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Audi Shooting Brake

Brakedance

Foto: Foto: Thomas Kunert 15 Bilder

Auf Basis des nächsten TT probt Audi für ein neues Fahrzeug-Segment: dieMischung zwischen Sportwagen und Kombi. Fahrbericht mit dem Audi ShootingBrake.

11.02.2006 Bernd Ostmann

Für den gefeierten Showstar war es ein Kulturschock. Gerade noch in Tokio von der Weltpresse umjubelt, steht er nun im amerikanischen Willow Springs auf einer gottverlassenen Rennstrecke. Hollywood ist eineinhalb Autostunden entfernt. Statt Blitzlichtgewitter wartet nur ein einziger Fotograf. Dafür darf das Ausstellungsstück zeigen, dass es mehr kann als posieren. Für ein handgefertigtes Einzelstück lässt es sich ausgesprochen flink über die Rennstrecke zirkeln. Mit Allradantrieb und breiten Rädern, die vom RS4 stammen, krallt sich der Audi zuverlässig im Asphalt fest. Die großen Keramik-Bremsscheiben ermöglichen erstaunliche Verzögerungen. Die Lenkung arbeitet präzise und zielgenau.

Nur die üblen Wellen, die auf der Piste lauern, sollte man besser meiden. Da kreischen die großen Räder in den Radhäusern dann doch protestierend auf. Der flache Zweitürer wirkt ausgesprochen kompakt und handlich. Was sicherlich auch an der optimierten Gewichtsverteilung (53:47) liegt. Außerdem: In seinen Genen trägt der weiße Audi bereits die technischen Inhalte der nächsten TT-Generation. Das Coupé soll im Juni präsentiert werden. Geht es nach seinen Ziehvätern, dann muss es sich vor einem Porsche Cayman nicht verstecken. Die Basis für die Porsche-Attacke kommt aus dem Golf-Baukasten.

Wenn man davon noch sprechen kann. Denn eigentlich sind es nur einige Komponenten wie beispielsweise die Achsen, die gleich sind. Ansonsten ist der Shooting Brake ein gutes Beispiel für einen intelligenten Materialmix. Mit hohem Aluminium-Anteil bei den Fahrwerksteilen, beim vorderen Hilfsrahmen und beim Chassis. Neben der Spaceframe- Technologie sind auch Teile der Bodengruppe und der Außenhaut aus Aluminium. Stahl kommt nur zum Einsatz, um die Gewichtsbalance zu optimieren.

Beispielsweise beim hinteren Teil des Bodenblechs, beim hinteren Hilfsrahmen oder bei der Heckklappe. Showcars sind nach dem Verständnis von Audi-Entwickler Ulrich Hackenberg mehr als reine Hingucker. Sie sind Versuchsträger für neue Materialien und Technologien. Nicht allein der Materialmix ist für Hackenberg entscheidend, sondern auch die Verbindungstechniken sind futuristisch. Es wird nicht nur geklebt und genietet, sondern auch gelötet. Neue Materialien finden sich nicht allein im Chassisbereich, sondern in vielen Details. Die Sitzbezüge wirken beispielsweise wie feinstes Leder, sind aber aus Kunststoff.

Kofferraumabdeckung und Fußmatten sind aus einem besonders robusten Material gefertigt, das normalerweise bei Motorrad-Kombis im Einsatz ist. Auf neuen Pfaden bewegt sich der Shooting Brake auch mit seinem Navigationsgerät. Erstmals kommt bei Audi die so genannte Touch-Screen-Technik zum Zug. VDO liefert die Basis, die Software entwickelte Audi. Auf einemkleinen portablen Gerät lassen sich Reisen schon zu Hause vorplanen. Das streichholzgroße Planungstool wird dann einfach in einen Schacht gesteckt – und los geht’s. Eine Besonderheit des cleveren Lotsen: Wird die Richtung normalerweise aus der Fahrerperspektive angezeigt, so wechselt das Bild bei einem plötzlichen Verkehrsstau oder einer Umleitung flink in die Vogelperspektive und verschafft so einen schnellen Überblick. Passend zum sportlichen Charakter des Shooting Brake gibt es ein Sonderprogramm:

Im Sport-Modus zeigt das Navigationsgerät für den nächsten Streckenabschnitt nichtallein die Kurven, sondern auch den passenden Gang und die mögliche Geschwindigkeit an. Für die Rennstrecke springt die Uhr in der Cockpitmitte von der Analog-Anzeige auf die Stoppfunktion. Dabei möchte der Shooting Brake weit mehr sein als Sportwagen oder Technologieträger. Er schlägt die Brücke zwischen Dynamik und Nutzwert: vorn TT, hinten Kombi, mit Platz für zwei Personen im Fond. Dort kann man auch als 1,75- Meter-Mann genügend Platz finden. Die beiden hinteren Sitzlehnen sind umklappbar. Bei Bedarf entsteht so ein beachtlicher Stauraum.

Der Shooting Brake soll die sportliche Fraktion ansprechen. Wobei Sportlichkeit zunächst nichts mit Motorleistung und Handling zu tun hat; hier geht es vielmehr um die sportliche Einstellung und um Menschen, die für ihr Hobby Stauraum brauchen. Und die deshalb in Amerika vorzugsweise zu einemweniger dynamischen SUV greifen. Die andere Zielgruppe sind junge Frauen, die gern Sportwagen fahren und dennoch zwei Kinder im Fond sicher und bequem platzieren wollen. Frauen spielen beim TT traditionell eine Rolle.

Kein Wunder, dass auch der Projektleiter eine Frau ist. An ihr liegt es aber sicherlich nicht, dass die Shooting Brake-Idee noch nach Orientierung sucht. Um die Position im Audi-Programm wird noch heftig gerungen. Die einen wollen ihn preislich oberhalb des TT ansiedeln. Dann müsste er eine Top-Motorisierung haben, könnte aber dem Coupé den Glanz nehmen. Die andere Positionierung läge unterhalb des Coupé. Da aber sehen die Verkäufer eine bedrohliche Nähe zum gut gehenden A3 Sportback. Hackenberg glaubt an sein Autokonzept: „Der Shooting Brake könnte eine Ikone werden.“ Wenn er die Vertriebsbedenken in den nächsten Wochen nicht zerstreuen kann, soll Plan B zum Zug kommen.

Dann möchte er das Konzept auf der kleineren, preiswerteren Golf IV-Plattformrealisieren. Aus seinem Zwei-plus-zwei-Sportwagen würde so der Einstieg in die Audi-Welt, quasi der A2-Nachfolger. Denn eines ist längst klar: Audi braucht ein neues Einstiegsmodell. Außerdem möchte Hackenberg seine Serie durchhalten. Alle seine Showcars gingen bislang in Serie.

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