Da gleicht der von SVT (Special Vehicle Team, die fordeigene Power- Abteilung) getunte 5,4-Liter mit den Vierventilköpfen dem ebenfalls 500 PS starken Ford GT, der geklonten Rennlegende GT40.
Nur die aufwendige Trockensumpfschmierung wurde geopfert – stattdessen hängt unter dem Eisenblock eine gewöhnliche Ölwanne. Macht nichts, Hauptsache Sumpf. So böse, wie einen der GT 500 anschaut, fühlt man sich auf jeden Fall schneller hineingezogen, als man Trockensumpfschmierung aussprechen kann. Tiefes Schwarz mit breiten weißen Streifen, die aggressive, shelbyexklusive Front und dann noch diese drohende Cobra im Grill – ganz klar, hier lockt die Sünde.
Hinzu kommt, dass offenbar auch die Technik des neuen GT 500 die alten Laster pflegt. Hinten hopst eine Starrachse, und vorn versprechen 56 Prozent der 1,9 Tonnen Lebendgewicht das Kurvenhandling eines Wurfhammers. Kein Wunder also, dass man ganz wie zu alten Zeiten erst mal mit weichen Knien Platz nimmt.
Umso überraschender dann der erste Eindruck. Was heißt hier wilder Hengst? Der Shelby-Mustang benimmt sich zahm wie ein Fohlen. Er steuert willig und präzise in die gewünschte Richtung, die Bremsen (von Brembo) machen ihrem Namen Ehre, die Federung federt, sogar die Hinterachse gibt die meiste Zeit Ruhe, und die Sechsgangschaltung (von Tremec) zeigt sich kooperativ. Nur die Zweischeiben- Kupplung kommt etwas ruppig.
Selbst der Soundtrack ist ausnehmend zivilisiert. Statt V8-Donner nur dezentes Grollen mit dem Heulen des Laders als Oberton. Ein Shelby zum Einschlafen? Schließlich sieht auch im Cockpit alles ganz normal aus. Abgesehen von etwas mehr Leder gleicht es dem Ausgangsprodukt inklusive einiger Plastikteile, deren Qualität an den Inhalt von Knallbonbons erinnert. Da empfiehlt es sich, vor dem Wegdämmern das rechte Bein zu strecken. Die Wirkung dürfte auch dem mattesten Fahrer die Augen aufreißen. 650 Nm Drehmoment – das fühlt sich an, als würde man von einem Brauereigaul auf den Sattel eines galoppierenden Rennpferds getreten.
Mehr Mustang geht eigentlich nicht, schon aus Traktionsgründen. Öffnet man bei Tempo 160 auf griffiger Autobahn die Drosselklappe, leistet die abschaltbare ASR-Elektronik immer noch Überstunden, darunter ist sie praktisch im Dauerbetrieb. Da freut es einen dann auch, dass der Fortschritt nicht gänzlich ausgeblendet wurde. Bei aller Nostalgie: Ohne die überraschend subtil abgestimmte Antriebselektronik wäre das Shelby-Vergnügen heute für die meisten PS-Fans ein kurzes. Aber selbst mit Computerhilfe, wenngleich ohne ESP, belohnt der GT 500 die gekonnte Handhabung. Nur ein sauberer Fahrstil bringt beim Gasgeben Resultate, nur wer die Kunst des Dosierens beherrscht, hält dann die schwere Nase auf Kurs.
Man spürt ihn also noch, den Geist der alten Musclecars. Fahrer, die sie bezwangen, fühlten sich wie Helden, alle anderen sahen zumindest so aus.


