Der Bolide entspannt sich, und der Chauffeur stellt sich die Frage: Was ist nun das wirklich Aufregende? Waren es der 400-km/h-Run und die Tatsache, dass gegenüber allen anderen Autos, die ich je gefahren habe, alles nur um 100 km/h nach oben verschoben ist?
Beim Bremsen stellt sich der Heckflügel steil in den Wind
Oder sind es die Keramikbremsen, die das 1.950 Kilogramm schwere Geschoss binnen 31,4 Metern von Tempo 100 zum Stillstand bringen? Oder die Airbrake? Oberhalb von 200 km/h stellt sich beim Bremsen der Heckflügel steil in den Wind. Bei Tempo 375 wird allein durch den Flügel eine Verzögerung von 0,6 g erreicht. Oder ist es die Art, wie der 16-Zylinder mit seinen 1.001 PS den Veyron bei Bedarf nach vorn drückt?
Wie im Rennsport gibt es eine Launch-Control, eine automatische Starthilfe, die genau so viel Schlupf zulässt, dass nach einer Beschleunigungsorgie vier Radierspuren in den Asphalt gebrannt sind - so stand es im Lastenheft.
Der Veyron macht seine Sache gut: Exakt 25 Meter lang sind die schwarzen Balken. Da dürfte der Rest wohl auch stimmen: null bis 100, so die Werksangabe, in 2,5 Sekunden, bis 200 in 7,3. Bis Tempo 300 anliegt, sollen allenfalls 16,8 Sekunden verstreichen. Ferdinand Piëch, der technische Grenzgänger, hat Wort gehalten. Sein Sportwagen hat 1.001 PS und läuft über 400 km/h schnell.
Ein komfortabler und luxuriöser Supersportwagen
Das eigentlich Faszinierende daran: Wir reden hier nicht über ein bretthartes Rennauto, das sich von der Hunaudières-Geraden in Le Mans in den Straßenverkehr verirrt hat, sondern über einen komfortablen und luxuriösen Supersportwagen. Und noch eines kann sich Piëch in sein Rekordbuch schreiben lassen. Er hat das Ein-Liter-Verbrauchsauto zumindest als Prototyp zum Laufen gebracht.
Mit dem Bugatti hat er das andere Extrem geschaffen. Braucht die Verbrauchszigarre einen Liter auf 100 Kilometer, so konsumiert sein Bugatti bei Vollgas exakt einen Liter auf einen Kilometer. Vollgasfahrten nach Bugatti-Art erfordern eine präzise Planung. Wird das Gaspedal voll durchgetreten, dann sollte alle zwölf Minuten eine Zapfsäule in Reichweite sein.


