Mal angenommen, wir Menschen hätten so etwas wie ein Zentraldifferenzial, genau zwischen Kopf und Bauch. Dann wäre das sicher überraschend, weil kein Röntgenarzt es jemals auf dem Schirm hatte. Doch es würde endlich erklären, warum wir wichtige Entscheidungen sowohl mit dem Kopf als auch aus dem Bauch heraus treffen.
Es ist ein ständiges Hin und Her. Sagt der Bauch: „Du wolltest doch schon immer einen großen Geländegänger, gönn ihn dir endlich“, dann meldet sich prompt der Verstand. Argumentiert mit dem gewaltigen Gewicht der SUV. Dem Fahrspaß, der deshalb auf der Strecke bleibt. Den engen Parkhäusern. Und dem Schluckvermögen – der Motoren, nicht der Federung. So was kann sich lange hinziehen.
Es sei denn, das menschliche Mittendifferenzial gibt irgendwann das volle Antriebsmoment an den Kopf, und dem fällt der passende Kompromiss ein: Audi A6 Allroad Quattro. Da steht er also, vor der modernen Glasarchitektur des Audi-Forums in Neckarsulm. Auch sein Vorgänger, in fünf Jahren knapp 90 000 Mal verkauft, kam von hier. Gegen seine Konkurrenten BMW X5 und Mercedes M-Klasse – alles echte SUV – hatte er in den Zulassungsstatistiken keine Chance, und einen Q7 gab’s damals noch nicht im Audi-Programm. Jetzt schon. Auch deshalb war der zusätzliche Entwicklungsaufwand für den neuen Allroad vergleichsweise gering: keine 60 Millionen Euro, sagen Insider. Also ein Q7 für Arme? Keine Spur. Denn als Topversion 4.2 FSI kostet der Allroad stramme 66 000 Euro; der Q7 mit dem gleichen Motor ist inklusive der Luftfederungs-Option gerade mal 1410 Euro teurer. Der Hochdrehzahl-V8 mit 350 PS, eingeführt in der A4-Sportversion RS4 und dort noch mal 70 PS stärker, ist jetzt zum ersten Mal in einen A6 implantiert. Mit dem Allroad, der laut Werksangaben 285 Kilogramm weniger auf die Waage bringt als der Q7, hat der Direkteinspritzer leichtes Spiel. Und er passt zu seinem Charakter. Schon im Stand blubbert er hörenswert aus den beiden Endrohren. Und steppt die Aisin- Automatik bei Vollgas sanft schaltend hinauf bis in den sechsten Gang, dann klingt der an- und abschwellende Motorsound so mitreißend, als hätten sich im Kofferraum einige der berühmten japanischen Yamato-Trommler versteckt, um sich – angenehm gedämpft – für ihren nächsten Auftritt warmzuspielen.






