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Audi Quattro Concept im Fahrbericht

Konzept-Besprechung mit der Quattro-Ikone

Audi quattro concept, Sport Quattro 1984 Foto: Audi 33 Bilder

Mit der neuen Studie Audi Quattro Concept schlägt Audi einen Bogen zum berühmten Sport Quattro, der vor gut einem Vierteljahrhundert die Allradkompetenz der Marke festigte.

12.01.2011 Horst von Saurma Powered by

Wer sich an berühmten Vorbildern orientiert, tut gut daran, es nicht auf die plakative Tour, sprich: mit der Holzhammer-Methode, zu versuchen. Oder anders ausgedrückt: Retrodesign als Akt der Wiederherstellung alter Formensprachen ist unter Designern mittlerweile ähnlich verpönt wie eine Wohnungseinrichtung aus der Antiquitätentruhe.
 
Insofern haben Wolfgang Egger, 47, Chef des externen Audi-Designbüros in München, und seine von der Audi-Designabteilung in Ingolstadt unabhängig arbeitenden Mitstreiter einen schlüssigen Ansatz gefunden, um dem Nachfolger des berühmten - mittlerweile zur Ikone gereiften, 306 PS starken Audi Sport Quattro aus dem Jahre 1984 - einen standesgemäßen Übergang ins beginnende 21. Jahrhundert zu verschaffen.

Studie besitzt Designzitate das Original

Wer in der neuen Konzeptstudie spontan die Wiedergeburt der damaligen Evolutionsstufe des Quattro Coupés zu entdecken vermag, verfügt nämlich entweder über hellseherisches Talent und/oder ist mit den intelligenten Designstrategien vertraut, die auf subtile Weise sehr glaubhafte Bezüge zur Vergangenheit herstellen können - und zwar über die Adaption typenspezifischer Designelemente. Als da in diesem Fall wären: Die „Schärfe des Gesichts“ (Egger) mit den großen schwarzen Kühlluftöffnungen, den waagerechten Luftschlitzen oberhalb der stilvoll aus Karbon gefertigten Audi-Ringe und der asymmetrischen Anordnung der Luftansaugöffnung auf der Motorhaube.
 
Während die eingelassene Heckscheibe an der C-Säule nur als Spurenelement des vor gut einem Vierteljahrhundert entworfenen Designs zu entziffern ist, zeigt das horizontal orientierte Heck mit dem schwarzen Querstreifen schon eine starke optischen Nähe zum Original. Signifikante Übereinstimmung weisen auch der typische Knick in der A-Säule und - noch deutlicher - die kräftig konturierte C-Säule auf. Diese geht in ihrem typischen Verlauf in ein flaches Dach über und erzeugt so auch bei der Neuinterpretation des Quattro-Sportmodells jene gedrungene Stämmigkeit, mit der auch das Vorbild seinerzeit für Aufsehen sorgte.

Studien-Basis bildet der Audi RS5

Die Wiedergeburt des starren, schwarzen Gummispoilers in Gestalt eines automatisch aus seinem Designerbett ausfahrenden Karbonflügels wirkt dabei keineswegs wie ein Fremdkörper in der von Designzitaten doch reich gesegneten Karosserie. Jene räumt zudem konsequent mit einem optischen Makel auf, der den Ahnen in ganz bemerkenswerter Weise kennzeichnete: Die ehedem recht langen Karosserieüberhänge - besonders am vorderen Ende - sind extrem verkürzten Enden gewichen, was die Kompaktheit des auf Basis des aktuellen Audi RS5 aufgebauten Konzeptautos deutlich unterstreicht. Gegenüber dem aktuellen viersitzigen Sportcoupé ist der Radstand der Studie um 150 Millimeter auf 2,60 Meter verkürzt und die Dachhöhe um 40 Millimeter abgesenkt worden.
 
Im Vergleich zu den zierlichen 15-Zoll-Rädern des Ahnen nehmen sich die modernen 20-Zöller des bei der Quattro GmbH in Heilbronn gebauten Einzelstücks wie riesige Walzen aus, womit die aus Aluminium gefertigte Karosserie noch einmal zusätzlich an Stämmigkeit gewinnt. Die Pflicht, analog des Vorbilds einen Antriebsstrang implantieren zu müssen, der dem berühmten Quattro-Prinzip im Allgemeinen und der Sport Quattro-Vorgabe im Besonderen gerecht wird, entpuppte sich als relativ leichtes Unterfangen. Denn im Audi-Baukasten sind alle notwendigen Komponenten auf neuestem technischen Stand vorhanden.

