Brabus Bullit: Brabus Bullit: In der Hitze der Macht

Kein Kabeldschungel eines alten Jaguar-Zwölfzylinders. Keine offen liegende Peripherie, nur die Kraftquelle. Clean, wie es in der Tuner-Sprache heißt. Größere Zylinderbohrung, neue Kurbelwelle, Kolben und Pleuel erweitern den Hubraum von ursprünglich 5,5 auf 6,2 Liter. Zwei Borg-Warner-Lader verdichten die Ansaugluft mit bis zu 1,3 bar, was unter Volllast 1320 Nm bei 2100/min erzeugt. Das packen nur Renngetriebe.

Doch im Brabus steckt die Fünfgangautomatik des Maybach. Solidere Lamellenpakete übertragen jetzt bis zu 1100 Nm. Auf dieses Drehmoment ist der Motor im Bullit elektronisch begrenzt. 78er-Hosenrohre im Durchmesser einer Cappuccino- Tasse leiten die Abgase großmütig zu den durchlassoptimierten Metallkats und weiter zu den Schalldämpfern.

Der Klang? Eher acht- als zwölfzylindrig. Das vollmundige Hubraum- Wummern eines Yachtantriebs, der mit kaum 600/min vor sich hin dümpelt. Und das soll eine hochgezüchtete Maschine sein? Eher ein dicker, in sich ruhender Stationär-Motor. Zweite Vermutung: Ein Hauch zu viel Gas, und die Hinterräder geben dem Asphalt Autogramme. Oder man schießt dem Vordermann in den Kofferraum. Oder pfeilt unkontrollierbar durch die Zone 30. PS-Fantasien eben.

Doch die Wahrheit ist: Man muss das Gaspedal nicht streicheln oder verstohlen antippen – einfach den Fuß anlegen, und der Bullit zuckelt fast schon enttäuschend normal los. Wie eine C-Klasse mit Basis-Vierzylinder. Ein Unkundiger würde die Kraft nie ver- muten, würde bei den breiten Backen und den überdimensionalen Reifen auf einen aufgepumpten Ruhrpott-Macho schließen – etwas laut, aber harmlos.

Wie soll man bei dieser seriennahen Cockpit-Umgebung aus schwarzem Alcantara, Mastik- und Nubukleder sowie silbernen Nähten eine mögliche Leistungseruption erwarten? Erst bei wiederholtem Hinsehen fällt auf, dass der Tacho dem Original nur nachempfunden ist, die Skalierung aber bis 400 km/h reicht.

Den Unwissenden belustigt diese scheinbare Angabe. Nur der Kenner am Steuer lächelt über die Zuversicht, dass es der Zeiger tatsächlich bis ins letzte Zehntel schaffen wird – auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Nardo kam der gleich starke, aber schwerere und größere Rocket auf 366 km/h.

Ist die Front Hinweis genug? Die abgedunkelten Scheinwerfer, der markenlose Grill aus Kohlefaser. Darunter ungeschützter Technik-Verkehr ohne Gitter-Präservativ: Unverhüllt hängt der Bullit seine Kühlerpakete in den Fahrtwind, lässt sich von der dreiteiligen Luftschaufel bedienen. Ist das Warnung genug für die Straße?

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Marcus Peters

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