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Audi RS6 der Baureihe C5 ab 9.000 Euro

Power-Limousine mit Gewichtsproblem

Audi RS 6, Seitenansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 24 Bilder

Mit 450 PS Leistung war der Audi RS 6 im Jahr 2002 der bis dahin stärkste Serien-Audi. Im Testduell ließ die dezente Power-Limousine mit Cosworth-V8-Triebwerk sogar den BMW M5 stehen.

25.02.2016 Dirk Johae Powered by

Kurz vor dem zweiten Gesamtsieg mit dem Rennwagen R8 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2002 zündet Audi sein stärkstes Serienauto. Auf Basis des Oberklassemodells A6 (Baureihe C5) haben die Herren der vier Ringe ein Sportmodell entwickelt, das in der Tradition der leistungsstarken RS-Modelle steht.

Nicht zuletzt durch die Erfolge beim Langstreckenrennen von Le Mans ist das sportliche Selbstbewusstsein in Ingolstadt spürbar gewachsen. Der Audi RS6 stellt als echter Leistungssportler für die Straße alles in den Schatten, was Audi bis dahin als Serienauto gebaut hatte. Der V8-Motor mit 4,2 Litern Hubraum, der von zwei Turboladern zwangsbeatmet wird, leistet mit 450 PS so viel wie der damals aktuelle DTM-Audi des Abt-Teams, mit dem der Franzose Laurent Aïello in der Saison Meister wurde. Natürlich hatte der RS6 obendrein den Quattro-Antrieb, der seit Ferdinand Piëchs Geniestreich in den frühen 80ern das Markenzeichen für sportliche Straßen-Audi ist.

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Fahrbericht mit Kaufberatung Audi RS 6
Motor Klassik 04/2015
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Audi RS 6, TypenbezeichnungFoto: Hans-Dieter Seufert
Der dezente RS6-Schriftzug am Heck macht auf das Topmodell des A6 aufmerksam. 8.081 Exemplare verließen die Werkshallen.

560 Nm Drehmoment schon ab 1.900/min

Dazu fügt sich der Name Cosworth in das Legendengeflecht. Die Technologiesparte der Firma aus Northampton, die 1967 mit ihrem Ford-Formel-1-Motor den Durchbruch schaffte, gehörte von 1998 bis 2004 als Tochterfirma zur Audi AG – sie baute den RS-V8 in England. Beeindruckender als die Spitzenleistung ist der permanente Schub des Motors. Das maximale Drehmoment von 560 Newtonmetern steht schon bei 1900 Touren zur Verfügung. Der 4,2-Liter- Biturbo braucht keine hohen Drehzahlen, um seine Leistung in Schub zu verwandeln. Könnern gelingt der Sprint auf 100 km/h mit dem Audi RS6 in 4,7 Sekunden, in 11,2 Sekunden erreichen sie 160 km/h.

Solange es geradeaus geht, ist mit dem Audi RS 6 alles prima. Doch vor allem auf engen, kurvigen Straßen spürt man das mächtige Gewicht von 1,9 Tonnen deutlich. Schon das luxuriöse Interieur lässt befürchten, dass der RS6 trotz seiner Leistungsbereitschaft zu viele Kilos mit sich herumschleppt.

Trotz Dynamic Ride Control kein Fabel-Fahrwerk

Die Audi RS 6 Limousine und auch der Avant sind trotz des Antriebsstrangs mit Spurenelementen von Formel 1 und Rallye-Weltmeisterschaft keine Sportwagen. Zur Körperfülle kommen die Abmessungen einer Chauffeur-Limousine mit gut 4,86 Meter Länge und 1,85 Meter Breite. Dabei haben sich die Ingenieure der Quattro GmbH alle Mühe gegeben, die üppige Leistung auf die Straße zu bringen.

