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Alfa Romeo 4C im Fahrbericht

Auf einen Sportwagen-Espresso in Italien

Alfa Romeo 4C, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 21 Bilder

Wir durften den Alfa Romeo 4C erstmals auf der schnellen Fiat-Teststrecke in Balocco bewegen. Kann der kleine Sportwagen die hohen Erwartungen erfüllen? Eine Stunde hatten wir Zeit, das zu überprüfen.

13.11.2013 Marcus Peters Powered by

Was macht man wohl, wenn man gerade einen Alfa Romeo 4C hat und eine Stunde lang exklusiv auf die Rennstrecke des Fiat-Testgeländes im norditalienischen Balocco darf? Richtig, man gibt aus vollem Herzen Gas und lässt den kleinen Mittelmotor-Zweisitzer so derbe wie möglich ums Eck. Schließlich haben uns die Italiener lange genug auf diesen Moment hinfiebern lassen. Nur anschauen, nicht anlassen, hieß es von Seiten des Herstellers.

Alfa Romeo 4C auf der Fiat-Teststrecke

Jetzt, da wir endlich randürfen, beschränken wir also das Aufwärmprozedere aufs Minimum, lassen es in der ersten Runde noch etwas ruhiger angehen. Wir bringen den Turbo-Vierzylinder mit 240 PS und die 235er-Hinterreifen auf Temperatur, rufen uns den Streckenverlauf wieder in Erinnerung. Es gibt schnelle Ecken, so viel ist uns von der letzten Stippvisite vor einigen Jahren noch geläufig, sehr schnelle sogar. Die lange Links sollte mit dem Alfa Romeo 4C dank relativ breiter Spur voll gehen, und das Gas sollte mit einem Blick auf die große Bremsanlage am Ende der Geraden lange stehenbleiben dürfen. Im Verbund mit dem optionalen Sportfahrwerk also beste Voraussetzungen.

Ähnlich wie der Lotus Elise S lebt der Alfa Romeo 4C die Askese: Adaptive Dämpfer sucht man ebenso vergeblich wie Gasdruckdämpfer zum Aufhalten der Heckklappe – nur kein zusätzliches Gewicht. Wer will, darf werkseitig sogar auf Klimaanlage und Radio verzichten. Beim Testwagen sind beide an Bord, weshalb die gepriesenen 895 Kilogramm Leergewicht hier kaum realistisch sein dürften. Mit allen Flüssigkeiten sowie vollgetankt plus Fahrer erscheinen weniger als 1.100 Kilogramm möglich. Auf die Waage durften wir mit dem Alfa Romeo 4C übrigens nicht.

Schmauchende Hinterräder und sämige Drifts

Die Rolle des Leichtgewichts nimmt man dem 4C dennoch ab, so spielerisch und intuitiv, wie er sich um die Ecken werfen lässt. Das Herantasten an den Grenzbereich des Alfa Romeo 4C gelingt beeindruckend schnell – er kündigt sich mit weich einsetzendem Rutschen an. Schon in Runde eins wird der Drang zum Limit stark, und man muss sich wirklich zügeln, um nicht nach den ersten Kurven bereits den Racer-Modus mit heruntergeklapptem Visier einzunehmen.

Und dann in Runde zwei passiert es, so praktisch ganz von selbst. Einfach, weil es offenbar für den kleinen Alfa Romeo 4C der natürliche Lauf der Dinge ist: Wir pendeln die 180-Grad-Links an, nehmen den Schwung aus dem Lastwechsel bewusst mit, geben dem 4C per Lenkung noch einen Stüber mit – schon stellt er sich quer, fließt im dritten Gang mit Vollgas und schmauchenden Hinterrädern im sämigen Drift dahin, trollt sich am Kurvenausgang wieder in die Spur und jagt der nächsten Biegung entgegen.

Alfa Romeo 4C ohne mechanische Differenzialsperre

Nach dieser kurzen Eingewöhungszeit ist ein Drift eigentlich gewagt, doch der Alfa Romeo 4C gibt einem das Gefühl, es sei schon okay – obwohl auch er ein prinzipbedingt kippeliger Mittelmotor-Zweisitzer mit kurzem Radstand ist und damit alles andere als eine Driftmaschine. Und obwohl ihm eine mechanische Differenzialsperre fehlt, welche die Traktion deutlich verbessern würde.

Doch dem Alfa Romeo 4C steht der Sinn nicht danach, seinen Fahrer mit Drehern zu demütigen. Er wird nicht einmal beim Umsetzen in Wechselkurven auf der Hinterachse leicht. Man muss nur seinem Rhythmus folgen, in ihn hineinfühlen – der Rest ergibt sich fast schon spielerisch von allein. Natürlich erfordert die servofreie Lenkung trainierte Schultern und zupackende Hände, doch sie spricht Bände: Wer ihr gut zuhört, weiß immer, wo die Räder stehen, wie viel Grip der Asphalt bietet, und wie weit es noch bis zum Abriss der Haftung ist.

So geht auch die lange Links in Balocco tatsächlich voll; im Scheitelpunkt drückt sich der Alfa Romeo 4C eng an der Leitplanke entlang. Der Tacho steht bei 220 und am Ende der langen Geraden sogar bei knapp 250 km/h, also nahezu Vmax. Und der Zweisitzer liegt immer noch wie ein Einbaum, tänzelt erst beim harten Zusammenstauchen vor der Schikane leicht, aber gut korrigierbar.

Beifahrer kann im Alfa seinen Sitz nicht verstellen

Vor allem bei den Highspeed-Passagen spürt man die Ernsthaftigkeit des 4C-Aufbaus, das Chassis aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, die Karosserie aus Glasfaser-Verbundstoff, der Mittelmotor mit Kühlung vorn zwischen den Crashboxen und der völlig auf den Fahrer zugeschnittene Innenraum – der Beifahrer des Alfa Romeo 4C kann nicht einmal seinen Sitz verstellen.

Es sieht so aus, als hätte Alfa Romeo mit Hilfe der beiden Konzerngeschwister Ferrari und Maserati aus dem Stegreif heraus einen echten Sport-Puritaner auf die Räder gestellt, einen, der sogar für begabte Amateure voll beherrschbar ist. Wir mussten zwar lange warten – doch die eine Stunde mit dem Alfa Romeo 4C in Balocco war das Warten wert.

Fazit

Das lange Warten auf den 4C hat sich gelohnt: Alfa Romeo hat einen Mittelmotor-Zweisitzer im Supersportler-Look mit Kohlefaser-Chassis auf die Räder gestellt – mit echtem Rundstrecken-Talent. Streng genommen ist der 4C konkurrenzlos, denn er bietet zum Preis einer Lotus Elise S deutlich aufwändigere Technik. Der 4C ist sozusagen der kleine Bruder des sündteuren 8C.

Technische Daten
Alfa Romeo 4C
Grundpreis63.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3989 x 1868 x 1183 mm
KofferraumvolumenVDA110 L
Hubraum / Motor1742 cm³ / 4-Zylinder
Leistung177 kW / 240 PS (350 Nm)
Höchstgeschwindigkeit257 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s
Verbrauch6,8 L/100 km
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