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Alfa Spider 1750 Veloce und Fiat 124 Sport Spider

Blick-Fänger

Alfa Spider 1750 Veloce, Fiat 124 Sport Spider, Frontansicht Foto: Arturo Rivas 33 Bilder

Dort, wo Alfa Romeo 1750 Veloce und Fiat 124 Sport Spider auftauchen, stehen sie im Mittelpunkt - und das seit mehr als vier Jahrzehnten. Doch sie können mehr als nur hübsch aussehen. Viel mehr.

07.11.2013 Michael Schröder Powered by

Fast alle halten inne, sobald sie die beiden Cabrios bemerken. Zuerst der Alfa Romeo, ein roter 1750 Veloce von 1969. Einst wegen seines runden Hecks als Osso di Sepia verschrien, als Tintenfischknochen, handelt es sich bei diesem Urtyp inzwischen um das begehrteste Modell aus der Spider-Familie. Ihm folgt ein Fiat 124 Sport Spider, Baujahr 1971, ein clever konstruierter Dauerbrenner, der seine größten Verkaufserfolge in Amerika erzielte. Den vielen Blicken nach zu urteilen, die diese beiden prägenden Italo-Spider während dieser Ausfahrt auf sich ziehen, scheint deren Reiz weiterhin ungebrochen zu sein.

Beneidenswerter Purismus

Zugegeben, der Formationsflug der beiden Italiener begeistert auch den Autor. Es muss an der Leichtigkeit liegen, mit der der Alfa Romeo 1750 Veloce und Fiat 124 Sport Spider sich an diesem perfekten Sommertag über die Straße treiben lassen, an deren beneidenswertem Purismus, der den meisten modernen Cabriolets längst abhanden gekommen ist. Rund, lang und schlank wirkt der Alfa, unverkennbar dessen Gesicht mit dem "Scudetto" in der Mitte und den zweigeteilten Stoßstangen. Bug und Heck laufen zur Gürtellinie hin spitz zu - die Proportion dabei nahezu perfekt.

Man könnte Designer Sergio Pininfarina einzig vorwerfen, in der Front der im Sommer 1966 vorgestellten, neuen Spider-Form keinen harmonischen Platz für die großformatigen Nummernschilder mancher Exportländer gelassen zu haben, obwohl die meisten Alfa Romeo Spider für das Ausland vorgesehen waren. Die im Vergleich zu den damaligen italienischen Mini-Nummerntafeln riesigen deutschen Schilder fanden höchstens asymmetrisch unter einer der Stoßstangenhälften Platz. Oder schon mal als Folie auf der Haube.

Fiat 124 Sport Spider mit Buckeln in der Motorhaube

Der Fiat 124 Sport Spider hingegen trägt sein Schild brav in der Mitte der markanten Front mit dem schwarzen Wabengrill. Die beiden kleinen Buckel auf der flach abfallenden Haube kennzeichnen das Auto als 1970 eingeführte Version mit dem 110 PS starken 1,6-Liter- Triebwerk, dessen hoch bauende Doppelvergaser zumindest auf der Fahrerseite nach mehr Platz verlangten. Der zweite Buckel ist demnach funktionslos, lässt jedoch auf das Streben nach stilistischer Harmonie des - ja, richtig - Designers Sergio Pininfarina schließen. Der Mann hatte beide Autos gegen Mitte der sechziger Jahre quasi zeitgleich für die in direkter Konkurrenz stehenden Konzerne Fiat und Alfa Romeo entworfen.

Doch während Pininfarinas ungewöhnliches Alfa-Rundheck den Geschmack vieler Alfisti überforderte, gilt das Heck des nur sechs Monate nach dem Alfa Spider vorgestellten Fiat 124 Spider (November 1966) seit jeher als wohl proportioniert. Der auffällige Doppelknick im Blech erinnert an die Form eines Schwalbenschwanzes und soll als aerodynamischer Kniff obendrein den Geradeauslauf stabilisieren.

Selbst in der Neuauflage des Modells ab 1982 unter den Namen Pininfarina Spidereuropa bleibt das klassische Design des ewig jung wirkenden 2 + 2-Sportwagens unangetastet, wohingegen Alfa das einst so ungeliebte Rundheck mit der Vorstellung des Fastback bereits nach vier Jahren schon wieder in Rente schickte.

Pikantes Detail am Rande: "Der Fiat Spider war die beste Mischung aus Design und Vernunft", soll Sergio Pininfarina einst gesagt haben. Was ihm viele Alfa-Fans bis heute nicht verziehen haben.

Alte Alfa-Schule, ästhetisch und funktional

Alfa Romeo 1750 Veloce-Besitzer Ulrich Burkhard sieht diese Angelegenheit inzwischen jedoch recht entspannt, obwohl der Mann aus Böblingen nahe Stuttgart schon immer und ausschließlich Alfa Romeo fährt. Der rote Veloce gehört seit zehn Jahren zum Fuhrpark des Alfa-Fans, ein Auto im wünschenswerten Bestzustand, in das man eigentlich sofort einsteigen möchte.

"Kein Problem". Burkhard scheint die Gedanken des Autors während der ersten Pause erraten zu haben und reicht den Schlüssel. Der erste Blick fällt auf das Lenkrad, das von drei Metallspeichen gehalten wird, dann auf die klar gezeichneten Rundinstrumente dahinter. Tacho und Drehzahlmesser sind so gedreht, dass der Bereich der Höchstleistung genau im Blickfeld des Fahrers liegt. Rechts daneben drei zusätzliche Anzeigen für Tankinhalt, Öldruck und Wassertemperatur. Alte Alfa-Schule, ästhetisch und funktional.