Konzeptfahrzeug mit Fünfzylinder-Motor

Dem vorn längs eingebauten, nunmehr mit 408 PS und einem Drehmoment von 480 Newtonmeter antretenden Fünfzylinder-Turbo aus dem aktuellen Audi TT RS schließt sich ein manuell zu bedienendes Sechsgang-Schaltgetriebe an, von dem aus in perfekter Quattro-Manier das Drehmoment über ein Kronenrad-Mittendifferenzial an alle vier Antriebsräder weitergereicht wird. Ein modernes Doppelkupplungsgetriebe stünde dem bezeichnenderweise in Col-de-Turini-Weiß lackierten Straßensportler zwar erheblich besser zu Gesicht. Da aber ein neuer, überzeugender Beweis in Sachen Leichtbaukompetenz angetreten werden sollte, mochte man das Gewichtskonto in der frühen Konzeptionsphase wohl nicht unnötig belasten.
 
Schließlich galt es, das avisierte Zielgewicht - fahrfertig 1.300 Kilogramm - strikt einzuhalten. Damit liegt die Studie praktisch auf dem Niveau des Sport Quattro von 1984 - und unterbietet nebenbei bemerkt den aktuellen Audi TT RS um stattliche 200 Kilogramm. Mit dem Leistungsgewicht von nur 3,2 Kilogramm pro PS könnte sich der 408 PS starke Fünfzylinder-Sport Quattro also locker auf ein aussichtsreiches Rennen mit dem 525 PS starken Audi R8 V10 einlassen.
 
Während sich Gesamtlänge und -breite und damit indirekt auch die Höhe des Sportcoupés weitgehend am technischen Status Quo orientieren - siehe Audi TT RS-Motor sowie
Audi RS 5-Antriebsstrang -, erschließen sich im Innern des zweisitzigen Coupés ganz neue Welten. Die auffällige Schlichtheit im Cockpit folgt dem modernen Minimalismus: Schlaufen als Türöffner und Klimaanlage schließen sich ebenso wenig aus wie piekfein verarbeitete, mit Biesen besetzte Sitzbezüge aus feinstem Leder und Helmfächer anstelle der Rücksitzbank.
 
Die in Finger-Reichweite hinter dem Lenkrad senkrecht angeordneten Schalterreihen sind in ihrer Praktikabilität ebenso überzeugend wie das neue, visierartig ausgeführte, voll digitalisierte Instrumentenpanel. Die Einfachheit und Überschaubarkeit des Cockpits war laut Carsten Monnerjan, dem verantwortlichen Designer für das Interieur, erklärtes Ziel. Als erfreulicher Nebenaspekt ließ sich so der mittlerweile übliche Schalterwust auf ein Minimum reduzieren.

Studie als Vorbote zukünftiger Modelle

Die Studie nimmt damit in ihrer schlichten Eleganz, der überschaubaren Größe und der nicht übertrieben wirkenden Motorisierung etwas von dem vorweg, was möglicherweise schon bald als breiter Konsens akzeptiert sein wird - knapp geschnittene, leichte und technisch hoch spezialisierte Fahrzeugkonzepte. Es wäre daher höchst bedauerlich, wenn die Quattro GmbH nicht umgehend das Startsignal zur Produktion des neuen Audi Sport Quattro erhalten würde.
 
Auch wenn unter kalifornischer Sonne trotz Sheriff-Eskorte weder mit dem Studienobjekt noch mit dem in perfektem Originalzustand befindlichen Ahnen kaum schneller als 100 km/h gefahren werden durfte und die maximal erreichbaren Querbeschleunigungen auf dem Beach Boulevard in Malibu treffenderweise denen einer Hollywood-Schaukel glichen: Dass wir es hier mit einem fahrdynamisch höchst überzeugendem Angebot zu tun haben, daran besteht angesichts der schlüssigen Konzeption nicht der geringste Zweifel.

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