Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Winterreifentest im Format 225/45 R17 V

30 Grad sind nichts für die Regen- und Schneespezialisten

Foto: Herzog 20 Bilder

Acht unterschiedliche Profile und Konstruktionen zeigen beim großen Winterreifentest, welchen Biss sie bei Schnee, Nässe und Trockenheit an den Tag legen können - und zwar in der Dimension 225/45-17 mit Geschwindigkeitsindex V, auf einem Mercedes C 280.

14.11.2007 Jochen Übler Powered by

Sehr interessant, wie mancher Verkehrsteilnehmer der Winterreifenverordnung entgegnet. Scheinbar um sich Ärger, Arbeit und theoretisch auch Geld zu ersparen, rollen viele Autos doch tatsächlich mit Lamellenprofi l und M+S-Kennung auf den Reifenflanken durch den Sommer. Das ist zweifelsohne auch eine vorbeugende Maßnahme, um sich für den Winter zu wappnen, obwohl
nicht sonderlich weitsichtig. Denn die Gummimischung und Profilgestaltung eines Winterpneus sind schließlich nicht dazu angetan, bei Temperaturen von 30 Grad Celsius oder mehr eine gute Figur abzugeben.

Guter Grip bei Schnee und Nässe

Bestmöglicher Grip bei widrigen Temperaturen, Schnee und Nässe lautet das Entwicklungsziel der Winterreifen. Und so kommt es demnach nicht von ungefähr, dass mehr als zwei Drittel der bei unserem Winterreifentest zu vergebenden Punkte just auf diese zwei Disziplinen entfallen.

Im Nachhinein betrachtet verhagelt genau jene Gewichtung dem Goodyear Eagle Ultra Grip Performance eine Top-Bewertung. Denn nasse Bedingungen und mit Schnee bedeckte Fahrbahnen zählen nicht zum primär bevorzugten Terrain des US-Produkts. Beim Goodyear liegt die Gewichtung mehr auf Performance als auf Ultra Grip, womit er seinem Namen nur teilweise gerecht wird.

Der Goodyear bietet das ausgewogenste Lenkverhalten

Mit seiner Performance-Ausrichtung liegt der Ultra Grip beim Trockenhandling dann nicht nur zeitlich mit an der Spitze, sondern bietet neben der besten Lenkpräzision auch das ausgewogenste Fahrverhalten.

Der Michelin Pilot Alpin 3, der Hankook Icebear W300 und der Vredestein Wintrac Xtreme sind ganz ähnlich geartete Typen. Auch sie verlangen bei Nässe und Schnee eine höhere Kompromissbereitschaft, um die bei Trockenheit gewonnenen sportlichen Eigenschaften zu kompensieren. Obwohl zumindest der Vredestein auch die bei nasser Fahrbahn auferlegten Prüfkriterien sicheren Trittes hinter sich bringt. Ob trocken oder nass, der Wintrac Xtreme wartet mit einem guten Lenkgefühl auf.

Hankook und Michelin fallen auf Nässe ab

Weniger gut schaffen es der Hankook und der Michelin, ihre Trockenfähigkeiten auch auf nasses Geläuf zu übertragen, obwohl sie die Aquaplaningwertung anführen. Beide vereint bei Nässe zwar eine anfangs gute Lenkpräzision, was im weiteren Kurvenverlauf jedoch schnell in ein Untersteuern mündet. Und zu guter Letzt sind beide auch noch anfällig für Lastwechselreaktionen. Wenngleich der Michelin dabei noch etwas zahmer ans Werk geht und ein grundsätzlich höheres Griplevel bieten kann als der Koreaner.

Icebear und Nordicca bilden das Schlusslicht

Der Hankook ist bei bewässerter Bahn relativ diffizil auf Kurs zu halten, was sich am Ende der 2,0 Kilometer langen Runde auch auf die Zeit niederschlägt. Zusammen mit dem Matador MP 59 Nordicca schwingt der Icebear beim Nasshandling also die rote Laterne.

Zurück zu den Nassdisziplinen: Da gibt es einen absoluten Überflieger. Der Continental WinterContact TS 810 überzeugt als absoluter Wasser-Guru. Er bietet das mit Abstand höchste Gripniveau, welches einhergeht mit einer vorzüglichen Lenkpräzision und einem sehr ausgewogenen Fahrverhalten. Lediglich bei der Aquaplaningprüfung im sechs Millimeter tiefen Wasserbecken liegt der Conti nicht an der Spitze.

Gegen die im Nasshandling vorgelegte Rundenzeit des TS 810 ist trotzdem kein Kraut gewachsen. Aber zumindest bei der Lenkpräzision und mit einem harmonischen Fahrverhalten wissen sowohl der Pirelli als auch der Goodyear dem Conti Paroli zu bieten. Nur bei der Verzögerung auf Nässe liegt der Goodyear dann auf mäßigem Niveau, während der Italiener auf Rang drei landet.

