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BAC Mono im Fahrbericht

Mono-Kultur bietet Rennwagenfeeling

BAC Mono Foto: Rossen Gargolov 27 Bilder

Noch nie war ein straßenzugelassenes Fahrzeug einem Formel-Rennwagen so nah. sport auto kletterte exklusiv als erstes Magazin ins Cockpit des extremen Einsitzers BAC Mono.

27.03.2012 Christian Gebhardt Powered by

Formel-Rennwagen mit Straßenzulassung

Klack, ein richtig sattes Klack. Wer im BAC Mono Platz nimmt und per Schaltwippe am Lenkrad den ersten Gang einwirft, wähnt sich direkt in der Startaufstellung eines Formel 3-Rennens. Noch nie war ein straßenzugelassenes Fahrzeug so viel Formel-Rennwagen wie der BAC Mono. „Das sequenzielle FTR-Getriebe von Hewland mit integriertem Ölbehälter und Pumpe für die Trockensumpfschmierung stammt aus einem Formel 3-Auto. Die Befestigungspunkte sind zusammen mit Dallara entwickelt worden“, erklärt Ian Briggs. Gemeinsam mit seinem Bruder Neill gründete der gebürtige Brite 1996 das Desginbüro Adaptive Space mit Sitz in Stuttgart und in der englischen Grafschaft Cheshire.

Nach Auftragsarbeiten für verschiedene Automobilhersteller fiel 2007 der Startschuss für die Eigenentwicklung des Extremsportlers Mono. Im März 2009 folgte dann die Gründung der Briggs Automotive Company (BAC) mit Sitz in Holmes Chapel (Cheshire). Nach der Vorstellung des leichten Einsitzers BAC Mono mit einem Leergewicht von 540 Kilogramm begleitet sport auto nun als erstes Magazin die Jungfernfahrt auf deutschem Boden.

F1-Crashnorm und Euro5-Abgasnorm

Die gute Nachricht zum BAC Mono vorweg: Der Formel-Renner, der sowohl Straßenzulassungsordnung als auch Formel 1-Überschlag-Crashnorm erfüllt, soll auch auf den deutschen Markt kommen. „Wir arbeiten noch an der Euro 5-Abgasnorm, aber das ist kein Problem“, erzählt Ian, der als Designer die Formensprache mit einem Mix aus Formel-Bolide und Kampfjet F-22 Raptor entwickelt hat.

Sein Bruder ist als gelernter Ingenieur hauptsächlich für die Technik zuständig. Hinter der futuristischen Linienführung der komplett aus Karbon gefertigten Karosserie sitzt eine Chassis-Konstruktion aus einem Stahlrohrrahmen. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart FKFS wurde die Aerodynamik in zahlreichen CFD-Simulationen entwickelt. Ziel war es, beim BAC Mono die Luftführung wie bei einem Formel-Auto am Fahrzeug vorbei zu kanalisieren.

„Wir wollten eine möglichst neutrale aerodynamische Balance erreichen. Wenn ein leichtes Auto Abtrieb hat und der Grenzbereich erreicht wurde, ist es mit der Kontrolle schlagartig vorbei“, beschreibt Ian Briggs die Zielsetzung genauer. Hierfür sorgen neben der strömungsoptimierten Karosserie und dem geschlossenen Unterboden auch ein trickreiches Flügelprofil in den vorderen Luftschächten sowie ein Doppel-Diffusor im Heckbereich. Jetzt aber endlich rein in den Mono. Hierfür muss eine Monoposto- ähnliche Einstiegschoreographie abgespeichert werden: Erst auf den Sitz stellen, dann mit den Händen auf den Seitenverkleidungen des Cockpits abstützen und die Beine dabei nach vorn in den engen Tunnel gleiten lassen.

BAC Mono bietet Formel 1-Gefühle für jedermann

Rechts und links fällt beim BAC Mono der Blick über die hochgezogenen Cockpitkanten und nach vorn auf die gewölbten Kotflügel sowie auf das nur 290 mm breite, abnehmbare Lenkrad mit 13 Knöpfen und Digitaldisplay - Formel 1-Gefühle für jedermann. Danke Ian und Neill - auf so etwas haben wir immer gewartet!

„Sitzgröße, Pedalabstand und Lenkradposition werden individuell angepasst“, fügt Design-Mann Ian hinzu. Ein Druck auf den Touch-Startbutton mit Mono-Logo auf dem Lenkrad weckt den von Cosworth mitentwickelten 2,3-Liter-Reihenvierzylinder mit speziell geschmiedeten Pleueln und Kolben. Über eine Karbon-Airbox mit Formel-ähnlichem Ansaugschnorchel holt der 284 PS starke Saugmotor tief Luft und brüllt sonor durch eine Edelstahlabgasanlage mit zentralem Endrohr.

Klack, ein Zug an der Karbon-Schaltwippe rechts, Kupplung kommen lassen, und der BAC Mono sprintet ruckfrei von der Stelle. Hier vermasselt kein giftiges Sintermetall-Biest die Show - die Kupplung von AP Racing ist alltagstauglich. Wie Gewehrsalven pfeifen die Gänge des von einem Shiftec-Rennsport-Getriebesteuergeräts angesteuerten sequenziellen Sechsganggetriebes innerhalb von nur 35 Millisekunden pneumatisch betätigt rein. Eine extra für den BAC Mono entwickelte Reifenmischung der Kumho Ecsta V70A-Pneus sorgt für ein hohes Gripniveau.

BAC Mono beschleunigt wie ein DTM-Rennwagen

Bei einem Leistungsgewicht von 1,9 kg/PS soll der BAC Mono per Launch Control so schnell wie ein aktuelles DTM-Auto von null auf 100 km/h rennen. Keine Zeit zum Nachdenken, die Beschleunigung klatscht den Hinterkopf wie einen Lattentreffer gegen die mit wasserabweisendem Spezialleder überzogene Karbon-Sitzschale. Die Werksangabe von 2,8 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h erscheint glaubhaft.

Ab in die Muckibude: Nicht nur für die Längsbeschleunigung sollte die Nackenmuskulatur trainiert werden. Auch die servofreie Lenkung und das Fahrwerk lassen ein g-Kräfte-Feuerwerk erahnen. Die über Pushrods angelenkten Federbeine bestehen aus den Sachs-Rennsportdämpfern RD 36-2 (Zug- und Druckdämpfung justierbar) sowie H & R-Federn.

Auf den ersten Testmetern reagiert der BAC Mono weitgehend neutral und ultrapräzise. Mehr verrät ein späterer Test in Hockenheim. Doch schon nach den ersten Metern mit Formel-Gefühlen steht fest: Die Konkurrenz von Ariel Atom, KTM X-Bow und Co. kann sich auch in puncto Querdynamik schon mal warm anziehen. Das Rennen um die Design-Krone hat der athletische BAC Mono ohnehin schon längst gewonnen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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