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Alfa Romeo Spider von 1966 bis 1993

Quattro Stagioni - Vier Generationen Fahrspaß

Vier Generationen Alfa Spider Foto: Uli Jooß 30 Bilder

Frauenliebling, Sportgerät für Männer und das richtige Gefährt für Genießer, der Alfa Spider ist alles in einem. Und wenn ein Sportwagen in 27 Jahren über 100.000 Mal gebaut wird, hat er sich eine Liebeserklärung verdient. Vier Generationen des Alfa Romeo Spider im Vergleich.

02.12.2009 Heinrich Lingner Powered by

Meinen ersten Alfa Spider kaufte ich vor über zehn Jahren. Er war fast neu, schwarz, mit heller Alcantara-Ausstattung. Das Hardtop war montiert, denn es war Ende Dezember.

Erste Erkenntnis: Für einen Alfa Romeo Spider gibt es keinen Ersatz

Ich erinnere mich genau an die erste Fahrt, den Geruch des Leders, den Blick über die glänzend schwarzen Kotflügel ins Schneegestöber und das eigenwillige Heck mit den serienmäßigen Pirelli P 6-Reifen auf der glatten Straße.

Ich wollte ihn für den Rest meines Autofahrerlebens behalten. Leider beendete nach zwei Jahren ein Renault Mégane Coach die Liaison. Er schlug im Heck meines Spider ein und verwandelte ihn in einen Totalschaden. Der Serie 4 wurde durch einen Bertone Junior ersetzt. Es dauerte zwei Jahre, bis ich meinen Irrtum eingesehen hatte: Für einen Alfa Spider gibt es keinen Ersatz. Also kaufte ich eine Gummilippe in Schwarz, ebenfalls mit Katalysator und einem Hardtop. Die habe ich heute noch, und auch den Junior. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Erste Generation: Der Rundheckspider besteht die Reifeprüfung

Vier Spider-Generationen auf einmal könnten selbst unsensible Gemüter überfordern. Jetzt stehen sie vor mir, in verschiedenen Farben, mit unterschiedlichen Motoren und diversen Ausstattungsvarianten. Die Wahl fällt schwer, der Duetto macht das Rennen. Schließlich begründet der Rundheck-Spider die Legende. Er wurde zwar nur vier Jahre lang gebaut, und seine Zeitgenossen fanden an der von den Pininfarina Superflow-Prototypen inspirierten Formen wenig Gefallen.

Einem immerhin gefiel er - dem US-Filmregisseur Mike Nichols. Er besetzte mit einem roten 1600 eine kleine Nebenrolle in seinem Klassiker „Die Reifeprüfung“. Die Rolle machte das Auto und den Fahrer Dustin Hoffman so bekannt, dass beide bis heute davon zehren: Hoffman wiederholte eine Filmszene für eine beträchtliche Gage in einem Audi A6-Werbespot, und der Alfa wurde zum Kultauto.

Der Duetto überrascht mit der besten Sitzposition

Beim Wiedersehen wartet der Duetto mit einigen Überraschungen auf. Eine davon ist die Sitzposition: Im ältesten Alfa Spider sitzt man mit Abstand am besten. Die stehenden Pedale und die niedrigeren Sitzmöbel bringen das Plus an Bewegungsfreiheit, das man in den neueren Spider-Varianten oft vermisst.

Zweite Überraschung: Trotz seiner 35 Jahre lässt sich der 1750 kaum weniger sportlich bewegen als ein zehn Jahre jüngerer und 12 PS stärkerer Fastback 2000. Der 1750-Motor hat zwar bei niedrigen Drehzahlen nicht ganz so viel Druck, er jubelt aber williger hoch als der langhubige Zweiliter.

Dennoch hat man das Gefühl, in einem richtigen Oldtimer zu sitzen. Die ungewohnte Pedal-Kinematik, das blecherne Instrumentenbrett ohne Mittelkonsole und die fehlenden Sicherheitsgurte erinnern eher an einen Sportwagen der 50er Jahre. Auch der Sound des aus dem 1750 Berlina entlehnten Motor ist ein paar Dezibel kerniger als bei den drei jüngeren Spider-Modellen.

Der Alfa Spider Fastback kommt 1971 mit dem bärenstarken Zweiliter-Doppelnocker

Anders als beim Duetto gab es bei der Präsentation des direkten Nachfolgers keine Diskussionen über die Form. Fachleute und Publikum fanden den Coda tronca, wie der Fastback in Italien genannt wurde, auf Anhieb eleganter und stimmiger als den Vorgänger. Zumal das Gepäckraumvolumen kräftig angewachsen war – ein willkommener Zusatznutzen.

