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Aston Martin DB11 im Fahrbericht (2016)

Keine Sorge um die Zukunft von Aston Martin

Aston Martin DB11 Foto: Aston Martin 38 Bilder

Vom Erfolg des 204.900 Euro teuren DB11 wird vieles abhängen für Aston Martin – manche sagen sogar: alles. Einige Details stecken zwar noch im Feintuning, wir durften dennoch bereits ans Limit gehen.

05.08.2016 Stefan Helmreich 2 Kommentare Powered by

Zurzeit geht es für Aston Martin ja vor allem darum, ihre Modellreihen noch halbwegs anständig über die Zeit zu retten. Beim Vantage gelang und gelingt das bis dato ganz gut, die beiden Spezial-Editionen GT8 und GT12 passen zum Charakter und waren auch schwuppdiwupp ausverkauft – zu nicht ganz unlukrativen Kursen by the way.

Dem DB9 hingegen merkte man irgendwie an, dass die Luft knapp wurde allmählich. Die GT-Version ging aufgrund des PS-Mehrwerts noch okay, dessen Bond-Edition indes wirkte ein bisschen wie der verzweifelte Versuch, noch etwas mitzunehmen vom 007-Fieber, das der Kinofilm Spectre seinerzeit ausgelöst hatte – so wie das Hersteller von Softdrinks, Senf oder Spielzeug halt auch taten zu dieser Zeit.

Aston Martin DB11 löst endlich DB9 ab

Bis Ende 2016 gibt es den DB9 noch zu kaufen, zu satten Rabatten wie es heißt. Bereits im Oktober tritt jedoch seine offizielle Ablöse an, der DB11, der – entgegen anders lautender Befürchtungen – eben kein erneuter Aufguss mehr ist. Sogar ganz im Gegenteil. Für das wichtigste Modell der Markengeschichte wurde vieles auf null gesetzt und neu hochgezogen. Motor, Fahrwerk, Plattform, Infotainment – nichts ist zu bisherigen Modellen verwandt, ohne dass dabei das spezielle Flair verloren gegangen wäre.

Denn auch wenn es sich bei einem Aston schon ein bisschen ungewohnt anfühlt, dass er einem in patinierter Arbeitskleidung gegenübersteht statt im hochglanzpolierten Designerdress, kommt dieses markenspirituelle Feeling direkt rüber. Über die Proportionen, die auch die schwarzweiße Folie der Tarnkappe nicht ruinieren kann, über den vielleicht etwas sehr himmelblauen Innenraum mit seinen pittoresken Details, und natürlich über diese, auf frivole Art äußerst eloquente V12-Stimme, die sich beim Anlassen nun in einen leisen Modus schalten lässt – all jene, die in einer Wohnsiedlung frühmorgens schon mal aus Versehen die komplette Nachbarschaft kaltgestartet haben, wissen, was das wert ist.

Aston Martin DB11Foto: Aston Martin
Aston Martin widerstand der Ansteckungsgefahr des Zeitgeistes und erschuf einen Gran Turismo – keinen so genannten, sondern einen der auf diesem schmalen Grat zwischen Wellness und Dynamik zu balancieren weiß, ohne zu stark in die eine oder die andere Richtung zu entgleiten.

Aston Martin DB11 – Prototyp mit geschliffenem Benehmen

Noch seien bestimmte Details ein paar Prozent weit vom Serienstand entfernt, erklärt Matt Becker, Ex-Lotus-Mann und seit gut anderthalb Jahren Chefentwickler. Das merkt man recht offensichtlich im neuen LCD-Instrumentendisplay, dessen animierter Drehzahlmesser die Drehzahl nicht ganz so schnell mitzählt, wie sie der Motor erreicht.

Und man merkt es auch an der Abstimmung der drei ESP-Modi. Die Eingriffe passieren zwar bereits feinfühlig, im Trackmode jedoch kommen sie erst sehr, sehr spät, sodass man selbst kräftig gegenlenken muss. Das hat schon seinen Reiz, um ehrlich zu sein, passt aber nicht so recht zur Positionierung des DB11, der ein Gran Turismo sein will – nicht mehr aber auch nicht weniger.