Neben der Spezialität des Hauses in Form der vier permanent angetriebenen Räder entwickelten sie für den Audi RS6 ein Dämpfersystem mit dem Zauberkürzel DRC: Die hydraulische Dynamic Ride Control verbindet die jeweils diagonal gegenüberliegenden Einrohrdämpfer und sorgt bei Kurvenfahrten für eine zusätzliche Dämpferwirkung. Das DSC wirkt so wie ein Stabilisator.

Allerdings überzeugt das Audi RS6-Fahrwerk nicht in jeder Disziplin. Die Fahrt durch den Slalomparcours muss im Supertest von sport auto mehrfach abgebrochen werden, weil sich das Auto zu stark aufschaukelt und dann schlagartig das Heck ausbricht.

Audi RS6 schlägt BMW M5

Jedoch schlägt der Audi beim Slalomtest seinen direkten Rivalen BMW M5. Im Vergleichstest von auto motor und sport hatte der Audi RS 6 bei den Fahreigenschaften die Nase klar vorn. Dafür sind die Audi-Entwickler beim Komfort keine Kompromisse eingegangen. Der RS 6 ist so hart abgestimmt wie ein Sportwagen. Das konnten BMW mit dem M5 und Alpina mit dem B10 V8 S erheblich besser.

Insgesamt aber kann sich die Power-Limousine aus Ingolstadt in der Eigenschaftswertung des Dreier-Vergleichs knapp durchsetzen. In der Gesamtwertung jedoch landet der Audi RS 6auf dem letzten Platz, weil er in der Kostenwertung durchfällt: Der Audi war in der Anschaffung mit 86.500 Euro um 12.000 Euro teurer als der M5. Dazu machten die extrem hohen Versicherungsprämien aus dem Fahren mit dem RS6 ein äußerst exklusives Vergnügen.

Nur knapp über 8.000 RS6 wurden von der Quattro GmbH in Neckarsulm gebaut, zweieinhalbmal weniger als der BMW M5, und das, obwohl der RS6 noch einen Trumpf im Ärmel hatte: Während es den BMW der E39-Baureihe nur als Stufenheck-Limousine gab, bot Audi seine Power-Limousine außerdem als Kombi an.

Audi RS 6, MotorFoto: Hans-Dieter Seufert
Kraft bis zum Abwinken: Der 4,2-Liter-V8 leistet 450 PS und drückt 560 Nm.

Audi RS6 Avant mit viel Platz

Wie beim zivilen A6 auch, lässt sich der Laderaum beim Audi RS6 Avant durch Umlegen der Rücksitze bis auf 1.590 Liter Volumen vergrößern: Diese Mischung aus Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit ist auch beim angehenden Klassiker besonders beliebt. Den Avant gab es ab April 2004 in der ultimativen Version als RS 6 Plus mit 30 PS mehr und besonderer Ausstattung.

Die auf 999 Exemplare limitierte Sonderserie könnte sich zu einem hoch dotierten Sammlerstück entwickeln. Das gilt natürlich ganz besonders für die einzige gebaute Limousine dieser Serie, die als letzter Audi RS 6 die Fertigung in Neckarsulm verließ - hoffentlich weiß der Besitzer zu schätzen, was er an diesem Einzelstück hat.

Neupreis über 100.000 Mark

Der Audi RS 6 Plus verfügt nicht nur über eine gesteigerte Motorleistung, sondern regelt die Höchstgeschwindigkeit auch erst bei 280 km/h ab. Dazu rüstete die Quattro GmbH den leistungsgesteigerten RS technisch mit einem Sportfahrwerk, noch leistungsfähigeren Bremsen, einer Sportauspuffanlage und 19-Zoll-Rädern serienmäßig aus.

Der Kaufpreis dieses exklusiven Audi RS6 überstieg so die Schallmauer von 100.000 Euro und erreichte das Niveau eines Luxussportwagens. In jeder Hinsicht legte Audi die Messlatte für Limousinen mit Sportwagenleistungen ziemlich hoch. Mit Macht unterstrich Audi, dass sie nicht nur ihre sportlichen Gegner auf der Rennstrecke herausfordern konnten, sondern mit sportlichen und besonders leistungsstarken Autos auch in der Serie.

