Alpina B3 S Biturbo im Fahrbericht

Alpina-3er mit ganz eigenem Charakter

Alpina BS 3 Biturbo

Der Alpina B3 rückt als S dem BMW M3 dicht auf den Pelz. Beim Drehmoment liegt der aufgeladene Sechszylinder sogar vor dem großvolumigen V8. Der Charakter des Alpina B3 ist jedoch ein ganz eigener.

Am Tag der Testwagenübergabe kündigt sich bei Alpina hoher Besuch an: OAL-WR1 kommt vielleicht vorbei, auf jeden Fall aber sein aktueller Besitzer - ein Spanier. Ihm gehört der erste B10 Biturbo von 1989, der als Test- und Fotofahrzeug diente.

Alpina B3 S Biturbo im Fahrbericht: Der B3 legt sich mit dem M3 an

Inzwischen sollen über 700.000 Kilometer auf dem Tacho der 360 PS starken Limousine stehen, die vormals ein BMW 535i war. Davon ist ihr Urenkel OAL-B3 natürlich Lichtjahre entfernt. Vor drei Jahren kehrte erstmals nach dem legendären B10 der Namenszusatz Biturbo ins Modellprogramm zurück, diesmal mit dem Präfix B3, verpackt in der Karosserie der BMW 3er-Baureihe E91. Ab sofort trägt er ein S im Namen und leistet 40 PS mehr, was aus einem um 0,1 auf 1,2 bar erhöhten Ladedruck sowie einer modifizierten Luftführung resultiert. Damit legt sich der Alpina B3 S klar mit dem BMW M3 an, wenngleich zum Daten-Patt 20 Pferde fehlen. Das maximale Drehmoment von 540 Newtonmetern (plus 40) lässt dagegen den hochdrehenden Achtzylinder aus Garching mit 400 Nm blass um den Luftfilterkasten werden. Dabei wollen sich die beiden nicht wirklich miteinander anlegen, da sie das Thema Hochleistungs-Coupé höchst unterschiedlich verstehen.

Alpina verleiht seinen Modellen das Flair eines hochwertigen Landhotels

So bestellt ein M3-Pilot zum Kaffee gern noch ein Nordschleifen-Ticket, Alpina-Fahrer buchen lieber ein Wellness-Wochenende. Bereits beim Einsteigen in den Alpina B3 S, der zum Fahrbericht bereitsteht, schwappt der entspannende Duft hochwertigen Leders über den Schweller, dessen heller Farbton mit dunkelbraun poliertem Edelholz um die Wette strahlt. Statt des kühlen Ambientes eines angesagten House-Clubs verleiht Alpina seinen Modellen eher das Flair hochwertiger Landhotels - zumindest solange, bis die sechs Zylinder geweckt werden. Sanft wummernde Bässe fluten nun das Alpina B3 S Coupé-Interieur.

Eine neue Auspuffanlage mit vier Endrohren, eingebettet in eine modifizierte Heckschürze, macht im Fahrbericht die Musik - sie gehört neben den 19-Zoll-Rädern und dem Frontspoiler zu den wenigen optischen Extravaganzen des Alpina B3 S. Wer mehr auffallen möchte, muss das noch immer erhältliche Dekorstreifen-Set, am besten in Gold, mitbestellen - aufpreisfrei.

Der Alpina B3 S Biturbo arbeitet sich fleißig in den roten Bereich

Mit der markentypischen Zurückhaltung ist es vollends vorbei, wenn das Dreiliter-Aggregat losrockt. Bereits bei 1.300 Umdrehungen liegen 400 Newtonmeter an, ab 1.700/min macht sich der Schub im Fahrbericht auch bei abgebrühten Fahrern in der Magengegend deutlich bemerkbar. Und selbst wenn bei 4.500/min die Drehmomentkurve abzufallen beginnt, orgelt der Biturbo im Alpina B3 S munter weiter. In diesen Regionen war bei der BMW-Ausgangsbasis eine leichte Motivationsschwäche zu spüren. Der Alpina B3 S arbeitet sich hingegen fleißig weiter in Richtung roter Bereich, wenngleich die üppige Durchzugskraft solche Exzesse entbehrlich macht. Dementsprechend lautet die programmierte Arbeitsanweisung für die serienmäßige Automatik: lieber früher als später schalten.

Alpina B3 S Biturbo: Wer fragt jetzt noch nach einem Doppelkupplungsgetriebe?

Das von ZF beigesteuerte Sechsganggetriebe erledigt seine Arbeit speziell im D Modus sanft und stressfrei. Erteilt der Fahrer den Schaltbefehl, wird der geforderte Gang deutlich schneller durchgeladen. Wer fragt jetzt noch nach einem Doppelkupplungsgetriebe? Angesichts der perfekten Arbeitsweise des Wandlerautomats inklusive perfekt getimter Zwischengasstöße kommt da im Fahrbericht keine Sehnsucht auf. Beim Fahrwerk vertraut Alpina ebenfalls auf konventionelle Technik ohne adaptive Dämpfer. M-Freaks registrieren zwar eine stärkere Wankneigung, freuen sich jedoch zumindest ein bisschen über das überraschend hohe Komfort- Niveau des Alpina B3 S. Beide Eigenschaften sind auch auf das Thema Runflat-Reifen zurückzuführen - auf die verzichtet Alpina nämlich netterweise. Die geballte Dosis Harmonie steht in Coupé-Form für 63.300 Euro in der Preisliste, die Limousine spart 2.100 Euro. Ein akzeptabler Tarif - selbst dann, wenn der jüngste Biturbo keine 700.000 Kilometer durchhält.

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Jens Dralle

Autor:

auto motor und sport, Heft 12 / 2010

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