Wuchtbrumme: Bentley Continental als Limousine

Im Januar 2005 soll die viertürige Variante des Bentley Continental GT in Serie gehen. Die Limousine, intern Midsize-Bentley (Entwicklungscode BY611) genannt, rangiert im Modellprogramm unterhalb des großen Arnage.

Wenn nur dieser unwürdige Schlüssel nicht wäre. Da leis­tet man sich ein prächtiges Luxuscoupé für 159‑000 Euro – und bekommt dazu einen schwarzen Plastikklumpen, wie ihn jeder Seat- oder VW-Fahrer erhält. Tut’s auch, na klar, und erfüllt seine Funktion sogar in der Hosen­tasche, weil man den Wagen ganz cool per Knopfdruck öffnen und starten kann. Aber selbst das kleine aufgeklebte „B“ taugt kaum, Besitzerstolz und Faszination für die schöne neue Bentley-Welt zu wecken. Wir haben es ja gewusst, werden sich die Zweifler und Traditionalisten bestätigt fühlen. Was kann man schon erwarten, wenn ein Riese wie VW nach einer kleinen, feinen Elitemarke greift? Was ist geballte deutsche Ingenieurskunst gegen die Pracht des britischen Empire? Doch wie immer: Es kommt drauf an, was man daraus macht. Und wer dem Continental GT erst einmal in natura gegenübersteht, fragt sich wohl eher, was eine unabhängige Firma Bentley besser oder britischer gemacht hätte – wenn sie überhaupt in der Lage gewesen wäre, ein komplett neues Modell zu entwickeln. Mit seinem eleganten Hüftschwung, der sanft fließenden Dachlinie und der auf das Wesentliche reduzierten, gleichwohl überwältigenden Frontpartie zeigt der Zweitürer jedenfalls, dass er dem Stil und der Tradition des Hauses bestens gerecht wird. Das Design enthält sich jeglicher Effekthascherei und strahlt doch jene Anmut und Kraft aus, die Bentley schon immer aufs Schönste zu verbinden wusste. Vor allem die gut ak­zentuierten Kotflügel und die athletischen Schultern verleihen dem Coupé die muskulös-federnde Ausstrahlung einer sprungbereiten Raubkatze. Es ist mehr ein sehniger Panther als ein mächtiger Löwe, der hier kauert. Denn die Erkenntnis, dass künftig auch im Topsegment des Automarktes eine gehobene Bescheidenheit Einzug halten könnte, führte zu einer schönen Beschränkung des Auftritts und Formats. Im Vergleich zum 55 Zentimeter längeren und sieben Zentimeter höheren Vorgänger wurde der GT auf die Dimensionen eines BMW Sechser oder einer Mercedes E-Klasse gestutzt, um die sportlichen Gene der Marke stärker hervortreten zu lassen. Dass es sich hier um den so genannten Mid-Size-Bentley handelt, wird spätestens beim Entern des Innenraums deutlich. Statt in abgehobener Position sitzt man auf Augenhöhe mit den Fahrern gewöhnlicher Limousinen.

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W.K./fis

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