Bescheidene Fassade

Aber den Durchbruch als Youngtimer hat derAudi RS 6 besonders in seiner Normalform noch nicht geschafft: Zu sehr versteckt sich die hohe Motorleistung hinter einer recht bescheidenen Fassade, die sich von den Schwestermodellen der C5-Baureihe erst auf den zweiten Blick unterscheidet.

Nur die Frontpartie mit den Lufteinlässen für die Kühler von Ladeluft, Wasser und Öl, die großen Leichtmetallfelgen, die kleine Spoilerkante auf dem Kofferraumdeckel und die Heckschürze kennzeichnen den Audi RS 6 markant - und natürlich die auffälligen Logos an Front und Heck.

Die mattsilbernen Außenspiegel sowie die anderen Schweller zum Beispiel sehen nur Detailverliebte. Der Audi RS 6 trägt seinen Charakter nicht zur Schau. Auch der sehr gedämpfte Klang des V8 lässt keine Rückschlüsse auf seinen Charakter zu: Er klingt so bieder wie Heino beim Absingen eines Lieds von Rammstein.

Cosworth-V8 wird versteckt

Dabei hätte der Alu-Motor des Audi RS6 das Zeug zu einer waschechten V8-Klangkulisse, die jedem US-Big-Banger Konkurrenz machen könnte. Doch seine Väter mögen den bis dahin stärksten Serien-Audi aller Zeiten lieber als unauffälligen Leisetreter.

Das gilt auch für den Motorraum: Statt auf zwei prächtige Zylinderbänke des V-Motors mit 90° Bankwinkel fällt der Blick zunächst auf den in saftigem Rot angebrachten Schriftzug "Biturbo" und dann auf eine große Kunststoffblende, auf der das schlichte V8 zu lesen ist.

Katapultartige Beschleunigung

Die Lust am Audi RS6 entsteht somit vor allem beim Fahren, wenn der mächtige V8-Biturbo seine Muskeln spielen lässt: Das Gefühl, beim Kickdown wie von einem Katapult in den Sitz gedrückt zu werden, macht süchtig. Immer wieder lockt der Reiz, die urwüchsige Kraft des bayerisch-britischen Kraftpakets von Neuem zu spüren.

Dieser Motor ist der Hammer, und dank der Fünfgangautomatik sowie des Quattro-Antriebs ist der Vortrieb scheinbar grenzenlos. Das bedeutet Audi RS6-Feeling pur.

Audi RS 6, FahrersitzFoto: Hans-Dieter Seufert
Auf Komfort muss ein Audi RS6-Fahrer nicht verzichten. Die schweren und perfekt konturierten Recaro-Sitze lassen sich elektrisch einstellen.

So viel kostet ein Audi RS6

Classic-Analytics listet einen Audi RS6 der Baureihe C5 im Zustand 2 mit 14.700 Euro, im Zustand 4 mit 4.400 Euro. Doch für das Geld wird man selbst einen lädierten RS6 kaum finden. In den großen Online-Börsen geht es bei rund 8.000 Euro für fahrbereite Exemplare los.

Wer einen gut gepflegten Audi RS6 der Baureihe C5 sucht, sollte mit mindestens 10.000 Euro rechnen. Top-Exemplare mit weniger als 100.000 km auf der Uhr liegen schon bei rund 15.000 Euro aufwärts.

Fazit

Ich bin hin- und hergerissen: Der V8-Biturbo von Audi ist der Hammer. Aber ein bisschen weniger optisches Understatement würde mir besser gefallen - ab Werk, versteht sich. Aber unterm Strich bietet der Audi RS 6 bei den derzeitigen Kaufpreisen viel Power fürs Geld.

Technische Daten
Audi RS 6
Grundpreis87.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4858 x 1850 x 1425 mm
KofferraumvolumenVDA424 L
Hubraum / Motor4172 cm³ / 8-Zylinder
Leistung331 kW / 450 PS (560 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,7 s
Verbrauch14,6 L/100 km
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