Alfa Romeo Giulietta Fahrbericht: Kompaktsportler auf italienisch

Alfa Romeo Giulietta, 1,8 Tbi, 16V,

Die stärkste Variante des Alfa Romeo Giulietta drückt sich mit 235 PS am Golf GTI vorbei – theoretisch. Wie sich die Giulietta Quadrifoglio Verde 1.8 TBi schlägt, lesen Sie im Fahrbericht des Kompaktsportlers.

Liebe Alfisti, bitte holt die Taschentücher raus, die Tränengefahr steigt hier gleich. Es geht um die Giulietta 1.8 TBi, die so vielversprechend im Parkhaus wartet. In feuriges Rosso Alfa gehüllt funkelt sie beim Entriegeln mit Xenonaugen und macht unmissverständlich klar: Was ist schon eine Herde grauer Gölfe gegen einen leuchtenden Alfa Romeo Giulietta? Besonders, wenn es sich wie hier um ein Alphatier handelt – veredelt mit 19-Zoll-Alurädern und Brembo-Bremsen im Beißzangenlook, zwei Endrohren, silberfarbenen Spiegelkappen und vierblättrigen Kleeblättern auf den Kotflügeln. Bei so viel Glück muss die Fahrt himmlisch verlaufen? Denkste.

Zum ersten Piekser kommt es, da hat der Motor des Alfa Romeo Giulietta noch nicht einmal geschnurrt. Die adrett anzusehenden Ledersitze mit eingesticktem Logo sind elektrisch einstellbar – bis auf die Neigung der Sitzflächen. So hocken Fahrer & Co. etwas unentspannt und vermissen zudem in schnellen Kurven Halt im Rückenbereich. Kleinigkeiten, wozu gibt’s auf jeder Reise reichlich Geraden ...?

Ein 235 PS-Gefühl will sich nicht einstellen

Dafür hat Alfa dem noch jungen 1.8 TBi-Benziner eine Kraftkur verpasst und mit 235 PS zum derzeit leistungsstärksten Motor der Marke gemacht – fast so viel wie der selige 3,2-Liter-V6 alter Tage hatte. Die ersten Meter mit dem Alfa Romeo Giulietta lassen alle Taschentücher vergessen, die Leistung wird von den 225er-Vorderrädern tadellos übertragen. Auch der knackigste Ampelsprint verläuft ohne übermäßiges Gezerre in der Lenkung.

Doch schon bei Halbgas fragt man sich, ob die Pferde heute weniger Heu bekamen, denn so richtig wollen sie nicht losrennen. Selbst bei 6.000 Umdrehungen bleibt der große Jubel im Fahrbericht aus. Egal, in welchem Modus die adaptive Fahrdynamikregelung (DNA) mit Schlechtwetter-, Normal- und Dynamikprogramm steht, das Lenkung und Ansprechverhalten ändert: Der Motor wirkt müde, die Nadel des Drehzahlmessers schafft es nicht mal bis in den roten Bereich. Ein Golf GTI fährt dem Alfa Romeo Giulietta nur auf dem Papier hinterher. Warum? Der Alfa Romeo Giulietta bummelt, auch bei der Höchstgeschwindigkeit. Die versprochenen 242 km/h schafft sie nur bergab.

Turbomotor des Alfa Romeo Giulietta ist ein Säufer

All das wäre Bella zu verzeihen, wenn das Drumherum stimmen würde. Dabei macht das Fahrgefühl im Alfa Romeo Giulietta, das sich nicht in Zahlen messen lässt, noch Spaß: Der Fronttriebler nimmt plötzliche Kurswechsel sportlich an, lenkt eifrig ein und lässt sich schnell führen. Bei Schlaglöchern weiß das Fahrwerk jedoch keinen Rat, was die Insassen spüren. Noch schlimmer sind die Schwächen der Bedienung: Das Navigationssystem im Alfa Romeo Giulietta ist langsam und nuschelt, die Lautstärkeregelung des Radios reagiert träge, und einen in dieser Klasse üblichen Regensensor sucht man vergebens.

Die größte Enttäuschung gibt’s beim Nachtanken. Während der Blick über die schöne Form des Alfa Romeo Giulietta tanzt, stoppt die Zapfpistole: 50 Liter nach 385 Kilometern – macht rund 13 Liter/100 km! Die Zahl lässt noch am Abend leise Tränen fließen. So wird’s nichts mit uns, Bella.

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Dani Heyne

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