit.

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Sebastian Renz

Autor:

auto motor und sport, Heft 14 / 2009

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