Der Blick nach vorne ist trotz der tiefen Sitzposition akzeptabel. Dank der Haubenausbuchtung für die Hakennase ist das vordere Ende sogar ganz gut einzuschätzen. Staunende Blicke von Passanten und Autofahrern verfolgen den grünen, dunkel grollenden SLR. Sie weiden sich voller Neugier an der expressiven Optik, erwarten wohl irgendwelche Wundertaten oder wenigstens Tom Cruise am Lenkrad.
Sogar eine Ente überholt jetzt mit demonstrativ jaulen- dem Zweizylinder. Gelassen bleiben. Noch gelassener als der 5,5-Liter-V8. Maximal 2000/min genügen. Einfach herrlich, wie der Ballermann über die dicken Doppel-Sidepipes mit seinem Fahrer spricht. Wir werden langsam echte Partner.
Raus aus der Stadt. Auf einer völlig einsamen, gut einsehbaren Landstraße bleiben wir kurz stehen. Was jetzt kommt, mag kindisch wirken, aber von null auf 100 km/h in 3,8 Sekunden – wie fühlt sich das an? Probieren wir es aus: Vollgas. Von wegen Melonen-Farmer. Sofort verwandelt sich das friedliche Brabbeln in ein apokalyptisches Wummern, gepaart mit dem metallisch harten Sirren des Kompressors.
Der bis 7000/min drehende AMG-Motor presst seinen Fahrer in den Schalensitz, nimmt ihm den Atem. Das Kohlefaser-Chassis wirkt dabei wie der Resonanzkörper eines Steinway- Flügels und liefert über Lenkrad, Gaspedal und Sitz eine körperlich spürbare Live-Übertragung der rotierenden Kurbelwelle. Fahren mit allen Sinnen.


