Das Gleiche gilt für Motor, Antrieb und Chassis: Der alt-bekannte, 320 PS starke Northstar-Vierventil-V8 mit 4,6 Liter Hubraum ist zu 80 Prozent seiner Bestandteile überarbeitet worden und besitzt jetzt eine variable Ventilsteuerung. Das Fünfgang-Automatikgetriebe stammt aus dem GM-Werk im elsässischen Straßburg und kommt auch in einigen BMW-Modellen zum Einsatz. Im XLR ist es als Transaxle-Einheit an das Differenzial gekoppelt. Das stabile Kastenrahmen-Chassis mit Dreiecks-Doppelquerlenkern und quer eingebauten Einzel-Blattfedern ist der Corvette entliehen. Die Karosserie des Cadillac-Roadsters, der im Corvette-Werk Bowling Green, Kentucky, vom Band rollt, besteht ebenfalls aus Kunststoff. Die Türen öffnen sich elektrisch über eine in der quadratischen Karosserie-Öffnung versteckte Druckfläche. Dank Keyless Access entfallen Türschlösser und Zündschloss, dessen Funktion ein Starterknopf übernimmt. Das Interieur gefällt durch seine schlichte Eleganz und die Reduktion auf drei optische Grundelemente: mattschwarzer Kunststoff, mattsilberner Alu-Look und rotbraunes Eukalyptus-Holz. Die gut ablesbaren Halbrund-Instrumente entstanden in Zusammenarbeit mit dem italienischen Trend-Juwelier Bulgari, dessen Markenname stolz über der Tachometer-Skala prangt. Niedertourige Bummelfahrten begleitet der Motor mit einem diskreten, vibrationslosen Summen. Das Fahrwerk bügelt Bodenwellen, Schlaglöcher und Querrillen so elegant aus wie ein englischer Butler. Ebenso unspektakulär arbeitet die sanft schaltende Fünfgang-Automatik, so dass sich der XLR-Pilot ganz dem exquisiten Soundsystem von Bose oder der adaptiven Geschwindigkeits-Regelanlage widmen kann. Deren Radar-Sensor bewirkt einen stets gleich großen, dem Tempo angepassten Abstand zum Vordermann – wenn es sein muss sogar mit dezentem Bremseingriff. Grüne, am unteren Rand der Windschutzscheibe eingespiegelte Ziffern und Symbole geben über Fahrgeschwindigkeit und Cruise- Control-Einstellungen exakte Auskünfte. Nimmt man den Caddy härter ran, meldet sich der V8 mit metallischem Klang – nicht aus Protest, sondern aus Freude am Hochdrehen: In knapp sechs Sekunden soll der XLR die 100- km/h-Marke durcheilen.
Autor: Franz-Peter Hudek


