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Audi A1 E-Tron im Fahrbericht

Wankelmutig über 250 Kilometer

Audi A1 E-Tron, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 32 Bilder

Für den Audi A1 E-Tron holen die Ingolstädter den Wankel wieder aus der Kiste. auto motor und sport hatte exklusiv die Gelegenheit, ihn zu testen. Wie weit kommt das E-Mobil? Und wie viel verbraucht es?

20.07.2012 Michael von Maydell

Nehmen wir einmal kurz an, ein Motor hätte tatsächlich Gefühle. Wie, bitte schön, muss es ihm gehen, wenn er nach langen Jahren der Missachtung plötzlich wieder arbeiten darf? Hierfür aber in einer kleinen dunklen Metallkiste über der Hinterachse sitzt? Versteckt, verkapselt, mit wenig Bezug zur Außenwelt, ohne feschen Auspuff, ohne Ölmessstab? Wir haben den Einscheiben-Wankel mit einem Kammervolumen von 254 Kubikzentimetern im Audi A1 E-Tron nicht fragen können – aber vielleicht freut es ihn zumindest, wieder für seinen alten Arbeitgeber tätig zu sein.

Als Range Extender für den Audi A1 E-Tron konzipiert, darf er allerdings nur ackern, wenn die Batteriekapazität zur Neige geht oder der Fahrer ihn zur Arbeit ruft. Audi verspricht sich von diesem Konzept eine reine E-Reichweite von etwa 50 Kilometern – plus 200 km mit stationärer Wankel-Unterstützung.

Audi A1 E-Tron ist serieller Hybrid und Elektromobil

Wie und wann sich der Wankel wieder meldet, dazu später mehr. Schließlich ist der Audi A1 E-Tron ein serieller Hybrid und ein Elektromobil, und wer auf den exzellenten Sportsitzen Platz nimmt, den silbernen Startknopf drückt, den Wählhebel auf D zieht und Gas gibt, der hört zwar nichts, spürt aber dafür umso mehr. Unter leisem Surren saust der 1.410 kg schwere Audi mit einer Vehemenz davon, dass es fast süchtig machen kann. Wer sich verführen lässt, den Schub voll auszukosten und den Zeiger des prächtig bunten Powermeters (ehemals Drehzahlmesser) gen 100 zu treiben, gefährdet schnell seinen Führerschein – denn auch die 100-km/h-Marke ist dann schon überschritten. Auf der Teststrecke ist Nullhundert in 10,4 Sekunden erledigt. 2,5 Sekunden später ist der Audi A1 E-Tron schon 120 km/h schnell. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h ist keine Utopie.

Möglich macht das der E-Motor, der mit einem maximalen Drehmoment von 240 Nm mächtig Dampf machen kann – ein 1.4 TFSI mit 186 PS liefert nur 10 Nm mehr ab. Dauerhaft generiert der quer im Bug montierte Synchronmotor ein Moment von 150 Nm. Die Standardleistung des Audi A1 E-Tron liegt bei 45 kW, boosten bringt bis zu 30 kW mehr.

Die nötige Power zieht sich die E-Maschine aus einer rund 150 Kilogramm schweren, wassergekühlten Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von zwölf kWh. Die 96 Module hat Audi geschickt T-förmig im hinteren Mitteltunnel sowie in jenem Bereich versteckt, in dem sonst der Kraftstofftank untergebracht ist. Trotz Wankel im Heck bleibt das sowieso schon knappe Kofferraumvolumen des Audi A1 E-Tron von 270 Litern auf diesem Wege zumindest unverändert.

Audi A1 E-Tron bittet um vernünftige Fahrweise

Wie schnell die zwölf kWh verpuffen können, zeigt eine fordernde Testfahrt im reinen E-Modus. Durch die Stadt, rauf auf die Autobahn, bergauf mit 130 km/h. Nach rund 30 Kilometer flotter und leiser Fahrt bittet die erste Meldung um eine vernünftigere Fahrweise, sieben Kilometer später meldet sich schließlich der Wankel dumpf brummend zu Wort. Das "Powerlimit" ist erreicht. Der gelobte Schub verebbt, und es bleiben nur noch 15 kW Ladeleistung, die der laufruhige Wankel geduldig bei dauerhaften 5.000 Touren an die Batterie abliefert. Konsequenz: ein mit 60 km/h den Berg hinaufkriechender Audi A1 E-Tron auf der A 81.

