BMW 118i im Fahrbericht: Ein Kompakter, ordentlich gereift

BMW 118i, Front

Der neue BMW 1er soll sein Hinterradantriebs-Feuer bewahren, zugleich umgänglicher und geschmeidiger werden. Ob BMW das gelungen ist, klärt der Fahrbericht des 118i mit neuem Turbobenziner.

Mit dem Erwachsenwerden ist das so eine Sache. Die einen verlieren das Feuer in den Augen, stumpfen ab, saufen sich eine Wampe an. Anderen hingegen wachsen Charakterfalten, sie werden reifer, klüger, interessanter. Zu welchem Typ der neue BMW 1er gehört, klären wir in unserem Fahrbericht. Schließlich soll sich Generation zwo ja auch erwachsener präsentieren.

Keine Sorge, der BMW 1er bleibt ein Fescher, trotz des Längenwachs von neun Zentimetern. Drei davon kommen dem Radstand zugute, der Rest steckt im Vorbau, dessen Charaktergesicht sie geschickt hinbekommen haben – mit stehender Niere und feurigem Blick samt Corona-Ringen. Hinzu kommen die entschärften Flanken. Nix mehr mit Hängebauchschwein-Lästerei, der Neue wirkt straff und muskulös – und fährt auch so.

Sämige statt zickige Kraftentfaltung des BMW 118i

Beim Gangwechsel pfeift und zwitschert es schneidig aus dem Motorraum des BMW 1er – Turbobenziner eben. BMW hat die müden Vierzylinder-Sauger in Rente geschickt, an ihrer Stelle blasen jetzt 1,6-Liter-Motoren zum Angriff. Unserer nennt sich BMW 118i und leistet 170 PS. Genau so viel übrigens wie der 2002 Turbo, der 1973 als erster Deutscher mit Turbolader für Aufruhr sorgte – vor allem wegen des Schriftzugs in Spiegelschrift auf dem Frontspoiler. Selbst ohne diesen disqualifizierte er sich schnell durch seinen zickigen Charakter. Im Gegensatz zum BMW 118i, der seine Kraft überzeugend sämig entfaltet.

Dank des turbotypisch früh anliegenden Drehmoments ab rund 1.500/min lässt der BMW 118i seine Sauger-Vorgänger locker stehen. Blick auf den Motor gefällig? Dann zwei Mal am inneren Entriegler ziehen und Haube auf. Weder Extra-Hebel noch mechanischer Aufsteller bremsen den Strip. Der legt unter anderem einen optisch dominanten Turbolader frei. Es scheint, als ob er auch 300 PS aus dem zwecks optimaler Gewichtsverteilung weit hinten montierten 1,6-Liter pressen könnte. Dabei ist jener von Kurbelwelle bis Zylinderkopf auf Effizienz getrimmt. Etwa mit seinem Valvetronic-System, das strömungshemmende Drosselklappen ersetzt, sowie der zweiflutigen Ansteuerung des Laders ("Twin Scroll").

BMW 1er gibt Tipps zum Sparen

Geregelte Lichtmaschine und Start-Stopp-System sind weitere Knauser-Zutaten im BMW 1er. Nicht zu vergessen das Eco-Pro-Programm. Es lässt sich am so genannten Fahrerlebnisschalter aufrufen und konkurriert dort mit Comfort, Sport und Sport+. In Sport strafft der BMW 118i Adaptiv-Dämpfer und Lenkunterstützung sowie Gasannahme. Entspannte Naturen greifen zu "Comfort". Oder gleich zu Eco Pro. Sanfte Pedalkennlinie und reduzierte Klimatisierung helfen ebenso sparen wie Tipps im Display. Und die sind streng: Wer zu kräftig aufs Pedal tritt, wird zu einem leichteren Gasfuß animiert inklusive einstellbarer Höchstgeschwindigkeits-Mahnung.

Keine Lust, ständig einen erhobenen Zeigefinger zu sehen? Das Programm lässt sich abwählen – mit ihm allerdings auch die virtuellen Bonus-Kilometer, die sich später guten Gewissens nutzen lassen.

Im Schnitt mit und ohne Öko-Programm konsumierte der BMW 1er 9,2 Liter auf 100 km. Nicht gerade wenig für den dynamisch-ausgewogenen 1,4-Tonner. Selbst wenn die optionalen 18-Zöller des BMW 118i flauschigem Abrollen entgegenstehen, arbeitet das Options-Fahrwerk mit Adaptiv-Dämpfern (1.100 Euro) zuvorkommender als das konventionelle des Vorgängers. Kam der auf zerfurchten Pisten manchmal in Stress, bleibt der Neue auf Linie.

Auch beim Preis – der fällt stattlich aus. Zum Grundpreis von 26.750 Euro addieren sich 1.900 für die Sport Line. Zweizonenklima, Infotainment und weitere Extras kommen ebenfalls teuer. So überspringt ein nett gemachter BMW 118i deutlich die 40.000 Euro-Marke. Zuviel?

BMW 1er - einziger Kompakter, der Lenkung und Antrieb trennt

Nun, immerhin trennt der BMW 1er als einziger seiner Klasse Lenkung und Antrieb. Damit bleibt er frei von Lenkungseinflüssen, bietet zudem ein sehr transparentes Gefühl am Gasfuß beim Kurvensurfen. Ruckzuck ist man mit dem kompakten BMW verwachsen, genießt die mechanische Aktivlenkung mit unterschiedlich verzahnter Lenkstange, die um die Mittellage normal, danach direkter anspricht. Sie kommandiert den BMW 1er agil in Kurven, wo er schnell Grip aufbaut, neutral liegt, bevor das Heck zart zu drängen beginnt. So lieben es die BMW-Fans.

Doch der BMW 1er kann auch Alltag. Vorn auf Sitzen guter Körperunterstützung und Seitenhalt positioniert mit Blick auf die schicken Instrumente mit neuem Farbdisplay sowie dem 8,8-Zoll-Mittenbildschirm schaffen die zuvorkommende Klimatisierung, solide Verarbeitung und das angenehme Geräuschniveau tolle Rahmenbedingungen. Selbst die Bedienung läuft flüssig: Von der Stereoanlage über Bluetooth-Andocken, Musikstreamen bis zur App-Nutzung und Onlinesowie Internet-Funktionen.

Fond ausreichend, aber nicht großzügig

Im Fond endet die Großzügigkeit des BMW 1er, obwohl das Platzangebot für Reisen auf der Mittelstrecke genügt. Das Gepäckvolumen (360 bis 1.200 Liter) entspricht Klassenstandard, die Lehnen klappen mühelos um, nur der Einstieg, speziell nach hinten, fällt immer noch etwas schwer.

Beim Rangieren stören die C-Säulen und die kleine Heckscheibe etwas, also Klappkopfstützen und Parkpiepser ordern. Nach vorn linst der BMW 1er auf Wunsch per Kamera, die Schilder lesen, Fahrbahnmarkierungen registrieren und den vorausfahrenden Verkehr beobachten kann. Beim Spurverlassen beginnt das Lenkrad zu vibrieren, bei zu dichtem Auffahren warnt ein optisches Signal, bei Gefahr piept es dann. Bei BMW piept es jedenfalls nicht. Der BMW 1er hat es geschafft zu reifen, ohne seinen anspringenden Charakter aufzugeben.

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Jörn Thomas

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