Der Vaneo baut auf dem Konzept der A-Klasse auf. Mehr Höhe (plus 25 Zentimeter), Länge (plus 58 Zentimeter) und Radstand (plus 48 Zentimeter) bei praktisch unveränderter Breite, Spurweite und Bereifung verschieben die Proportionen in Richtung Überseekoffer - mit viel zu kleinen Rädern, aber Platz für fast drei Meter langes Sperrgut und bis zu 3500 Liter Laderaumvolumen.
Im Serientrimm kommt der Vaneo (ab 19.349 Euro, Testwagenpreis 27.533 Euro) nüchtern und zweckmäßig daher. Er hat zwar die wichtigsten Komfort- und Sicherheitsmerkmale an Bord (ESP, Bremsassistent, vier Airbags vorn, Kopfstützen und Dreipunktgurte für alle Plätze), aber weder Kopf- oder Sidebags im Fond noch öffnende Scheiben in den Schiebetüren. Die Ausstellfenster ganz hinten werden ebenso extra berechnet wie ein Radio oder die Klimaanlage. Zudem passen zum unlängst bekräftigten Qualitätsanspruch von Mercedes weder der abgebrochene Hebel der Sitzverstellung noch die Materialien und deren Verarbeitung.
Auch wenn der Vaneo eine funktionelle Bedienung und eine hohe Sitzposition mit - abgesehen vom schlecht abzuschätzenden Bug - guter Übersicht bietet, fehlt doch etwas Entscheidendes: Sitzkomfort. Denn die neu konstruierten Sitze sind nicht nur klein und wenig ausgeformt, sondern auch dermaßen hart, dass man schon nach kurzer Zeit vergeblich nach einer erträglichen Haltung sucht. Dabei hätte der Vaneo komfortable Sitze bitter nötig. Zwar spricht die Federung auf kleineren Unebenheiten ganz passabel an, aber bei groben Wellen oder Kanaldeckeln setzt es harte Schläge, begleitet von Polter- und Abrollgeräuschen.
Die Fahrwerksabstimmung geriet deshalb so straff, um ein Kippen wie bei der A-Klasse zu verhindern - was auch gelungen ist: Das relativ weich einsetzende ESP verhindert frühzeitig und zuverlässig kritische Situationen. Allerdings wird auch der Fahrspaß eingebremst, der ohnehin unter der schwachen Traktion und einer gefühllosen Lenkung leidet. Sie lässt überdies starke Antriebseinflüsse von den Vorderrädern durch.
Und was der lange Radstand zur Verbesserung des Geradeauslaufs tut, macht der hohe Aufbau mit gestiegener Windempfindlichkeit wieder zunichte. Er ist zudem für die sonore Geräuschkulisse mitverantwortlich. Einen größeren Anteil daran hat freilich der 1,6-Liter-Vierzylinder, der vor zwischen 3000 und 4000 Touren zum Dröhnen neigt. Dabei hat er mit dem Testwagengewicht von 1,5 Tonnen seine liebe Not. Der Zweiventiler wirkt schlapp und angestrengt. Unter Aufbietung aller Reserven schafft er den Spurt von null auf 100 km/h in 15,2 Sekunden und nach langem Anlauf maximal 169 km/h. Außerdem muss schon bei leichten Autobahnsteigungen zurückgeschaltet werden. Die Quittung folgt an der Tankstelle: Der Testverbrauch liegt bei 10,2 Liter/100 km.
All das macht den Vaneo 1.6 zwar teurer, aber nicht wirklich gut. Premium ist er höchstens beim Preis, ansonsten weder im Antrieb noch bei Komfort oder Qualitätsgefühl. Was bleibt ist viel Raum - nicht zuletzt für Verbesserungen.