Dass der Audi A1 E-Tron weiter kommt, beweist er – nach einer dreistündigen Ladepause – auf einer speziell für E-Fahrzeuge entworfenen Verbrauchsrunde. Hier geht es gemütlich durch die City, bergauf und bergab. Ideale Möglichkeiten also, um weit zu segeln, mittels vierstufiger Rekuperation zu bremsen und fleißig kW zu sammeln. Hierfür setzt Audi auch auf eine aufwendige Bremsanlage. Denn während an der Vorderachse hydraulische Festsättel arbeiten, verzögern hinten neu entwickelte elektrisch betätigte Faustsättel – so lassen sich Reibungsverluste minimieren. Und trotzdem ordentliche Bremswerte: 35,1 Meter sind klasse.

58 E-Kilometer übertreffen Werksangabe

Am Ende übertreffen wir mit 58 Kilometer Fahrt im reinen Elektromodus sogar die Werksangabe von 50 km. Daraus ergibt sich ein Schnitt von 16,2 kw/100 km. Gute Werte, die zeigen, wie wohl sich der Audi A1 E-Tron in seinem eigentlich zugedachten Revier fühlt.

Soll es doch einmal weiter über Land gehen, empfiehlt sich der Wechsel in den Fahrmodus E. Hier schaltet sich der Wankel in seiner Funktion als "Stromaggregat" kaum spürbar zu und unterstützt die Akkus mit dynamischer Mitarbeit. Dadurch bleibt deren Restreichweite erhalten, und der optisch fesche Audi A1 E-Tron wird auf schnelleren Autobahnetappen nicht zum Lkw-Stopper.

Zum Abschied boosten wir nochmal rauf auf die schwäbische Alb, freuen uns am sportlich-straffen Fahrwerk und rollen gemütlich wieder die Hänge hinunter. Kilometer um Kilometer steigert sich die Reichweite, und wir sammeln Reserven für den letzten Anstieg: auf den wartenden Hänger. Vielleicht auf bald? Wäre doch schön.

Projekthaus für Hochvolt-Batterie

"Bitte nicht an die Pole fassen!" Wenn es ums Thema Sicherheit bei Akkus geht, verstehen Audi-Ingenieure im neuen Projekthaus Hochvolt-Batterie keinen Spaß. Schließlich lagern hier auf der Fläche eines halben Fußballplatzes einige Tausend Kilowattstunden Energieinhalt. Wenn da ein auto motor und sport-Redakteur frei an Rohzellen herumfingern darf, um sich genau anzuschauen, wie Audi die Akkus für seine Elektro-Prototypen fertigt, ist man also mit Recht überaus vorsichtig.

Die Idee hinter dem Projekthaus ist folgende: Audi möchte nicht nur energiegeladene Blackboxen von seinem Partner Panasonic zugeliefert bekommen, sondern die Gesamtfertigung der Batterien entwickeln und optimieren. "Unser Partner Panasonic hat das Zellen-Know-How, und wir besitzen die Fertigungstechnologie für das Gesamtsystem", erklärt Ivo Muth und zeigt auf eine geschwungen geformte Verbindungsplatte, bei der die Widerstände penibel optimiert wurden. So fließen Datenmengen in den Dimensionen einer Großbank durch die Entwicklungsrechner, und an den Prüfständen werden parallel bis zu einem Megawatt Leistung auf die Audi A1 E-Tron-Akkupacks losgelassen. Auch das Alterungsverhalten der Stromspeicher wird sehr gründlich studiert. Derzeit produziert Audi vier Batterien pro Woche. In Zukunft sollen es mal über 10.000 pro Jahr sein.

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