Ruf 3600 S: Ruf 3600 S: Porsche mit Nachschlag

Ruf, seit 1981 selbständiger Hersteller sogar mit USA-Zulassung, genießt selbst bei Porsche einen untadeligen Ruf. Schon in der Vergangenheit überzeugte er mit Entwicklungen und gediegenem Handwerk. Der von Ruf gebotene, zusätzliche Qualm an der Kette stößt dabei bauartbedingt an eine natürliche Obergrenze: Das 420-PS-Aggregat etwa aus dem aktuellen Serien-Turbo findet vor der Hinterachse des Boxsters keine Aufnahme, da der Turbo wie auch der GT3-Motor auf dem Gehäuse der vorletzten Motoren-Familie mit dem Kürzel 993 basieren. Da der Motor des Porsche-Typs 996 ein anderes Lochbild als das des Turbo und GT 3 besitzt, findet im 3600 S das Getriebe des Boxster S Verwendung. Eine leicht veränderte Motorsteuerung und der Ruf-Hochleistungsauspuff heben die Leistung des Serien-Elfers um fünf PS, womit die 325 PS bei 6800/min erklärt sind. Mit dem Tausch der Motoren allein ist es bei weitem nicht getan. Bei Ruf wird die Karosserie vom Rohzustand aus aufgebaut. Jede Schweißnaht wird geprüft und, falls nötig, noch einmal nachgezogen. Das leicht gestraffte Ruf-Sportfahrwerk stammt aus eigener Entwicklung. Vorn verzögern ABS-geregelte Vierkolben-Bremsen an innenbelüfteten Scheiben mit bis zu 330 Millimeter Durchmesser. Auch die 19-zölligen Fünfspeichen-Aluräder stammen aus eigener Produktion. Zusammen mit den Pirelli-P-Zero-Asimmetrico-Reifen verbinden sie einen höchst manierlichen Abroll-Komfort mit präzisem, spontanem Lenkverhalten. Selbst dicht bei der vom Werk mit 278 km/h angegebenen Höchstgeschwindigkeit schnürt der 3600 S brav und unerschütterlich geradeaus. Und noch eine gute Eigenschaft: Beim Bremsen auf Längsrillen verspürt der Ruf keinerlei Neigung zum Nachlauf-Lambada. Das Tieferlegen um 2,5 Zentimeter im Vergleich zur Serie verbessert das Handling noch einmal und reduziert gleichzeitig die Wankneigung. Die Schaltung des Sechsganggetriebes überzeugt schon beim Serien-Boxster. Ihr präzises Feinjustieren à la Ruf lässt keine Wünsche mehr offen. Das Interieur-Design vergab Alois Ruf an eine talentierte Heim-Werkerin: seine Ehefrau Estonia. Die verguckte sich spontan in einen karierten Porsche-Sitzbezug aus den Siebzigern. Da keine Restmenge mehr aufzutreiben war, wich Ruf auch hier nicht vom rechten Wege ab: Er ließ nach Muster eine Rolle in exakt dem gleichen Design nachweben. Heckwärts wird die 3600 S-Optik von den beiden weit getrennten Endrohren bestimmt.

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