Aston Martin V12 Vantage: Abstimmungsfahrt des Sportlers mit V12-Herz

Auf Abstimmungsfahrt mit Aston Martin-Boss Ulrich Bez: unterwegs im neuen, 500 PS starken V12 Vantage, der Mitte 2009 auf den Markt kommt.

Auf dem Nürburgring hat der neue Aston Martin schon 8.000 Testkilometer zurückgelegt. Jetzt geht es durch eine andere "grüne Hölle", quasi direkt vor seiner Haustür. Durch Warwickshire, auf den Landsträßchen rund um die Aston Martin-Fabrik in Gaydon. Vorbei an grünen Hecken, vorbei an dichtem Baumbewuchs, der die Strecke gelegentlich sogar überwuchert und in einen Tunnel verwandelt. Dort hat Firmenboss Ulrich Bez seine Hausstrecken.

Beispielsweise das "Labyrinth" mit seinen schnellen Wechselkurven, die einen schwindelig machen. Heute fährt er einen Vantage mit kleinen optischen Retuschen: einem Frontspoiler aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, Luftschlitzen in der Motorhaube, neuem Felgendesign, leichtem Heckdiffusor und einer deutlich höheren Spoilerlippe auf der Heckklappe. Doch das eigentlich Neue bleibt zunächst verborgen: der 500 PS starke Zwölfzylinder im Bug.

Der V12 passt

Als Bez mit der Idee kam, in den Vantage den Zwölfzylinder einzubauen, haben sie ihn zunächst ausgelacht: Der sei viel zu groß, das Auto zu klein. Aber er hat sich durchgesetzt. "Geht doch", sagt er und betont nicht ohne Stolz: "Dieses Auto sitzt so perfekt wie ein gut geschnittener Anzug." Und wie bewegt sich dieser 500-PS-Bolide auf englischen Landsträßchen? Alles andere als zurückhaltend. Der Tritt aufs Gaspedal setzt Urgewalten frei. Im Sportmodus reagiert der Aston besonders sensibel auf Gaspedal-Bewegungen. Bei Bedarf soll es in nur 3,5 bis vier Sekunden aus dem Stand zur 100-km/h-Marke gehen, wobei die Passagiere nachdrücklich in die Sportsitze gepresst werden. "Eigentlich mag ich die nicht", gibt Bez zu verstehen.

"Aber hier passen sie ideal." Es ist später Vormittag. "Die beste Zeit, denn da gibt’s hier relativ wenig Verkehr." Was auch gut ist, denn bei Gegenverkehr touchiert der Außenspiegel immer wieder die Hecken. "Man muss hier stets voll konzentriert sein", murmelt Bez. Schon weil man außerdem ständig auf Reiter, Jogger, Wanderer und Mähmaschinen stößt, die die Hecken stutzen. Wir haben sie an diesem Morgen alle erlebt, genau in dieser Reihenfolge. Und deshalb lässt sich schon vom Beifahrersitz bestätigen, wie herzhaft die Keramik-Bremsen zupacken.

"Ich mag eine Bremse, die sich langsam progressiv aufbaut", gibt Bez zu verstehen. Dann nimmt er etwas Tempo raus. Wir haben seine Komfortstrecke erreicht, einen Flickenteppich von Landstraße. Schließlich geht es ihm nicht nur um Bestzeiten auf dem Nürburgring. Seine Sportwagen sollen auch auf einer Holperstrecke elegant und geschmeidig abrollen: "Das müssen meine Autos können.“ Zurück in Richtung Gaydon gleitet Bez im sechsten Gang mit 1.000 Touren durch einen Kreisverkehr - und freut sich: "Das gefällt mir."

Produktionsbeginn 2009

Mit diesem Aston kann man nicht nur schnell fahren, sondern auch entspannt cruisen. Gut zu wissen, weil sich der neue V12 Vantage im Endstadium seiner Entwicklung befindet und schon 2009 in Produktion geht. Das nächste Jahr steht ohnehin im Zeichen einer wahren Aston Martin-Produktoffensive, denn außerdem debütieren der DBS Volante sowie der viertürige Rapide.

Und dann möchte Aston noch 77 Kunden mit dem neuen Supersportler "one 77" beglücken, der als Basis ein Kohlefaser-Chassis und darüber eine Aluminium-Karosserie erhält. Sein 7,3-Liter-V12-Motor leistet rund 600 PS und sitzt im Vergleich zum Vantage rund 30 Zentimeter weiter hinter der Vorderachse. Bez ist sich sicher: "Das wird ein Kunstwerk mit den richtigen Proportionen und der richtigen Ästhetik." Neben diesen Premieren will der umtriebige Schwabe im nächsten Jahr auch einen ersten Ausblick auf die Wiederbelebung der Marke Lagonda zeigen, die mit zu Aston Martin gehört. Wodurch sich beide unterscheiden? Bez: "Aston Martin ist eine ehrliche, rein sportliche Marke, die aber ein limitiertes Potenzial hat."

Zuverlässig und Robust

Mit einem Sportwagen kann Bez nicht in alle Märkte, beispielsweise nach Südamerika. Heute beliefert er 32 Länder, mit Lagonda sollen es 100 werden. Der Neue ist als robustes Automobil mit vier Sitzplätzen, Allradantrieb und "einer hohen Exklusivität" konzipiert. Über die Optik lässt sich Bez nur so viel entlocken: "Einen BMW 7er und einen Porsche Cayenne gibt es schon. So etwas müssen wir nicht noch einmal bauen." Im nächsten Jahr wird Lagonda 100 Jahre alt, und bereits 1911 gewann einer der ersten Wagen die Rallye Moskau-Petersburg, unterstrich damit seine Zuverlässigkeit und Robustheit.

In der Folge gingen Tausende Fahrzeuge nach Russland. Und Bez kramt weiter in der Historie: "Der LG 45 aus dem Jahr 1938 war ein wunderschönes Auto." Eine Neuauflage im Retro-Design wird es zwar nicht geben, aber es sollen sich Stilelemente früherer Modelle wiederfinden, "die wir neu interpretieren". Für seine Sportwagen sieht Bez in naher Zukunft keinen Hybrid-Antrieb, für Lagonda schon. Auch kleinere Aggregate und Dieselmotoren gilt es zu bedenken. "Deshalb müssen wir uns bis Mitte 2009 klar darüber sein, wo es hingeht", meint Bez, der bereits mit Ford und weiteren möglichen Kooperationspartnern spricht.

Eine solche Partnerschaft pflegt Bez bereits seit Jahren mit der Uhrenmarke Jaeger-LeCoultre. In dreijähriger Entwicklungszeit haben beide Unternehmen einen Chronographen konzipiert, der erstmals auch Auto-Funktionen übernimmt. Per Druck auf das Zifferblatt kann man den Wagen öffnen und verriegeln, ja selbst die Scheinwerfer einschalten. Während die Uhr auf dem Pariser Autosalon Premiere feiert, dauert es mit dem V12 Vantage noch etwas länger: Die ersten Kunden werden nicht vor Mitte nächsten Jahres beliefert.

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Bernd Ostmann

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