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Amphicar

Zu Wasser und zu Lande

Amphicar Foto: Jürgens 7 Bilder

Der seltsame Schwimmwagen, den Hans Trippel 1959 für die US-Amerikanische Amphicar-Cooperation entwarf, ging im Markt sang- und klanglos unter. Schon 1961 runzelte Fritz B. Busch die Stirn angesichts des Hybrid-Automobils der anderen Art. Heute sind die Amphis Kult. Hier lesen Sie den alten Test aus "Das auto motor und sport", Heft 11/1961.

14.08.2013 Fritz B. Busch Powered by

Ich durfte neulich umsonst mit einem Auto ins Wasser fahren, an einer Stelle, wo es zehn Meter tief ist. Und ich kam dabei nicht um, obwohl einer vom Fernsehen am Ufer auf der Lauer lag.

Ein zwiespältiges Vergnügen

So konnte ich nicht einmal zur Verbesserung des Abendprogramms beitragen, es blieb so langweilig wie immer. Der Amphicar paddelte mit uns herum, und es ging nicht unter, weil der Herr Trippel am Ufer stand, der es konstruiert hatte. Wenn Trippel ein Auto baut, dann kann es manchmal die Treppen hinauf- und hinunterlaufen, immer aber kann es schwimmen. Das war schon im Kriege so, dem einzigen Anlass für eine größere Schwimmwagen- Serie. Um der neuen Trippelschen Konstruktion willen ließ sich aber schwerlich ein Krieg vom Zaune brechen, obwohl ohnehin alle Latten locker sind.

So brach denn die Amphicar-Corporation ein neues Hobby für Amis vom Zaune, indem sie ihnen einredete, dass ihr Weekend-Auto schwimmfähig sein müsse. Die Amis glaubten das gern, denn sie sind immer auf der Suche nach einem Spielzeug, das der Nachbar noch nicht hat. Dafür gibt es nun ein "Cabriolet, das auch schwimmen kann". So lautet die offizielle Sprachregelung der Amphicar-Manager. Sie wissen wahrscheinlich sehr gut, warum sie das regeln, denn wenn sie ihn einen Schwimmwagen genannt hätten, könnten ihn boshafte Leute in der Luft zerreißen.

Einem Cabriolet, das sogar schwimmen kann, wird man doch nicht ernstlich böse sein? Es ist von oben bis unten in konventioneller Automobilbauweise errichtet, es hat richtige Türen und keineswegs bis zur Gürtellinie einen waschechten Bootskörper aus Polyester. Nein, es rostet ganz normal wie jedes moderne Automobil, es ist auch nicht seewasserfest. Der Amphicar ist ein Cabriolet, das schwimmen kann.

Heute rosten die Autos schon in den Schaufenstern, da kommt der goldene Boden durch, den die Qualitätsarbeit früher mal hatte. Drum ist es gut, dass wir den Amphicar vorerst gar nicht kaufen können.

Mit Begeisterung oder Gewalt – vier Personen sollen hineingehen

Zwei Jahre lang wird er ausschließlich für die USA produziert. Ich finde es sehr nachahmenswert, die Versuche jenseits des Großen Teiches fahren zu lassen. Nach den ersten 25.000 Stück, die in Auftrag gegeben wurden, wird sich auch an diesem Amphicar einiges geändert haben.

Wenn es dann auf dem deutschen Markt greifbar ist, sind wir vielleicht auch so weit, dass wir ein Cabriolet brauchen, das schwimmen kann, wenn wir dem Nachbarn imponieren wollen. Vorläufig brauchen wir es wirklich nicht. Man kann damit viel Spaß haben, gewiss, aber es kostet 4.000 Dollar, und vier Personen gehen nur mit Begeisterung oder mit Gewalt in den Amphicar rein. Wenn sie aber drin sind, macht es ihnen Spaß.

Man schippert über'n See und winkt

Der Amphicar fährt von der Straße runter ins Wasser (da, wo es das Ufer ausdrücklich erlaubt), und wenn es keinen Grund mehr hat, dann schwimmt es. Man schaltet die beiden unter dem Heck angebrachten Polyamid-Propeller ein und bringt es auf zehn feuchte Sachen. Mit den Vorderrädern lenkt man, wie auf der Straße, man kann auch rückwärts fahren.

Man kann also im Wasser herumfahren, das ist aber auch alles. Und man kann immer mal winken, wenn Leute gucken, das wird aber schnell langweilig. Dieser Amphicar ist eben doch kein Boot. Man sitzt und winkt und schreit sich etwas zu, denn es macht zu Wasser und zu Lande vorläufig nach sehr viel Krach, weil es noch handgeschnitzte Getrieberäder hat. Zum Wassersport ist das nichts. Es ist etwas, um einen Fluss zu durchqueren, oder vom Ufer des Sees auf die Insel zu gelangen, auf der man sein Zelt aufschlagen will.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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