1971 legte Alfa kräftig Kohlen nach und schuf mit dem bärenstarken 2000 den nach gängiger Meinung faszinierendsten Spider von allen. Die Leistungsangaben für den Zweiliter differieren nach Quelle und Land, nach DIN waren es 132 PS. Ab 1975 schrumpfte die Leistung freilich auf 125 PS.

Einige Alfa-Freunde bemäkelten damals, dass der 2000 deutlich an Munterkeit und Drehfreude verloren habe und trauerten den lebendigeren 1750 nach. Da ist durchaus was dran. Der Zweiliter-Doppelnocker tritt in dem leichten Spider an wie ein Stier. Er wirkt jedoch jenseits der 5.000er-Marke etwas zäh.

Diese Leistungscharakteristik hat aber auch ihre angenehmen Seiten. Sie passt hervorragend zum gepflegten, schnellen Offenfahren jenseits aller Hektik, wie man es heute mit einem fast 25 Jahre alten Zweisitzer an den Tag legen sollte. Und sie enthebt einen der Pflicht, öfter als unbedingt nötig zum Schalthebel zu greifen.

Das ist zwar immer noch ein unvergleichliches Vergnügen, wie bei allen Alfa der Baureihen 105 und 115, aber man kostet die seltenen Schaltmanöver noch intensiver aus als in den hubraumschwächeren Versionen. Ansonsten ist im Fastback Wohlfühlen angesagt: Das bildschöne Holzlenkrad fest im Griff, den Blick zwischen Straße, Drehzahlmesser und Ölmanometer pendelnd, fällt es nicht schwer, diesen Spider zum Lieblings-Alfa zu erklären.

Die Gummilippe enttäuscht mit 80er-Jahre-Optik und schlapp gemachtem Kat-Motor

Ganz anders die dritte Serie, die den etwas abschätzigen Beinamen „Gummilippe“ trägt. Sie erfordert etwas mehr Zeit und Einfühlungsvermögen, bis man sie zu schätzen weiß. Ich gebe gern zu: Auch ich habe mich damals abgewendet, als sie 1983 präsentiert wurde.  Doch wir haben diesen Spider missverstanden. Er war eben ein Kind der Achtziger, so wie Discopalmen und Legwarmer-Stulpen. Und wenn es Männern erlaubt ist, Lederkrawatten und Minipli-Frisuren zu tragen, dann darf ein Alfa sich auch mit Spoilern schmücken.

Immerhin, die Form gewinnt nach 20 Jahren an Reiz. Originale Fahrzeuge ohne verstümmelte Gummilippe oder andere historisierende Umbauten werden immer beliebter. Und es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis ein Spider aus dieser Ära als originaler und geschätzter Youngtimer beispielsweise bei der Creme21 antritt.

Erst drei Jahre nach der Vorstellung wurde der Spoiler-Spider komplett. Trugen die ersten Baujahre noch das Eisbecher-Instrumentenbrett des Fastback, sorgte ab 1986 ein Facelift dafür, dass auch im Innenraum alle Erinnerungen an das Vorgängermodell verschwanden. Ein Lenkrad im Alfetta-Stil, ein wuchtige Mittelkonsole und eine zentrale Instrumenteneinheit dominierten das Bild im Interieur.

Neuerungen gab es auch unter der Haube. Eine Kat-Version mit Bosch-Einspritzung war jetzt auch auf dem europäischen Markt lieferbar. Das Datenblatt weist bescheidene 115 PS aus, und selbst die scheinen im direkten Vergleich mit dem kräftigen Zweiliter-Vergasermodell von der schwächeren Sorte zu sein. Auch der Sound und das Ansprechverhalten lassen wenig Euphorie aufkommen.

Dafür kann der Kat-Spider mit anderen Qualitäten aufwarten: Dank Euro 1-Schadstoffeinstufung halten sich die Steuern in Grenzen, und der Zweiliter-Motor wurde zum Spritsparer. Selten genehmigt er sich mehr als zehn Liter Super, beim lockeren Offenfahren sind es rund neun.

