Alfa Romeo 8C Spider im Fahrbericht: Gänsehaut-Cabrio für Gutbetuchte

Alfa Romeo 8C Spider

Der erste Eindruck des Alfa Romeo 8C Spider täuscht: Unter der eleganten Karosserie steckt jede Menge Renntechnik sowie ein infernalisch schreiender V8. Dem durften wir bei einer ersten Ausfahrt auf den Zahn fühlen und reichlich Impressionen mit dem Sport-Traumwagen sammeln.

Wie, Sie haben noch keinen Alfa Romeo 8C Spider? Sind noch traurig, dass die 500 Stück genauso schnell vergriffen waren wie zuvor die Coupés? Dann kommt jetzt die gute Nachricht: Ein Dutzend Exemplare sind wieder verfügbar. Wirtschaftskrise und Währungsturbulenzen nötigten einige der von Alfa Auserwählten zur Stornierung der Bestellung des Alfa Romeo 8C Spider – Ihre Chance! 

Alfa Romeo 8C Spider sorgt für Schrecken

Vorausgesetzt, Sie haben die Krise selbst gut überstanden und wollen 211.285 Euro jetzt lieber in vierrädrige Sachwerte wie den Alfa Romeo 8C Spider anlegen als in dubiose Aktienfonds. Über mangelnde Dividende müssen Sie sich jedenfalls keine Sorgen machen. Die wird im Alfa Romeo 8C Spider pünktlich mit dem Anlassen des von Maserati entliehenen V8 ausgeschüttet – in Form von erhöhtem Puls und Kontraktion der Gesichtsmuskulatur. Vom Schallschutz des Coupé-Dachs befreit, sorgt der angriffslustig knurrende 4,7-Liter des Alfa Romeo 8C Spider im Fahrbericht schon im Leerlauf für mehr Glücksgefühle als der dickste Depot-Auszug. Bei Stadttempo trompetet er noch in politisch korrekter Lautstärke, doch das lässt sich ruck, zuck ändern: Wer zaghaften Beifahrern einen Schreck einjagen will, betätigt am Ortsschild die Sporttaste und gibt Vollgas.

Mit deaktivierten Schalldämpfern schreit der 450 PS starke Front-Mittelmotor des Alfa Romeo 8C Spider zornig auf wie eine Tribüne Milan-Fans beim Stadt-Derby. Und er sucht Verbündete: Häuserschluchten, Felswände und (am besten) enge Tunnelröhren spielen Pingpong mit den Schallwellen und schicken sie neu abgemischt an die Trommelfelle der Insassen zurück. Voluminöser, tiefer und nochmals giftiger. Dass der Zweisitzer 292 km/h erreicht, glaubt man sofort, dass er die Geräuschvorschriften irgendeines Landes nördlich der Alpen erfüllt, schon weniger.

Technik-Schmankerl und Karbon-Karosserie

Dabei sieht der Alfa Romeo 8C Spider gar nicht nach Brutalo aus. Mit seiner Endlos-Motorhaube und dem Retro-Hüftschwung könnte er glatt als harmloser Concours-Schönling durchgehen. Wie ernst es seinen Machern ist, zeigt jedoch ein Blick auf die Technik: Karbon-Karosserie auf einem verwindungssteifen Stahlchassis, doppelte Dreiecksquerlenker und ein sequenzielles Sechsganggetriebe in Transaxle-Bauweise. Die Schaltbox auf der Hinterachse sorgt im Alfa Romeo 8C Spider zusammen mit dem weit hinten kauernden Motor für eine ausgewogene Gewichtsverteilung von 50:50 Prozent.

Alfetta- und Giulietta-Fahrer aus den wilden Hecktriebler-Zeiten nicken jetzt wehmütig. Der Aufwand wird schon in der ersten Kehre spürbar: Trotz 90 Kilogramm Mehrgewicht im Vergleich zum Coupé folgt der Alfa Romeo 8C Spider Lenkbefehlen äußerst präzise und wirkt selbst bei extremem Kurventempo im Fahrbericht so verlässlich wie das Schweizer Bankgeheimnis.

Rasant vorgetragene Gangwechsel im Alfa Romeo 8C Spider

Sound-Junkies, die im Alfa Romeo 8C Spider mit gedrückter Sport-Taste unterwegs sind, bekommen zum offenen Auspuff gleich noch eine schärfere Gaspedalkennlinie sowie auf 80 Millisekunden verkürzte Schaltzeiten serviert. Gangwechsel werden so mit der Sensibilität eines Bolzenschussgerätes vollzogen. Wer jenseits der 7.000/min an den Lenkradwippen des Alfa Romeo 8C Spider zupft, fliegt in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 und im Zeitraffer auf die nächste Kehre zu.

Glücklicherweise stauchen die unter 20-Zoll-Felgen verstauten Keramikbremsen den 1,7-Tonnen schwere Alfa Romeo 8C Spider im Fahrbericht rechtzeitig vor dem Kurveneingang zusammen. Mit einem wohltuenden Rest an Federungskomfort und einem Hauch Untersteuern kurveneingangs verkneift sich der Alfa Romeo 8C Spider das aufgedrehte Testosteron-Gehabe eines Lamborghini Gallardo, kommt aber auch nicht an die Leichtfüßigkeit eines Audi R8 heran. Ebenso wenig wie an dessen Detailperfektion.

Zwar spannen im Alfa Romeo 8C Spider mit kuscheligem Leder überzogene Sitze aus dem Ferrari Enzo Fahrer und Beifahrer bequem ein, und eine aus dem Vollen gefräste Alu-Mittelkonsole sorgt für ehrfürchtige Klopfproben, einige Schalter und Bedienelemente wirken dafür aber wie dem Mito entliehen. Zudem surrt das Stoffverdeck zwar elektrisch nach hinten, will jedoch umständlich von Hand entriegelt werden.

Glückliche Neubesitzer, die ihre zweite Chance genutzt haben, parken den Alfa Romeo 8C Spider daher am besten gleich offen in der Garage. Dank konsequenter Sitzheizung und wirkungsvollem Windschott lassen sich Sonnenstrahlen auch ganzjährig mit jeder Menge Vortrieb und Motorensound anreichern. Nur gut, dass die zwölf Abtrünnigen erst gar nicht wissen, was ihnen entgeht. Ihr Schmerz wäre vermutlich noch größer.

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Dirk Gulde

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