Der brillant konstruierte, aus dem 1750 Berlina entliehene Doppelnockenwellenmotor des Alfa Spider meldet sich sofort zur Stelle, begeistert bereits im Standgas mit seinem heiseren Klang. Der Ton ändert sich leicht, sobald der Spider wieder auf die Straße darf, wird schärfer, lustvoller. Bereits im Drehzahlkeller nimmt der 115 PS starke Vierzylinder sauber Gas an, zieht bis 5.500 Touren wunderbar hoch. Darüber geht ihm ein wenig die Luft aus, doch das spielt schon längst keine Rolle mehr.

Kurven können dem Alfa Romeo 1750 Veloce wenig anhaben. Kurswechsel lassen sich fast schon spielerisch mit zwei Fingern am Lenkrad erledigen, und dabei vermiest einem nicht einmal die hintere Starrachse die einmal angepeilte Linie. Das Fünfganggetriebe - ebenfalls ein Gedicht! Direkt und jede Gangstufe perfekt aufeinander abgestuft. Es fällt schwer, wieder auszusteigen. Ulrich Burkhard kennt dieses Gefühl.

Seit fast 30 Jahren in einer Hand

Allerdings wartet bereits der Fiat 124 Sport Spider von Dietmar Bahlinger aus dem schwäbischen Schlaitdorf für eine Proberunde. "Kein wirklich schlechter Tausch, oder?" Bahlinger ist sich der Wirkung seines Autos durchaus bewusst. Ursprünglich nur für einen Sommer gekauft, befindet sich der Fiat inzwischen seit 29 Jahren in dessen Besitz. Da erübrigen sich weitere Fragen.

Das Fiat 124 Sport Spider-Cockpit mit seinen sechs Rundinstrumenten - ähnlich zeitlos wie im Alfa. Die Anzeigen sind jedoch allesamt direkt im Blickfeld des Fahrers platziert. Einzig das gelochte Dreispeichen-Lenkrad ist nicht original, ergänzt Bahlinger. "Ab Werk wurde diese Spider-Version mit einem zweispeichigen Volant ausgeliefert."

Unter der Haube des Fiat 124 Sport Spider grummelt bereits dessen 1,6-Liter-Vierzylinder im Standgas. Er stammt ursprünglich aus dem Fiat 125 und verfügt ebenfalls über zwei obenliegende Nockenwellen. Während diese beim Alfa durch eine Duplex-Kette angetrieben werden, handelt es sich bei Fiat hingegen um eines der ersten dohc-Großserien-Aggregate mit einem Zahnriemen.

Fiat 124 Spider ist in den USA ein Bestseller

"Jetzt geht es Alfa an den Kragen" hatte auto, motor und sport angesichts der aufwendigen Motorkonstruktion, des Fünfganggetriebes und des günstigeren Preises 1966 bei der Präsentation des Fiat orakelt. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht für gekommen, aber der Fiat 124 Sport Spider aus Turin entpuppte sich besonders in den USA als Bestseller: Rund zwei Drittel aller produzierten 124er landeten in der Neuen Welt.

Die Eingewöhnungszeit dauert nur wenige Minuten. Vollkommen unangestrengt folgt der offene Fiat 124 Sport Spider dem Verlauf der kurvigen Straße, lässt sich mit dem auffällig flach stehenden Lenkrad spielerisch dirigieren, schiebt einzig in wirklich schnell gefahrenen Kurven leicht über die Vorderräder. Allerdings verführt der kurzhubig ausgelegte Motor zu einer engagierten Fahrweise, weil er sich zwischen 4.000 und 6.000 Touren am wohlsten fühlt und dabei fordernd und frech klingt. Sollte es hingegen doch einmal eng werden, sorgen - ebenfalls wie beim Alfa - vier Scheibenbremsen für die nötige Gelassenheit am Steuer.

Die Ausfahrt endet erst spät am Abend. Hinter Alfa Romeo 1750 Veloce und Fiat 124 Sport Spider liegt eine perfekte Runde, und deren Piloten sind mit sich und der Welt zufrieden - was an diesen Autos liegen muss. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Michael Schröders Fazit zu Alfa und Fiat Spider

Beide, der Alfa Romeo 1750 Veloce sowie der Fiat 124 Sport Spider, fallen in die Kategorie Traumwagen. Bei ihnen dreht sich alles um den Fahrspaß. Und die Begeisterung ist am Ende umso größer, weil gerade diese Autos wieder einmal bewiesen haben, wie wenig dafür erforderlich ist.

Obwohl – wenig ist relativ. Der 1750er-Motor des Alfa bietet ein Maximum an italienischer Automobilhistorie – ein faszinierendes Sportlerherz durch und durch. Mit so jemand unter der Haube fährt man nicht einfach los, da wird bereits der Start wie ein Festauftakt zelebriert. Dass der einst wegen seiner Form verrufene Rundheck-Spider der Ur-Vater einer legendären Baureihe ist, macht ihn am Ende umso begehrenswerter.

Der Auftrag des Fiat war es einst, mit seinem agilen und modernen Motor dem Alfa das Leben möglichst schwer zu machen. Diesen Job hat der formschöne Spider aus Turin längst erledigt, heute darf er ungeniert aus dem Schatten der großen Alfa-Ikone heraustreten.

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