Aston Martin Vantage S Fahrbericht: Porsche-Gegner mit Powerpaket

Aston Martin Vantage S

Aston Martin hat den Vantage nachgeschärft. 436 PS stark, 305 km/h schnell: Der Vantage S schreckt sogar vor gelegentlichen Rennstreckenbesuchen nicht zurück. Wir baten den Briten zur ersten Ausfahrt.

Sagen wir mal so: Der Aston Martin Vantage S ist ein Fall für Spezialisten. Solche, die seine zehn PS Mehrleistung und die 20 Newtonmeter Extra-Drehmoment aufspüren, sich getrost Automobil-Seismografen nennen dürfen. Schließlich liefert der 4,7 Liter große V8 schon in der Standardversion 426 PS ab - und eigentlich keinen Grund, über akuten Leistungsmangel zu klagen.

Mehr Power, weniger Gewicht

Eigentlich, denn eine Schippe mehr Power unter der Haube hat noch keinem geschadet, auch Aston Martins Topseller Vantage nicht. Das neue variable Einlasssystem stellt im Aston Martin Vantage S ab 3.500/min ebenso hörbar auf Durchzug wie der durchlassfreudigere Auspuff, speziell im Sport-Modus. Dann begeistert er Insassen und Umstehende mit einer dichten Klangwolke. Bassig, röhrend und voluminös, nur unterbrochen von den Schaltpausen des neuen automatisierten Siebenganggetriebes. Enger gestuft und mit 20 Prozent schnelleren Gangwechseln macht es das etwas rohe Handschaltgetriebe und den Sechsgang-Vorgänger fast so fix vergessen, wie der Aston Martin Vantage S auf Tempo 100 sprintet (4,5 Sekunden).

Dennoch kommt die elektrohydraulisch gesteuerte Box von Graziano in puncto Geschwindigkeit und Schaltqualität nicht ganz an Doppelkupplungsgetriebe heran, spart dafür jedoch Gewicht. Gegenüber dem Vorgänger sind es rund 24 Kilogramm. Sinnvoll: die feinere Gangspreizung, die den überarbeiteten V8 im Aston Martin Vantage S noch besser in seinem Wohlfühlbereich hält.

Aston Martin Vantage S startet ab 132.000 Euro

Kräftigere Bremsen, ein modifiziertes Fahrwerk, breitere Reifen und die einstellbaren Regelschwellen des elektronischen Stabilitätsprogramms trainieren den Aston Martin Vantage S ebenso wie leichtere Sitze (minus 17 Kilogramm), Carbonspoiler, Schweller und ein Diffusor im Stil des Vantage V12.

Mit seiner direkter übersetzten Lenkung greift sich der perfekt ausbalancierte, traktionsstarke 1,6-Tonner Kurven noch trockener als bisher, bleibt lange neutral, presst fein dosierbar, aber nachdrücklich heraus. Genau so, wie man es von einem geschärften Vantage erwartet. Im Kern bleibt der Aston Martin Vantage S Gentleman, abgesichert durch einen imaginären Geschmacks-Spurhalteassistent. Niemals würde der elegante Brite ins Prolo-Kiesbett driften. Wer mag da noch den happigen Einstandspreis von 132.000 Euro (die Cabrio-Version kostet 143.000 Euro) monieren?  

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Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 8 / 2011

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