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VW Sharan im Test

Familien-Trab

Deutschlands beliebtester Van heißt VW Sharan. Die Großraumlimousine ist jetzt mit modifizierter Optik und stärkerem Dieselmotor noch attraktiver geworden.

02.08.2000

Die Schönheitsoperation war umfangreicher, als es sich dem unbefangenen Betrachter offenbart. Klarglas-Scheinwerfer und neue Heckleuchten fallen ins Auge. Ansonsten kommt die zweite Sharan-Generation daher wie ein alter Bekannter. Tatsächlich aber sind, bis auf Türen und Dach, alle Blechteile neu. Wichtiger noch: Sie fügen sich ineinander, wie es Ferdinand Piëch, der Herr aller Karosseriefugen, wünscht.

Auf der Qualitätsleiter der VW-Produkte stand der einst in Zusammenarbeit mit Ford entwickelte Sharan nie auf den höchsten Sprossen. Soweit die Begutachtung in einem ersten Test ein Urteil zulässt, ist er jetzt aber nach oben geklettert. Die Karosse bleibt bei forcierter Fahrt auf schlechten Straßen frei von Geräuschen. Nur die an den Kopfstützen aufgehängten Kleiderbügel verursachen ein unschönes Klapperkonzert. Im Innenraum ergibt sich jener gute Qualitätseindruck, der moderne VW-Produkte auszeichnet. Das Oberflächenmaterial des Armaturenbretts trägt dazu ebenso bei wie die Stoffbezüge der bequemen Sitze. Der Stil des Interieurs ist nun VW pur. Das unterstreicht auch die blaue Instrumentenbeleuchtung, die als optischer Gag zu Recht umstritten ist. Eine Klimaanlage, die den großen Innenraum ohne lästige Zugluft temperiert, gehört zu einer Serienausstattung, die das Prädikat „befriedigend“ verdient.

Denn noch steht einiges auf der Wunschliste. Da wäre zunächst eine wirksame Antriebsschlupfregelung. Denn das elektronische Sperrdifferenzial EDS ist mit dem Drehmoment, das der neue TDI-Motor mit Pumpe-Düse-Technik liefert, überfordert. Schon auf trockener Straße bringt der Mumm des Motors das kurveninnere Vorderrad schnell zum Durchdrehen. Und ESP? VW verwies zunächst stolz darauf, dass der Sharan als erster Van damit ausgerüstet werden kann. In der Preisliste taucht es mit 1020 Mark extra auf, was die ersten Kunden schon deshalb verdrießlich stimmen wird, weil der Käufer eines billigeren Golf den elektronischen Stabilisator serienmäßig bekommt. Zweifellos gehört der Sharan nicht nur im Kreis der Vans zu den fahrsicheren Exemplaren.

Er bietet ein neutrales Fahrverhalten und dank der exakten, wenn auch etwas stoßempfindlichen Lenkung ein leichtfüßiges, limousinenhaftes Handling. Man wird mit ihm auch dann keine Probleme haben, wenn sich eine Kurve als unerwartet eng erweisen sollte – vorausgesetzt, der Fuß bleibt auf dem Gas. Denn ein abrupter Lastwechsel lässt beim Testwagen ohne ESP das Heck nach außen drängen. Nicht in gefährlichem Maß, aber immerhin so, dass es dem weniger routinierten Fahrer, der eine solche Situation ja nicht bewusst provoziert, einen Adrenalin-Stoß bescheren kann. VW ist sich dieser Problematik reichlich spät bewusst geworden und wird mit einer kurzfristig anberaumten Kurskorrektur jene Kunden verärgern, die sich als Erste zum Kauf des neuen Sharan entschlossen haben: Alle seit 29. Mai produzierten Exemplare besitzen nun serienmäßig ESP. Weil wir gerade am Mäkeln sind: Auch ein Van, der mit einem zulässigen Gewicht von fast 2,5 Tonnen hohe Ansprüche an die Bremsen stellt, sollte welche besitzen, die weniger Fading zeigen als die des Sharan.

Dennoch überwiegt bei weitem der positive Eindruck. Dafür sorgt nicht nur die ausgewogene Federung, die Unebenheiten sauber schluckt, ohne den Aufbau in lästige Vertikalbewegungen zu versetzen. Den wichtigsten Beitrag liefert der neue Pumpe-Düse-Turbodiesel mit variabler Turbinengeometrie. Er ist nur fünf PS stärker als sein Vorgänger, hat aber im Drehmoment einen mächtigen Sprung von 235 auf 310 Newtonmeter gemacht. Damit ist der Sharan weit besser motorisiert, als man dies von nur 1,9 Liter Hubraum erwartet. Vor allem die Leistungscharakteristik überzeugt. Die ab 1600/min steil ansteigende Drehmomentkurve bringt kraftvollen Schub und reduziert die bei vielen starken Turbodieseln zu beobachtende Anfahrschwäche auf ein Minimum. Schon bei 1900/min ist das Drehmomentmaximum erreicht, danach fällt die Kurve wieder ab.

In der Praxis bedeutet dies, dass der Sharan  sehr niedertourig gefahren werden kann, ohne dass sich Leistungsmangel einstellt. Selbst wer es eilig hat, wird spätestens bei 3500/min hochschalten – was darüber liegt, bringt nicht mehr viel. Die Abstufung des neuen, leicht schaltbaren Sechsganggetriebes erweist sich angesichts der üppigen Durchzugskraft als goldrichtig. Sie macht es leicht, den Diesel im günstigsten Drehzahlbereich zu halten. Der sechste Gang ist trotz der sehr langen Übersetzung (3500/min bei Höchstgeschwindigkeit) kein reiner Schongang. Er kann an leichten Autobahnsteigungen drin bleiben, ohne dass das Reisetempo in den Keller fällt.

Auch auf der Landstraße erweist er sich als brauchbarer Fahrgang. Dank dem niedrigen Drehzahlniveau beweist der Sharan  bemerkenswerte Sparsamkeit. Nur mit Bleifuß gelingt es, ihn über zehn Liter pro 100 Kilometer zu bringen. Der Testdurchschnitt von 8,4 Litern stellt der neuen Maschine ein sehr gutes Zeugnis aus. Wenig Drehzahl bedeutet auch wenig Geräusch. Die von Entwicklungschef Martin Winterkorn versprochene bessere Dämmung filtert die im Fahrbericht (Heft 8/2000) bemängelte Kernigkeit des Motors teilweise aus. Dass ein Diesel arbeitet, bleibt nicht verborgen. Aber das Brummen wird nicht lästig und tritt bei hohem Tempo in den Hintergrund. Operation gelungen, kann man da nur sagen. Vor allem die verbesserte Technik bietet gute Voraussetzungen dafür, dass der Sharan seine Rolle als Klassenprimus auch in Zukunft weiter spielen kann.

Fazit

In der TDI-Version mit Sechsganggetriebe besitzt der Sharan einen überzeugenden Antrieb: durchzugsstark, sparsam und angemessen kultiviert. Qualität, Komfort und Fahreigenschaften sind gut. Ein weiterer Pluspunkt: ESP ist serienmäßig.

Technische Daten
VW Sharan 1.9 TDI
Grundpreis30.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4634 x 1810 x 1730 mm
KofferraumvolumenVDA256 bis 2610 L
Hubraum / Motor1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung85 kW / 115 PS (310 Nm)
Höchstgeschwindigkeit181 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h13,7 s
Verbrauch6,3 L/100 km
Testverbrauch8,4 L/100 km
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