VW Polo BiFuel im Test: Sparmeister mit Autogas

VW Polo 1.6 BiFuel, Frontansicht, Fahrt

Um dem VW Polo BiFuel zu einem geringeren Verbrauch zu verhelfen, verpasst Volkswagen dem Sparmobil einen größeren Benziner mit 1,6 Liter Hubraum.

Manchmal zwingt einen die Vernunft zu ungewöhnlichen Entschlüssen. Da winkt im Polo-Konfigurator beispielsweise ein 1,2 Liter kleines TSI-Motörchen fröhlich mit der Downsizing-Fahne. Doch um dem mit Autogas (LPG) befeuerten VW Polo BiFuel zu einer besseren CO2-Bilanz zu verhelfen, greift VW zu einem klassischen 1,6-Liter-Sauger.

Grund dafür ist die Technik: Das im Tank noch flüssige Autogas gelangt im VW Polo BiFuel via Verdampfer bereits im gasförmigen Zustand zu den Einspritzventilen. Die im Brennraum kühlende Wirkung der normalerweise vorhandenen Benzintröpfchen fehlt. Ergo ist es schlauer, LPG nicht mit Hitzeproduzenten wie Turbolader oder Kompressor zu kombinieren.

VW Polo BiFuel - sparsam aber sehr gemächlich

Wer es mit dem 82 PS starken VW Polo BiFuel eilig hat, merkt schnell, dass es der LPG-Polo lieber gemächlich mag. Mindestens 13,1 Sekunden verlangt er für den Spurt von null auf 100 km/h. Auch dar-über hinaus fordert der Polo einen geduldigen Fahrer, der sich nicht vom latent dröhnigen Vierzylinder genervt fühlt, sondern einfach weiterhin das Gaspedal tritt und fleißig schaltet.

Immerhin lässt sich das Fünfgang-Getriebe des VW Polo BiFuel so flott und leichtgängig betätigen, dass es Laune macht. Auch das komfortable Fahrwerk sowie die präzise Lenkung gefallen.

Die größte Freude kommt aber an der Tankstelle auf, wo der 1,1 Tonnen schwere Polo alles Darben mit ungewohnt niedrigen Kosten belohnt. Der Liter Liquified Propane Gas, eine Mischung aus Butan, Propan, Propen und Buten kostet lediglich 77 Cent. Legt man den von uns ermittelten Verbrauch des VW Polo BiFuel zugrunde, werden pro 100 Kilometer 7,16 Euro fällig. Ein mit 16.675 Euro ähnlich teurer Polo Blue Motion mit 75 PS benötigt 4,9 Liter Diesel, macht 7,25 Euro für 100 Kilometer.

Zwischen Autogas und Benzin per Knopfdruck wählen

Wie seine BiFuel-Geschwister Golf und Golf Plus bunkert der VW Polo BiFuel seinen Treibstoff platzsparend in der Reserveradmulde. Statt Notrad gibt es serienmäßig eine Reifendruck-Kontrollanzeige sowie Dichtmittel und Kompressor. 52 Liter Nutzvolumen reichen für zirka 550 Kilometer. Ist der Tank leer, holt sich die Einspritzanlage den Sprit automatisch aus dem unverändert vorhandenen, 45 Liter großen Benzintank. Auf Knopfdruck lässt sich zudem zwischen den beiden Antriebsarten wechseln. Zwei Füllstandsanzeigen informieren den Piloten über seine Reichweite.

Geht es schließlich an die Autogastanke, kann auch rund um den braven VW Polo BiFuel durchaus Spannung aufkommen. Gilt es doch zunächst den Adapter im Auto zu suchen, diesen dann aufzuschrauben, dann den großen Tankrüssel auf den Adapter zu drehen und darauf zu achten, dass der große den kleinen nicht festdreht. Sonst sitzt der Adapter bombenfest, was einen werkelnden Tankwart zur Folge hat und eventuell sogar eine Rohrzange aus dessen Kiste fordert. Übung dürfte hier aber den Meister machen.

Volkswagen setzt auf Autogas und Erdgas gleichermaßen

Während Polo, Golf und Golf Plus sich alternativ mit Autogas (LPG) betreiben lassen, kommt bei den Ecofuel-Varianten von Caddy, Touran und Passat Erdgas (CNG) zum Einsatz. Unter der Haube sitzt bei Letzteren ein 1,4 Liter großer Turbomotor mit 150 PS, der ab 1.500 Touren 220 Newtonmeter bereithält. Dank Abgasturbolader und Kompressor beschleunigt der 1,7 Tonnen schwere Variant in 10,1 Sekunden von null auf 100 km/h. Die leicht erreichbare Höchstgeschwindigkeit liegt bei 212 km/h.

Im Schnitt genehmigte sich der CNG-Passat im letzten Test 7,5 Kilogramm Erdgas. 100 Kilometer kosten damit aktuell 8,25 Euro. Dabei präsentiert sich der kleine Vierzylinder ausgesprochen kultiviert und hält sich akustisch deutlich im Hintergrund. Da die Erdgastanks unter dem Fahrzeugboden sitzen, bleibt der Kofferraum voll erhalten. Zusätzlich verfügt der Passat über einen 21 Liter großen Benzintank – genug, um die nächste CNG-Tankstelle anzufahren.

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Michael von Maydell

Autor:

auto motor und sport, Heft 11 / 2011

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