VW Up 1.0 im Test

Wie hoch ist der Spaßfaktor mit 60 PS?

VW Up

Mit dem VW Up hat Volkswagen wieder ein Modell für weniger als 10.000 Euro im Programm. Die Frage ist nur: Reichen 60 PS des Basis-Up für den ansonsten recht erwachsenen Kleinstwagen?

So ändern sich die Zeiten und Erwartungen: Beim ersten Polo (1975 bis 1981) – 3,50 Meter lang, rund 700 Kilogramm leicht – war ein 1,3-Liter-Vierzylinder mit 60 PS das Maximum. Beim aktuellen, etwa gleich großen VW Up ist diese Leistung das Minimum, stammt aber aus einem Einliter-Dreizylinder und muss gut 200 Kilogramm mehr bewegen.

Das hat seine Gründe, weil heute keiner mehr so spartanisch wie im Urahn unterwegs sein und an Sicherheit, Qualität und Komfort sparen will. Eher schon beim Antrieb, denn 600 Euro weniger bei der Anschaffung und 0,2 Liter weniger Normverbrauch gegenüber dem VW Up mit 75-PS-Triebwerk sind speziell in dieser Klasse zugkräftige Argumente. Dafür verzichtet mancher gern auf einen zugkräftigen Motor, zumal die Unterschiede zwischen den weitgehend baugleichen Vierventilern im Alltag kaum ins Gewicht fallen.

VW Up 1.0 in 15,2 Sekunden auf Tempo 100

Auch der schwächere Dreizylinder meldet sich mit bauarttypischen Vibrationen zum Dienst, bringt den 932 Kilogramm schweren VW Up munter in Schwung. Auf Tempo 100 braucht er nur 1,1 Sekunden länger, bis dahin reicht das Temperament völlig aus. Erst auf der Autobahn wird es zäh, besonders wenn man ohne zu schalten beschleunigen will. Ein Gang runter und die Drehzahl rauf hilft meist aus der größten Verlegenheit, treibt jedoch bei häufiger Ausnutzung der bescheidenen Kraftreserven den Benzinkonsum deutlich über den Normwert (4,5 L/100 km).

Immerhin bleibt der kleine Bonus gegenüber dem stärkeren Bruder (0,2 Liter) auch in der Praxis erhalten – ebenso wie dessen sonstige Qualitäten, die bei anderen Autos dieser Klasse in ähnlicher Konzentration und Reife derzeit nirgends zu finden sind. Statt verhärmter Askese verbreiten schon das luftige Raumgefühl und das schmucke, hochwertige Interieur im VW Up eher ein Gefühl von befreiender Entschlackung, und dank großzügigen, gut gepolsterten Sitzen, niedrigem Geräuschniveau und ausgewogenem Federungskomfort kommt man selbst nach längeren Strecken entspannt ans Ziel.

Kleines Auto, großer Spaß

Und das sogar vergnügt: Weder die grobrastige Lehnenverstellung noch die nicht optimale Sitzposition oder kleine Bedienungsschwächen mindern das Vergnügen am wendigen, agilen VW Up. Zumindest eins hat sich also nicht geändert: Auch in kleinen Autos kann die Freude am Fahren groß sein.

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Bernd Stegemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 03 / 2012

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