Da sind sie wieder, jene Spezies von Menschen, die vor allem in der Werbung, in Marketing-Broschüren und in Pressetexten zu neuen Autos ihr Dasein fristen: kreativ, jung, mobil, clever, designbewusst, freizeitorientiert, erfolgreich. Und natürlich aktiv. Wer will schon passiv sein? Oder gar ein Couch-Potato, während die Welt draußen mit all ihren Abenteuern und Verlockungen nur darauf wartet, von jedermann erobert zu werden. Und womit? Nein, nicht auf Schusters Rappen, sondern am Steuer eines raumgreifenden Allrad-Terminators.
Der Toyota Urban Cruiser 1.33 verbindet SUV und Kleinwagen
Dumm nur, dass echte Geländewagen und ihre zivileren Brüder mit dem neudeutschen Namen Sport Utility Vehicle derzeit - nun ja - etwas in die Diskussion geraten sind. Zu groß, zu schwer, zu durstig - und für viele schlicht zu teuer. Aber warum, fragten sich die Strategen von Toyota , sollten sich der Hauch von Freiheit und Abenteuer, das kernige Design und die hohe Sitzposition eines SUV nicht ohne dessen bauartbedingte Nachteile realisieren lassen? Frei nach dem Motto: Liebling, wir haben die Dinger geschrumpft.
Auf exakt 3,93 Meter Länge und 1,53 Meter Höhe - sozialverträgliches Kleinwagen-Format also. Und das ist der Toyota Urban Cruiser (zum Toyota Urban Cruiser-Fahrbericht ) auch seiner Herkunft nach. Unter dem wuchtigen Blech steckt - der identische Radstand lässt es bereits ahnen - die Yaris-Plattform mit Vorderradantrieb. Der Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung (bis zu 50 Prozent auf die Hinterräder) wie beim Toyota RAV4 fällt beim Benziner ebenfalls der Schrumpfkur zum Opfer und wird, dann aber serienmäßig, nur in Verbindung mit dem Dieselmotor geliefert - inklusive diverser Plastik-Anbauteile und der mittleren Ausstattung, jedoch ohne Start-Stopp-Automatik und verschiebbare Rückbank mindestens 22.950 Euro teuer.
Der Grundpreis des Toyota Urban Cruiser 1.33 liegt bei 16.950 Euro
Selbst das Benziner-Basismodell des Urban Cruiser kostet mit 16.950 Euro empfindlich mehr als ein vergleichbarer Yaris (15.050 Euro) und wirft damit die Frage auf, wo denn der habhafte Mehrwert zu finden ist. Beim Raumangebot wohl kaum, wie die entsprechenden Messwerte zeigen. Seinem Plus an Ladevolumen (39 bis 70 Liter) steht ein Minus an Normsitzraum und Kopffreiheit vorn gegenüber. Letzteres ist zwar der etwas erhöhten Sitzposition geschuldet und bereitet wohl nur Übergrößen Probleme, doch die Platzverhältnisse sind im Toyota Urban Cruiser insgesamt nicht rühmlich.
Auch die asymmetrisch geteilt um 15 Zentimeter verschiebbare, in der Lehnenneigung variable Rückbank aus dem Toyota Yaris (zum Toyota Yaris-Fahrbericht) bringt allein Vorteile beim Beladen, während die ohnehin geringe Beinfreiheit hinten durch das Vorschieben auf ein Minimum schrumpft. Neben der Stufe, die beim Umklappen der Fondsitze im Boden entsteht, mindert die hohe Ladekante den Nutzwert des Heckabteils. Kein Wunder, dass Toyota die typischen Käufer trotz formaler Fünfsitzigkeit eher unter Singles und Paaren vermutet.
Im Innenraum überzeugt der Toyota Urban Cruiser 1.33 durch gute Verarbeitung
Natürlich wissen auch andere die vielen Ablagen für Krimskrams und Wasserflaschen oder ein CD-Radio mit MP3-Player (Serie) im Urban Cruiser zu schätzen, desgleichen die saubere, knisterfreie Verarbeitung und das ansehnliche Interieur. Selbst das ungewöhnliche Zentralinstrument mit Tacho und gegenläufigem Drehzahlmesser sowie die silberfarbene, hervorgehobene Mittelkonsole - Tribut an die Lifestyle-Fraktion - dürften kaum jemand stören. Die wenigen Funktionen und die überaus schlichte, klare Gestaltung sorgen dafür, dass man mit dem Urban Cruiser schnell zurechtkommt. Allerdings hilft die mäßige Rundumsicht (niedrige Seitenscheiben, breite C-Säulen) nicht gerade im engen Stadtgewusel.
Der 1,33-Liter-Benziner des Toyota Urban Cruiser 1.33 leistet 101 PS
Ebenso wenig wie der zwar kultivierte und leise, aber kein bisschen spritzige und arg durchzugsschwache 1,33-Liter-Benziner. Der völlig neue, langhubige Vierzylinder mit 101 PS und variablen Steuerzeiten wurde eben wie die Übersetzung des leicht und exakt schaltbaren Sechsganggetriebes konsequent auf Sparsamkeit getrimmt. Dem gleichen Zweck dient die serienmäßige Start-Stopp-Automatik, die freilich bei eingeschalteter Klimaanlage oder anderen Nebenaggregaten den Motor bisweilen schon nach kurzem Stillstand wieder zum Leben erweckt. So bleibt der ganz große Durchbruch beim Verbrauch aus: Im Testmittel waren 7,5 Liter Super auf 100 Kilometer fällig, auf der zurückhaltend gefahrenen Normrunde reichten dem Toyota Urban Cruiser 5,2 Liter.
Der Toyota Urban Cruiser 1.33 lässt sich durchaus flott bewegen
Dabei lässt sich der 1.166 Kilogramm schwere Urban Cruiser (Yaris 1.059 Kilo) durchaus flott und zielgenau bewegen. Er entert selbst verzwickte Wechselkurven ohne großes Wanken oder zickiges Eigenlenkverhalten, folgt gutmütig dem vorgegebenen Kurs und wirkt trotz der etwas synthetischen Elektrolenkung und seines großen Wendekreises recht handlich. Die Bremsen könnten zwar kräftiger zupacken, zeigen aber kaum Fading. Auch die Sicherheitsausstattung (ESP, sieben Airbags, aktive Kopfstützen) überzeugt.
Sitze und Dämpfung des Toyota Urban Cruiser 1.33 können nicht überzeugen
Für den Komfort im Urban Cruiser gilt das nur bedingt, denn der gut ansprechenden Federung stehen unbequeme Sitze und eine straffe Dämpfung gegenüber, die auf Holperpisten schon mal trockene Hiebe austeilt. Da ist es endlich, jenes SUV-Gefühl, das man diesem gar nicht unsympathischen, aber teuren und in seinem tiefsten Wesen unspektakulären Kleinwagen aufgenötigt hat. Selbst die Namensnähe zum großen Geländeprofi Landcruiser könnte sich als zweischneidig erweisen - wenn nämlich die des Englischen mächtige Zielgruppe Urban Cruiser ganz kreativ mit Stadtstreicher übersetzt.






