BMW Alpina Roadster V8: Weniger kann mehr sein

Alpina V8 Roadster, 2002, Z8

Zu den Markenzeichen der Alpina-Modelle zählen eine blaue Lackierung und leistungsgesteigerte BMW-Motoren. Anders beim BMW Alpina Roadster V8: Der ist deutlich teurer als der
Serien-Z8 und bietet dafür weniger Pferdestärken. Ein Husarenritt?

Es hinterlässt fast den Eindruck einer frisch gereiften Alters-Weisheit, wenn ausgerechnet Burkard Bovensiepen als langjähriger Verfechter der Leistungsgesellschaft neuerdings Bescheidenheit demonstriert. Nicht pekuniärer Art, versteht sich, denn auch der BMW-Veredler aus Buchloe muss für den Lebensabend vorsorgen. Gespart wird in diesem Fall an der Leistung
und nicht am Preis: Der neue Alpina Roadster kostet rund 4500 Euro mehr als sein Serien-
Pendant Z8 und bietet dafür 19 PS weniger. Statt 400 sind es nur noch 381 PS, was
im Prinzip immer noch stattlich ist. Doch ausgerechnet in einer Phase, in der sich Serienhersteller
mit Modellen wie dem 241-PS-Golf R32 , dem 450-PS-Audi RS6 und der 500-PS-Mercedes S-Klasse eine wahre PS-Schlacht liefern, bemüht sich Bovensiepen erstmals um den Beweis, dass weniger mehr sein kann wenn das gesamte Package stimmt. Wer sich hier auf einen Motorenvergleich beschränkt, wird dem Alpina nicht gerecht.
Denn in diesem Fall ist ein Sportwagen mit kluger Hand weiterentwickelt worden,
um kleine Schwächen so dezent auszumerzen wie manch graues Haar deutscher
Spitzenpolitiker. Hand aufs Herz: Wenn Sie nach 400 Kilometer Autobahnfahrt aus dem Z8 aussteigen, fühlen Sie sich dann wohl?

Oder ist Ihnen nicht doch die eine oder andere Querfuge so vernehmlich ins Kreuz geschossen, dass Sie sich in ein bequemeres Auto zurückwünschen, das noch dazu über eine Automatik und nicht über ein Schaltgetriebe verfügt wie der Z8? Ihnen kann geholfen werden wenn Sie für 129 900 Euro den Alpina ordern. Durch gezielte Eingriffe ins Fahrwerk absorbiert der Roadster hier Fahrbahnverwerfungen feinfühliger als der Z8 und überrascht mit hohem Komfort. Zum besseren Ansprechverhalten tragen straffere Federn, weichere weichere Dämpfer, eine im Bereich der Vorderachse um fünf Millimeter tiefergesetzte Karosserie sowie 20- statt 18-Zoll-Räder bei,
die im Gegensatz zum Z8 keine Notlaufeigenschaften aufweisen und so über weniger
steife Seitenwände verfügen. Auf diese Weise, so hofft zumindest Bovensiepen, ist
hier ein Auto entstanden, das sogar den von Bandscheibenproblemen geplagten Ex-
BMW-Chef Joachim Milberg sanft von Ort zu Ort trägt. Dabei muss er keinesfalls auf
Fahrspaß verzichten, denn trotz der etwas weicheren Fahrwerksabstimmung handelt
der Alpina nicht schlechter als der Serien-Z8. Durch den Tausch des Antriebsstranges
vom M5-Motor mit Schaltgetriebe zum Alpina-V8, der auf dem X5-Triebwerk
aufbaut, und der Fünfstufen- Automatik von ZF ist der Schwerpunkt des Autos
mehr in die Mitte gerutscht. 

Die Achslastverteilung verschiebt sich mit 49,5 zu 50,5 leicht in Richtung Heck, was dem Alpina etwas neutralere Fahreigenschaften verschafft. 19 PS weniger Leistung und ein rund 100 cm3 geringerer Hubraum machen aus einem Supersportwagen keinenPapiertiger auch der Alpina
geht wie Schmidts Katze, wenngleich er im Vergleich der Messwerte um einige
Wimpernschläge zurückliegt. Den Wettlauf von null auf 100 km/h gewinnt der Serien-Z8
mit 4,7 Sekunden knapp vor dem Alpina (5,3 Sekunden). Trotzdem: Das Temperament,
mit dem der Alpina-Roadster davonstürmt, ist beeindruckend, das Drehmoment
von 500 auf 520 Newtonmeter gestiegen eine Wucht. Hier fehlt es an nichts. Dazu passt die gut gestufte Automatik, die die Gänge immer im richtigen Moment zurechtlegt und blitzschnell schaltet. Ganz will Alpina dem Fahrer die Arbeit nicht abnehmen und offeriert zusätzlich
den Switchtronic-Modus mit Schaltmöglichkeit von der Lenkradrückseite aus: Auf der
rechten Seite wird hochgeschaltet, auf der linken Seite herunter welcher Gang gerade
anliegt, zeigt ein zusätzliches Instrument auf dem Armaturenbrett direkt vor den Augen des Fahrers. Das klappt in der Praxis hervorragend, verliert aber nach der ersten Spielphase an
Reiz. Es gibt keinen Grund, die Aufgabe der Automatik zu übernehmen.

Mit ihrer hervorragenden Übersetzung hat sie das gewaltige Leistungspotenzial des Motors so souverän im Griff, dass nicht einmal der Kickdown-Modus notwendig ist, um kraftvoll aus dem
Drehzahlkeller herauszubeschleunigen. Abgerundet wird der stilvolle Auftritt des Motors
durch ein Klangkonzert, das vor allem bei geöffnetem Verdeck im langgezogenen Tunnel
das Herz des Fahrers jubeln lässt. Egal, ob man Anastacia, Herbert Grönemeyer oder Rachmaninow liebt der Alpina-Ton rührt jedes Herz, zumal der Motor auch noch
kultivierter läuft als das M5- Triebwerk im Serien-Z8.Bleibt  noch der wenig erfreuliche
Blick auf die Verbrauchswerte: 15,9 Liter teures Super Plus benötigt der Roadster in der Automatik- Version auf 100 Kilometer und rangiert damit auch über dem handgeschalteten Z8, der 15,6 Liter verbraucht. Alpina-Fahren hat eben seinen Preis egal, wie hoch die Leistung ist. Trotzdem ist hier ein überraschend komfortabler Sportwagen entstanden, mit dem Bovensiepen auf seine alten Tage Großes vorhat: Erstmals wird es Alpina auf dem US-Markt geben.
Von den 555 gebauten Exemplaren werden ab 2003 450 Einheiten in den USA abgesetzt,
der kleine Rest geht nach Japan und Europa - Bescheidenheit also zumindest auch bei den Absatzzielen

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Birgit Priemer

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