Der Conti fällt auf trockener Fahrbahn zurück

Wie sich der WinterContact den vorzüglichen Nassgrip in erster Linie erkauft, wird nicht nur bei der Messung der Gummihärte, sondern auch bei den Prüfungen auf trockenem Asphalt klar - durch eine verhältnismäßig weiche Mischung. Nach drei schnellen Runden im Trockenhandling zeigt die Lauffläche des Conti deutlich mehr Auflösungserscheinungen als die der restlichen Testprobanden. Zudem hinterlässt die Lenkpräzision einen überaus schwammigen Eindruck. Im Grenzbereich ist der Mercedes C 280 zum starken Untersteuern verdammt. Nur die Bremswerte bei Trockenheit stimmen wieder versöhnlich.

Und auf Schnee? Auch da bieten die Profilgestaltung und die softe Mischung des Continental einen guten Biss. Nur bei der Verzögerung rutscht der WinterContact ins hintere Drittel ab. Unterm Strich belegt er bei der Schneewertung Rang drei. Die Spitze markieren der Dunlop Wintersport 3D und der Pirelli Sottozero Winter 240. Mit 98 von 100 möglichen Punkten legen beide auf Schnee ein Traumergebnis hin. Bei der Rundenzeit auf dem 1,2 Kilometer langen, selektiven Kurs trennt beide nur ein Wimpernschlag. Der Pirelli zeigt dabei leichte Vorteile beim Bremsen, ist im Grenzbereich einen Hauch besser zu beherrschen, weil der C 280 erst spät und sanft über alle Viere zu treiben beginnt. Mit Dunlop, Pirelli und Conti ist man also in den Alpen bestens aufgestellt.

Mit gebührendem Abstand folgt der Vredestein, der beim Bremsen aus 50 km/h Federn lässt. Mit einer Strecke von 24,5 Meter bildet er in dieser Disziplin das Schlusslicht: Auf den Besten, den Pirelli, fehlen ihm immerhin zwei Meter. Jedoch gehen die Traktion sowie das Fahrverhalten in Ordnung. Letzteres scheint dafür nicht gerade die große Stärke von Goodyear und Michelin zu sein. Wie anfangs erwähnt, hadert der Eagle Ultra Grip Performance mit einer bei schneebedeckter Fahrbahn mäßigen Seitenführung. Die Traktion ist also nicht das Thema, sondern das Übertragen der Querkräfte. Unter gleich bleibender Last schiebt der Goodyear-bereifte Mercedes in Kurven zunächst über die Vorderräder, um sich dann plötzlich übersteuernd zu präsentieren. Wohlwollend ausgedrückt scheint der Michelin Pilot Alpin 3 beim Tanz auf dem weißen Parkett da die berechenbarere Größe zu sein. Mit dem Franzosen bestückt, tendiert der Mercedes so gut wie gar nicht zum Untersteuern. Andererseits ist die relative lose Heckpartie ein ständiger Unruheherd. Für den Fahrspaß und eine erquickliche Agilität sind die Lastwechselreaktionen zweifelsfrei vorzüglich, für eine möglichst entspannte Beherrschbarkeit in Notsituationen jedoch weniger.

Und trotzdem bilden weder der Goodyear noch der Michelin die Nachhut in der Schneewertung. Diese bleibt dem Matador und dem Hankook überlassen. Beiden fehlt es an ausreichend Traktionsvermögen. Beim Sprint von 10 auf 50 km/h hinken sie dem Rest des Feldes deutlich hinterher. Allein die guten Bremswerte können am Punkterückstand auch nichts mehr ändern. Und die durchschnittlichen Rundenzeiten täuschen zunächst über die tatsächlichen Gegebenheiten etwas hinweg. Denn sowohl der Icebear W300 als auch der Nordicca verlangen auf dem Handlingkurs eine geübte Hand am Volant. Vor allem der beim Matador vorherrschende Wechsel zwischen Unter- und Übersteuern erfordert eine hohe Lenkradarbeit. Der Hankook tendiert zunächst zum starken Schieben über die Vorderachse, um dann kräftig mit dem Heck auszukeilen, das sich schwer wieder einfangen lässt.

Der Pirelli ist der beste Allrounder

Um es auf den Punkt zu bringen: Die besten Allroundeigenschaften mit den gewichtigeren Schnee- und Nässe-Vorzügen bietet der Pirelli Sottozero Winter 240. Mit etwas Abstand sind der Dunlop SP Wintersport 3D und der Vredestein Wintrac Xtreme mit von der Partie. Der Continental WinterContact TS 810 heimst unterm Strich zwar die meisten Punkte ein. Für die eingangs erwähnten „Spezialisten“, die ihre Winterreifen auch unbedingt im Sommer quälen müssen, scheint eine derart weiche Mischung allerdings erst recht die falsche Wahl zu sein.

Anzeige
Mercedes C63 AMG Mercedes-Benz C-Klasse ab 325 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Mercedes C-Klasse Mercedes Bei Kauf bis zu 13,22% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Gebrauchtwagen Angebote