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Audi TT 2.0 TFSI Abt, Oettinger, MTM, Wendland

Wilde Runde

Foto: Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Wer den rundlichen Audi TT ausschließlich als Design-Objekt versteht, missdeutet den 2+2-Sitzer gehörig. Vor allem getunt wird der TT zum wilden Hund. Mit Wendland, MTM, Abt und Oettinger auf schneller Runde.

10.05.2007 Marcus Peters

Ist er’s oder ist er’s nicht? Der Blick bohrt sich in die Front, sucht nach Anhaltspunkten. Ingolstädter Kennzeichen, angeschnittene Scheinwerfer, darunter Schlitze. Etwa Audis neuer R8? Wirkt auf Bildern irgendwie flacher und breiter. Auch länger. Aber was könnte es sonst sein? Erst als der rätselnde Autofan die Karosserie umrundet, klärt sich die Frage: Aha, doch kein R8. Ein Audi TT, von MTM getunt. Geschickt gemacht, Verwechslung offenbar erwünscht.

Ein wilder TT, ein kleiner R8 fürs Volk.

Im Gegensatz zum echten mit viel gutem Willen und Verzicht gerade so bezahlbar. Der MTM schwimmt auf der Interessenswelle an Audis neuer Preziose. Und macht nicht einmal leere Versprechungen: 313 PS aus einem Zweiliter- Vierzylinder. Da weiten sich die Augen erwartungsfroh. Leuchtendrot sticht der auffälligste unter den vier getunten Audi TT 2.0 TFSI gegen den Wendland heraus. Optisch unbehandelt und in unverfängliches Silber gekleidet, ist dieser ein klassischer Tiefstapler. 260 PS in serienmäßiger Optik. Vornehmer, wenn auch nicht so zurückhaltend, treten 300 PS aus dem Allgäu auf. Der Landadel trägt Chromschmuck zum gut sitzenden schwarzen Einreiher. Alles, was im Kühlergrill des Original-TT schwarz ist, überzieht Abt mit Glanz. Genau umgekehrt verfährt Oettinger mit seinem TT mit der Front. Aus Chrom wird matt, schon verdüstert sich die Mimik. Was dieser TT wohl im Schilde führt? 340 PS.

Von 260 bis 340 PS aus einem Zweiliter und immer noch Abgas nach Euro 4-Norm – Respekt, liebe Tuner. Der Aufwand, viele gute Ideen in diesem Motor zu verwirklichen, dürfte sich allerdings auch auszahlen – Audi, Seat, Skoda und VW packen den Zweiliter- Turbo vorwiegend in sportliche Modelle und erzielen damit enorme Stückzahlen. Prognose: Der TFSI wird zum Tuning-Bestseller, zum meistgetunten Vierzylinder der Welt. Noch trägt diesen Titel der 1,8-Liter-Turbo, ebenfalls aus dem VW-Konzern.

