Sicher, auch ein VW Passat startet per Einschub-Schlüssel. Nur dass der beim Aston Martin DBS aus Glas ist und in seinem ebenfalls verglasten Dock rot aufglimmt. Kein Wunder, dass die Aston-Leute das Ding „Emotion Control Unit“ (ECU) tauften.
Denn sobald der handliche Knubbel zu schimmern beginnt, glühen nicht nur Enthusiasten vor. ECU schürt bei jedem das Verlangen, den zwölf Brennräumen Flamme zu geben. Zornig bellend erwacht der Sechsliter- V12, markiert akustisch sein Revier, um danach sofort in einen schneidigen Ruhepuls zu verfallen.
Und den Blick ins Innere von Astons neuer Spitzenkraft zu lenken: gewandet in Alcantara und Glattleder, verkleidet mit kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) und Klavierlack. Finger greifen nach gedrehten Aluminium-Reglern für Klimaanlage und Unterhaltungselektronik, Zigarettenasche endet in einem mattgläsernen Becher.
Distinguierter Salon-Stil, wie ihn der Briten-Affine von seinem 240 000 Euro teuren Nobel-Kokon erwartet. Supercars dulden keinen Kunststoff. Na ja, außer vielleicht an den Lenkradhebeln und -tasten. Die kommen einem irgendwie bekannt vor, was ja beim Bedienen grundsätzlich kein Fehler ist. Schließlich soll sich das neue Aston- Topmodell auch nicht als verschrobener Hardcore-Exot, sondern als drahtiger Gentleman-Sportler profilieren.
So atmet der Vanquish-Thronfolger durch eine gegenüber dem DB9 modifizierte Airbox samt Steuerklappe sowie überarbeitete Zylinderköpfe mit von 10,3 auf 10,9:1 erhöhter Verdichtung. Mit der um 60 auf 517 PS gestiegenen Leistung und der längeren Endübersetzung ist der DBS ein sicherer Kandidat im 300-km/h-plus-Club. Er begrüßt die anströmenden Elemente mit einem tief reichenden Spoiler samt Wind-Splitter, ein angedeuteter Diffusor verabschiedet sie.
Der Heckabschluss besteht wie die Motorhaube und weitere Verkleidungsteile aus gewichtsparendem CFK und verleiht den fließenden Formen des Coupés einen maskulineren, definierteren Habitus. Um klare Definition bemüht sich die modifizierte Lenkung. Sie arbeitet mit etwas mehr Servounterstützung als bei DB9 und Vantage, reagiert leichtgängig, ohne die nötige Exaktheit über Bord zu kippen. Umgänglich und kompromissbereit zeigt sich auch das Fahrwerk des DBS, dessen Karosserie aus einem leichten, steifen Verbund aus Aluminium und Magnesium besteht.
Aston Martin DBS: Donner und Gloria
Zwölfzylinder- Posaunensound trifft stilvolle Eleganz - der 517 PS starke Aston Martin DBS liftet mit seiner Mischung aus Muskeln und Manieren würdevolles Schnellfahren auf eine höhere Ebene.
Autor: Jörn Thomas
Der Aston Martin DBS - ein "Will-Haben-Auto"?