Nüchtern: Die 4. Serie des Alfa Spide  hat keinen Spitznamen bekommen

5 PS mehr Leistung versprach der Nachfolger, dem bis heute ein einprägsamer Name verwehrt blieb, und den wir demzufolge Serie 4 nennen. Eine modernere Bosch-Motronic und eine durchsatzfreudigere Auspuffführung sorgten für die Mehrleistung. Auf mehr Interesse stießen freilich die äußeren Veränderungen: Die integrierten Stoßflächen an Front und Heck mit dem schmalen Rückleuchtenband gefielen Fachpresse und Publikum gleichermaßen. Im Innenraum fielen die Neuerungen bescheidener aus: Echtledersitze, Fensterheber und erstmals eine Servolenkung verwandelten das Auto in einen kleinen Luxus-Spider.

Noch heftiger ging es in den US-Modellen zu. Auf Wunsch gab es diese sogar mit Automatikgetriebe, Airbags und Klimaanlage, die allerdings schon bei den Gummilippen für den amerikanischen Markt lieferbar war.

Zumindest über die Servolenkung kann man sich heute noch freuen. Sie verleiht dem Spider beim Langsamfahren eine Agilität, die vorher undenkbar war. Altgediente Alfa-Schrauber freilich bemängeln, dass die erhöhten Kräfte, die dadurch auf die Radaufhängung wirken, für ausgeschlagene Fahrwerkslager sorgen.

Davon merkt man beim Fahren natürlich nichts. Der Serie 4 wirkt deutlich moderner als alle seine Vorgänger, allerdings scheinen Verarbeitungsqualität und Verwindungssteifigkeit keine besondere Priorität genossen zu haben. Es scheint so, als seien die Spider der letzten vier Baujahre etwas lieblos montiert worden. Der Motor immerhin hat eindeutig profitiert. Er fühlt sich deutlich lebendiger an, dreht williger hoch und klingt subjektiv auch etwas sonorer
als in den früheren Kat-Modellen.

Welcher ist der beste aller Spider?

Doch auch das rettete den Alfa Spider nicht. Nach insgesamt 27 Produktionsjahren war 1993 endgültig Schluss. Die Kleinserienfertigung in Turin war zu unrentabel, und die Konkurrenz von Mazda MX-5 und Co. verhieß für die Spider-Zukunft wenig Gutes. Zumal der frontgetriebene Nachfolger schon bereit stand. 1993 lief die Fertigung aus, 1994 verkaufte Alfa in den USA die letzten Exemplare als C. E. (Commemorative Edition – Gedenkausgabe), komplett mit Erinnerungsplakette, Automatikgetriebe, Airbag-Lenkrad, Klimaanlage, speziellem Schlüsselanhänger und Wurzelholz-Applikationen.

Auf die Frage, welcher Spider den nun der Beste sei, gibt es so viele Antworten, wie es Spider-Generationen gibt: Der Duetto ist der richtige Spider für Oldtimerfans, die es gern ein wenig archaischer und ruppiger mögen. Der Fastback erfreut Leistungsfetischisten, die dennoch auf klassisches Erscheinungsbild Wert legen. Preisbewusste Achtziger-Jahre-Nostalgiker können sich am ehesten für die Gummilippe erwärmen. Und der Serie 4 ist für all jene genau richtig, die ihren Spider im Alltag fahren wollen.

Mein Lieblings-Spider? Ich hätte gern zwei: einen 1600 Junior Fastback, wegen des drehfreudigen Motors und des Blechinstrumentenbretts; und einen US-Serie 4 in Vollausstattung, weil ich noch nie einen gesehen habe. Am besten als C.E. in Silber mit schwarzen Sitzen. Schließlich fing mit einem Serie 4 für mich alles an.

Mehr zum Thema 100 Jahre Alfa gibt‘s bei unserer Schwesterseite www.auto-motor-und-sport.de - mit aktuellen Autotests, News und Stories rund um die Marke Alfa Romeo.

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Technische Daten
Alfa Romeo Spider DuettoAlfa Romeo Spider 2000 FastbackAlfa Romeo Spider 2.0Alfa Romeo Spider 2.0
Grundpreis22.446 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4250 x 1630 x 1290 mm4120 x 1630 x 1290 mm4254 x 1630 x 1290 mm4258 x 1630 x 1290 mm
KofferraumvolumenVDA300 L300 L
Hubraum / Motor1570 cm³ / 4-Zylinder1962 cm³ / 4-Zylinder1962 cm³ / 4-Zylinder1962 cm³ / 4-Zylinder
Leistung88 kW / 120 PS (161 Nm)
Höchstgeschwindigkeit186 km/h194 km/h185 km/h190 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,8 s12,0 s
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