Der TT selbst wird zum Tuning-Liebling seiner Klasse aufsteigen – vor allem in der volksnahen Kombination aus Frontantrieb und Zweiliter-Turbo, serienmäßig 200 PS stark. Audis 2+2-Sitzer ist ein dankbares Ausgangsprodukt: Optik, Fahrwerk und Motor schnappen schon ab Werk zu. Auf dieser Basis lässt sich aufbauen.
Der Zweiliter, der unter anderem im Golf GTI die Stimmung hebt, spritzt seinen hochoktanigen Cocktail direkt ein, um ihn dann mit vorverdichteter Luft aufzuwühlen. Ein KKK-Lader macht hierfür bereits ab Werk ordentlich Druck – nichts, was sich nicht noch steigern ließe. Wendland erhöht den Boost um 0,3 bar, was bei mittleren Drehzahlen stramme, aber nicht überspannte 1,0 bar ergibt.
Seit Jahren sorgen die Gebrüder Wendland in der Szene für anerkennendes Kopfnicken. Ihre beharrliche Prüfstandsarbeit fördert regelmäßig extrem kräftige, gleichzeitig extrem gut nutzbare Motoren zutage. Im Verborgenen justieren, optimieren, programmieren und dann ein ausgereiftes Ergebnis präsentieren – so stellt man sich schwäbische Tüftler vor. Lässt der Kunde auch noch den Vorschalldämpfer entfernen, dann kostet das Chiptuning knapp 1300 Euro und bringt 260 PS. Welch ein Preis-Leistungs- Verhältnis. Üppig fällt auch die Relation aus Preis und Drehmoment aus. Zuwachs: von 280 auf 360 Nm, dargeboten bei verhaltenen 2500/min. Liest sich wie das Datenblatt eines TDI – und so reißt der Wendland auch an.
Im Ansprechverhalten kaum schlechter als die Serie, bläst der Zweiliter deutlich kräftiger an und verteilt seinen Druck über ein breites Drehzahlband. Drehmoment ist durch nichts zu ersetzen, Hubraum dagegen schon – durch einen kleinen, bissigen Turbolader. Erst ab 5500/min atmet der Wendland schwer – man schaltet einen Gang höher, erwischt den Anschluss-Zug, und weiter geht’s mit Vehemenz. Einziger spürbarer Nachteil zur Ausgangsbasis: Geht man vom Gas, schiebt der unter höherem Druck stehende Turbo Luft nach, was sich ähnlich äußert wie ein leicht hängendes Gaspedal. Kein Vorschalldämpfer, weniger Abgas- Gegendruck. Und weniger Dämmstoff. Schon sonort der Wendland-TT leicht rasselig wie ein Käfer mit Sebring- Auspuff und rattert beim Einsatz der Traktionskontrolle wie ein Formel 1.

360 Nm reißen an den serienmäßigen Vorderreifen, lassen der ASR keine Ruhe.

Sie greift im Wendland-Trimm später, aber auch ruppiger ein. Schaltet man sie auf der Rennstrecke ab, so drehen die Räder in Kurven noch bis in den vierten Gang durch. Qualm haben erhält hier eine neue Bedeutung. Deshalb die Erkenntnis: Schnell ist man im Wendland-TT nicht durch Treten, sondern durch Entlasten des Gaspedals. Ernüchterndes Ergebnis auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim: 1:20,5, das Niveau eines serienmäßigen Golf GTI.
Weniger lässt die Traktion nicht zu. Eine Hilfe beim Fahren auf Zeit bietet die perfektionierte Einstellung auf der Radlastwaage, die Wendland für 600 Euro anbietet. Das kostet keinen Komfort, da Feder und Dämpfer erhal- ten bleiben. Trotzdem lenkt der TT besser ein, weil die Sturzwerte um ein Grad negativ eingestellt werden – in der Kurve vergrößert sich die Aufstandsfläche des Reifens. Sie ist mit den Audi- Optionsrädern 245/45 R 17 für 360 Newtonmeter dennoch zu schmal. Tipp für kleines Geld: Zu Chip und Achsvermessung noch breitere Bereifung wählen, dann ist das Wendland-Paket perfekt.

Mehr Spielgeld zur Verfügung? Dann vergrößern sich Potenz und Auswahl.

