VW Golf Blue Motion: Der Knauser in der Kompakt-Klasse

VW Golf Blue Motion

Der VW Golf Blue Motion soll mit ebenso bezahlbarer wie effizienter Spartechnik Umwelt und Budget schonen.

Für den Dschungel des VW-Programms reicht kein Kompass, hier muss ein Modell-GPS her - schon wegen der verzwickten Grenzziehung im Blue Motion-Lager. Dort gibt es nämlich solche mit Blue Motion Technology und ein solitäres Modell Blue Motion.

Die Technik-Änderungen im VW Golf Blue Motion ist bekannt

Letzteres erkennbar am Typenschild sowie dem geschlossenen Grill, abgedunkelten Rückleuchten, der Tieferlegung um 15 Millimeter mittels Sportfahrwerk sowie markanten Spoilern und Schwellern. Die speziellen Boden- und Hinterachsverkleidungen, reibungsoptimierte Gelenkwellen, längere Übersetzung, abgesenkte Leerlaufdrehzahl, rollwiderstandsarme Reifen, Gangempfehlung sowie Start-Stopp-System haben die Geschwister ebenfalls. Bei den beiden letzten Features grinsen altgediente VW-Kämpen. Alles schon mal dagewesen, Anfang der Achtziger in der Formel E (nicht im VW Golf), später im "Umweltdiesel"-Golf, dann im VW Golf Ecomatic (mit Schwungnutzautomatik) und schließlich im Drei-Liter-Lupo. Gut gemeint, zu früh gekommen, marketingmäßig verschenkt, zu teuer, vom Kunden verschmäht und wieder vom Markt genommen.

Bergauf gibt der VW Golf Blue Motion fast den Löffel ab

Doch jetzt schnürt VW zum Preis von 22.415 Euro einen 105 PS starken Viertürer, der im Normzyklus nur 3,8 L/100 km verbrauchen und dabei 99 Gramm CO2/km ausstoßen soll. Und das ohne spürbaren Verzicht, ruppige Manieren oder aber Hybrid-Gehabe mitsamt Konstantdrehzahl-Motorgeheul. Stattdessen verfällt der 1,6 Liter große Common-Rail-Diesel in stabilen Leerlauf, rollt in der Ebene problemlos, kaum hörbar nagelnd los. Allerdings fallen neben der langen Übersetzung die großen Sprünge zwischen den fünf Gängen des Getriebes auf. So pendelt man oft zwischen zwei Gängen hin und her, im Stadtverkehr mit Steigungen muss bisweilen der Zweite ran, wo normalerweise der Dritte passt. Wenn es nach der optimistischen Schaltanzeige ginge, wäre es auch jetzt so, doch bei Drehzahlen um die 1.000 scheint der TDI bergauf fast den Löffel abzugeben.

Der VW Golf Blue Motion knausert erfolgreich

Ähnlich beim Anfahren am Berg nach einer Motorstopp-Phase, wo es einen Augenblick dauert, bis sich nach dem Anspringen des Motors alle Parameter aufs Losfahren einigen. Wegen der verbrauchsoptimierten Abstimmung muss der Fahrer Kupplungs- und vor allem das Gaspedal konzentrierter bedienen als üblich. Dynamiker wünschen sich da manchmal eine Power-Taste, die den subjektiven Elan der frühen TDI-Jahre zurückholt. Ganz klar: Der Common-Rail-TDI verschreibt sich eher der weichen, beiläufigen als der brachial-spontanen Kraftentfaltung. Sobald er aber einmal rollt, etwa auf Landstraße oder Autobahn, überzeugt der Blue Motion rundum. Niedrige Drehzahlen (bei Tempo 100 rund 1.600, bei 180 knapp über 3.000) sowie die effiziente Geräuschdämmung fördern im Zusammenspiel mit der ausgewogenen Federung den Langstreckenkomfort. Befürchtungen wegen des Sportfahrwerks erweisen sich als unbegründet: Ein VW Golf bleibt ein VW Golf - auch als Blue Motion. Bloß dass er mit einem Minimalverbrauch von 4,0 und einem Testverbrauch von 5,3 L/100 km noch erfolgreicher knausert als die anderen.

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Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 26 / 2009

Ist Blue Motion ein gelungenes Spritspar-Konzept?
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