Und auch wenn die Grenzziehung da sicherlich ein bisschen schwammig ist, schon weil die Bezeichnung GT recht ungeniert auf alle möglichen Autos gepappt wird in letzter Zeit, so wie der DB11 das Thema interpretiert, stellt man es sich vor. Die 3,9 Sekunden bis Hundert und der Topspeed von 322 km/h spielen dabei sicher eine Rolle, entscheidend wird aber die qualitative Komponente sein. Und die zerstreut alle Sorgen über die Daseinsberechtigung der Marke, ihr Selbstverständnis und ihren Platz in der Sportwagenwelt recht schnell und recht nachhaltig.

Aston Martin DB11Foto: Aston Martin
Keine runde Sache: Das Lenkrad des DB11.

608 PS im DB11 gut dosierbar

Der komplett neu entwickelte, 608 PS starke 5,2-Liter-Biturbo entfaltet seine 700 Nm statt einen mit Ihnen niederzutrampeln; das Fahrwerk mit dreifach einstellbaren Bilstein-Dämpfern, reguliert die Rollbewegung der Karosserie sinngemäß der Modi „GT“, „Sport“ und „Sport+“, ohne dabei hüben zu wattig oder drüben zu starr zu geraten, und auch das Handling insgesamt vermittelt trotz der stattlichen Statur dieses Gefühl von müheloser Agilität, das man mit dem GT-Thema assoziiert.

Fürs Fahren am äußersten Limit ist der DB11 nicht gebaut, das ist auch weiterhin Aufgabe der Vantage-Modelle und der Vanquish-Erben, die sich eines Tages von ihm ableiten werden. Nichtsdestotrotz beherrscht er es – besser als die überwiegende Mehrheit seiner Konkurrenz, da lege ich mich fest. Beim Einlenken spürt man einen leichten Drang zum Untersteuern, den bekäme man über die Torque-Vectoring-Funktion aber noch wegentwickelt, verspricht Becker.

Klasse Lenkung im Aston Martin DB11

Im weiteren Kurvenverlauf jedoch hängt sich der DB11 so richtig rein. Engagiert statt übereifrig, prima balanciert und vor allem sehr fahraktiv in seiner Anbindung. Das liegt zum einen am sauber dosierbaren Motor, der je nach Vorliebe das Heck ein bisschen rumdrückt oder einen linear an der Haftungsgrenze entlangpowert.

Und zum anderen liegt es an der ultradirekt übersetzten, leichtgängigen, und insbesondere glasklar rückmeldenden Lenkung. An ihr habe man besonders lange herumgetüftelt, sagt Becker, jetzt sei man aber happy mit ihr. Und das völlig zu recht, weil sie es schafft, diesen für die Sportlichkeit so entscheidenden Punkt, an dem die Reifen beginnen, seitwärts zu radieren, sehr gefühlsecht in die Handflächen zu übertragen.

Aston Martin DB11, Fahrbericht, 04/2016Foto: Max Earey
Auf der Rennstrecke macht der DB11 eine gute Figur (Vorserienfahrzeug).

Das Gesamtbild ist jedenfalls ein stimmiges, zumal auch der transaxial verbaute ZF-Automat ebenso flink wie gefühlvoll über seine acht Stufen turnt. Kurzum: der DB11 kann alles, was er als GT können muss – unter fahrdynamischen Gesichtspunkten vielleicht sogar mehr als das.

Trotzdem steht am Ende die Frage, was er können könnte, wenn sie das Gewicht etwas besser im Zaum gehalten hätten. Mit gut 1.850 Kilo liegt er zwar ganz gut im Klassenschnitt, von einer kompletten Neuentwicklung hätte man dahingehend aber mehr erwarten dürfen. Mehr im Sinne von weniger, versteht sich.

Technische Daten
Aston Martin DB11
Grundpreis204.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4750 x 1948 x 1290 mm
KofferraumvolumenVDA270 L
Hubraum / Motor5204 cm³ / 12-Zylinder
Leistung447 kW / 608 PS (700 Nm)
Höchstgeschwindigkeit322 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,9 s
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    Neuester Kommentar

    Schön, dass es den DB11 gibt: der beste Beweis, dass Eleganz auch in der 600PS Klasse immer noch möglich ist

    sIMPLEmIND 13. August 2016, 23:12 Uhr
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