Etwa der schwarze Abt-TT , mit festem Heckflügel und breiten 255/35 R 19- Reifen bestens für Rekordzeiten gerüstet. Einen leichten Vorteil holt er sich auch durch das DSG-Getriebe. Schalten ohne Zugkraft-Unterbrechung – ideal für Beschleunigung und Rennstrecke. Und für animierendes Auspuff-Knallen wie in den Anfangstagen der sequenziellen Renngetriebe. Bei den Schaltvorgängen scheint der Sprit im Auspuff zu zünden. Ein kurzer, satter Rumms stimuliert Trommelfell und Spieltrieb – man schaltet häufiger als nötig.
Der Vierzylinder selbst muss neben den DTM -Motoren entstanden sein, röhrt raubeinig wie ein V8 mit 180-Grad- Kurbelwelle, ohne die Renn-Lautstärke zu erreichen. Bei soviel Motorsport-Affinität müssen die Sekunden in Hockenheim doch eigentlich purzeln. Tatsächlich stemmt sich der Abt einen Hauch heftiger aus dem Startblock als der Wendland, hadert dann aber mit seiner überschäumenden Kraft: 300 PS sind einfach zuviel für die Vorderachse.
Selbst die breiteren Reifen und das sauber abgestimmte, rückmeldungsintensive Gewinde-Fahrwerk sowie die Spurverbreiterung können nur wenig ausrichten. Sportreifen würden helfen, sind in diesem Vergleich aber nicht erlaubt. Genau drei Zehntel unterbietet der Abt den Wendland in Hockenheim, beim Spurt auf Tempo 200 km/h ist es eine Sekunde. Zu wenig für den hohen und teuren Aufwand. Andererseits geben die Werte nicht ansatzweise den Lustgewinn auf der Landstraße wieder. Ein sämig-straffes Fahrwerk, dazu Rennwagen-Akustik – da kann man Traktionslücken verschmerzen.
Für den Oettinger dagegen zählt die Devise „Ist er zu hart, bist du zu weich“. Besorgter Blick in die Optionsliste: Gibt es verstärkte Bandscheiben für den Weg zur Rennstrecke? Deutlich angenehmer strapaziert der silberne TT dagegen die Nackenmuskulatur. Zunächst fängt der Zweiliter faul an, wacht kurz vor 3000/ min auf und schlägt 1000 Umdrehungen später an. Er will bei Laune gehalten werden, macht dann aber wirklich Laune, dreht ausdauernd und konsequent gegen den roten Bereich.
In 21,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 200, Rundenzeit in Hockenheim 1:18,4. Beeindruckend. Hier spielt das Fahrwerk endlich seine Stärke aus. Sauber lenkt der Oettinger-TT ein, unter konstantem Schub eher über- als untersteuernd. Doch den größten Vorteil zieht er aus seiner Differenzialsperre an der Vorderachse. Traktion fast wie von einem Hecktriebler.

Nichts, was sich nicht noch steigern ließe.

Auch MTM setzt auf eine Sperre, stimmt sie noch rigider ab, was sich in gewöhnungsbedürftigem Eigenlenkverhalten äußert: Unter Last zieht der rote TT in schnellen Kurven sanft nach innen, muss der Fahrer zum Ausgleich die Lenkung leicht öffnen.

ESP verstärkt das Übersteuern sogar noch, saugt den MTM in den Scheitelpunkt – ohne dass es jemals kritisch würde. Blitzsauber lenkt der TT ein und pumpt sich bei vollem Ladedruck aus der Kurve. Obwohl der Audi-Tuner nahe Ingolstadt ebenso wie Abt und Oettinger einen größeren Turbolader verwendet, reagiert der MTM fast so schnell wie der Wendland aufs Gas – und vereint dessen Druck aus der Mitte mit der Drehwut des Oettinger. Eine unschlagbare Kombination: sehr gute Elastizitätswerte, Schnellster beim Beschleunigen, zudem die beste Rundenzeit. Und das ohne Kompromisse beim Fahrwerk – die Stoßdämpfer tragen ihren Namen zurecht.
Bleiben am Ende zwei Empfehlungen: der Wendland als äußerst effektives Budget-Tuning sowie der MTM. Ein Auto wie sein Erschaffer Roland Mayer. In dessen Heimat Bayern sagt man „aber a Hund is er scho“, wobei Hund als Schlitzohr zu verstehen ist. In diesem Fall ein Tuning-Schlitzohr. Macht seinen TT zum Volks-R8. Und sonnt sich clever im Glanz des Originals. Der Mayer, der Hund. 

Technische Daten
Oettinger TT RSRWendland TT 2.0 TFSI
Grundpreis64.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4178 x 1842 x 1352 mm
KofferraumvolumenVDA290 bis 700 L
Hubraum / Motor1984 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung250 kW / 340 PS (430 Nm)191 kW / 260 PS (360 Nm)
Höchstgeschwindigkeit272 km/h260 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,0 s
Verbrauch7,7 L/100 km
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