Ein Rennwagen ohne Airbag, ohne ESP. Fürsorge bieten nur ABS und Traktionskontrolle. Doch bei 850 Newtonmeter und nasser Straße sollte man sich auf die eigene Vernunft verlassen – das Heck zuckt schneller, als die Elektronik regelt. Entspannt gibt man nur auf trockenem Asphalt Gas. Dann sind Überholvorgänge so kurz, dass Lkw-Fahrer nicht wissen, ob sie soeben umfahren oder getunnelt wurden. Wie in keinem zweiten Straßensportwagen muss man selbst auf der Rennstrecke die Grenzen ertasten. Fahrspaß will hart errungen werden. Der Gumpert fordert einen sauberen, disziplinierten Fahrstil ein: präzise den Bremspunkt setzen, akkurat einlenken, linientreu um den Scheitelpunkt und dann definiert herausbeschleunigen. Passt alles, so erlebt man einen Augenblick seltener Intensität – eins werden mit Strecke und Auto. Reiz der Herausforderung: Wie ein Wildpferd akzeptiert der Apollo ausschließlich Autoritäten, alle anderen Zureiter wirft er aus dem Sattel. In seiner Ungezähmtheit übertrifft er sogar den Lamborghini Murciélago. Selbst Tester benötigen perfekte Bedingungen – zu brutal setzt die Leistung ein, zu schnell gibt die mechanische Traktion auf. Am Messtag etwa können sich die Reifen kaum für den Asphalt erwärmen, und die 850 Newtonmeter gewinnen beharrlich das Armdrücken gegen die 345er-Hinterreifen. Nur knapp unterbietet der Gumpert die Vier-Sekunden-Marke bis Tempo 100. Bei dieser winterlichen Gripverweigerung bleibt nichts als heroischer Frust. Auch die Fahrdynamikwerte ordnen den Reifenradierer vorschnell unterhalb eines Porsche GT3 ein. Dabei spricht das Gefühl eine andere Sprache: Der Gumpert Apollo ist gemacht für G-Force-Junkies, die jede Kurve erobern wollen. Und denen der ultimative Kick mindestens 285 000 Euro wert ist. Spielfrei, feinnervig, aber auch kapriziös – mehr Rennwagen verträgt derzeit kein Nummernschild.


