Aston Martin DB9: Aston Martin DB9: Bodycheck eines Gentleman

Denn hier arbeitet der aus dem Vorgänger DB7 Vantage übernommene, im Drehmomentverlauf optimierte V12 mit jetzt 456 PS. Motorentechniker David King verzichtete im Gegensatz zu seinen Kollegen in Italien darauf, das letzte Quäntchen an PS aus dem Sechsliter- Monument zu quetschen und erntete deshalb reichlich frischen Torque: 570 Newtonmeter bei 5000/min. Laut Datenblatt pressen bereits 80 Prozent davon – rund 450 Newtonmeter – bei 1500/min auf das ZF-Wandlergetriebe. Entsprechend sanft will das Gaspedal gestreichelt werden, nachdem per Starterknopf der V12 zum Leben erwacht. Fahrer, die bisher einen etwa gleich starken Kompressor- V8 fuhren, sollten sich als DB9-Novizen über Fluchtwege Gedanken machen – besonders in Tiefgaragen. Das Coupé legt ab Leerlaufdrehzahl los wie ein Windhund aus der Startbox. Die 100-km/h-Marke wird nach 4,9 Sekunden überschritten. 1,8 Tonnen Leergewicht bedeuten für das beschleunigende Coupé und den Fahrer kein allzu großes Hemmnis; eher schon der Klangorkan, der beide mit zunehmender Drehzahl umhüllt.

Der geniale Mix aus heller, metallischer Härte und dunklem, zornigem Auspuffgrollen ist zugleich Warnung und Verführung – für Männer immer der Beginn verhängnisvoller Affären. Doch im DB9 wird alles gut, denn er ist ein ehrlicher Typ. Zum einen verleugnet er keineswegs sein stattliches Gewicht, weil Lenkung und Bremsen ein gewisses Maß an Muskelstärke erfordern: Man muss also zupacken. Zum anderen gibt sich der mächtige V12 durchaus auch friedfertig, solange es den Fahrer nicht im rechten Fuß juckt. Auf der Autobahn zum Beispiel, wenn es gilt, nach einem 120-km/h-Limit wieder Fahrt aufzunehmen, geht das auch auf die sanfte Tour: Der gemütlich mit 2000/min rotierende V12 schiebt dann ohne Zurückschalten das Coupé spürbar nach vorn, ideal zum nervenschonenden Mitschwimmen.

Dank der günstigen Verteilung von 50 zu 50 Prozent des Wagengewichts auf Vorder- und Hinterachse sowie einer sportlich orientierten Fahrwerksabstimmung absolviert der DB9 schnelle Ausweichmanöver auf der Autobahn mit stoischer Präzision und ohne Nachzuschaukeln. Das Gleiche gilt für langgezogene Autobahnkurven, denen der DB9 völlig neutral und souverän wie ein Planet auf seiner Umlaufbahn folgt.

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Franz-Peter Hudek

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