BMW 316d Touring und Mercedes C 180 CDI T-Modell

Feine Kombis mit Basisdiesel

BMW 316d Touring, Mercedes C 180 CDI T Avantgarde, Seitenansicht

In ihrem Segment zählen BMW 3er und Mercedes C-Klasse zu den Premiummodellen. Erfüllen Sie diesen Anspruch auch als Einstiegs-Diesel? BMW 316d Touring Mercedes C 180 CDI T im Fahrbericht.

Status wahren und trotzdem sparen - unter dieser Vorgabe rücken beim Kauf eines BMW 3er Touring oder Mercedes C-Klasse T-Modells die Basisversionen in den Mittelpunkt des Interesses. Denn der Verzicht auf die nächsthöhere Leistungsstufe macht sich bei den Dieselmotoren in barer Münze bemerkbar: Beim neuen Mercedes C 180 CDI mit 120 PS beträgt der Minderpreis gegenüber dem 136 PS starken C 200 CDI stolze 1.785 Euro, bei BMW leistet der 316d 115 PS und kostet gar 1.850 Euro weniger als der 318d mit 143 PS. Von echten Schnäppchen sind die beiden Mittelklasse-Kombis trotzdem weit entfernt - der BMW 316d steht mit 31.350 Euro in der Preisliste, Mercedes ruft gar 34.480 Euro für den C 180 CDI auf.

Mercedes C-Klasse mit vielen Assistenzsystemen

Das Aufgeld für den Mercedes schrumpft auf gut 500 Euro, wenn der BMW 3er mit Klimaautomatik, USB-Anschluss, Dachreling, Regensensor, teilelektrisch verstellbaren Sitzen und Alurädern das Serienniveau der Mercedes C-Klasse bieten soll. Auch bei der Zusatzausstattung hat der Mercedes die Nase vorn, obwohl beide Marken für ihre seitenlangen Listen mit zahllosen Extras bekannt sind. Doch unter dem Stichwort "Fahrerassistenzsysteme" wartet nur die im Frühjahr kräftig überarbeitete Mercedes C-Klasse mit der ganzen Bandbreite an derzeit bekannten Hilfen auf, die der BMW 3er erst mit der nächsten Generation ab 2012 bekommt. Bis dahin muss das aktuelle Modell die Stellung halten, und das tut es noch erstaunlich gut.

Im Cockpit wirkt lediglich das schlichte, einfarbige Bordcomputer-Display zwischen den gut ablesbaren Instrumenten im Vergleich zur Mercedes C-Klasse etwas altmodisch, bei der die Infos mehrfarbig dargestellt werden. Verarbeitungs- und Materialqualität entsprechen dem Anspruch der Preisklasse, alles fühlt sich stabil an und funktioniert präzise - egal, ob es sich dabei um den Dreh-Drück-Steller der i-Drive-Bedienung, die einzeln, komplett flach umlegbaren Rücksitzlehnen oder das solide Abdeckrollo des bis in die Ecken sauber ausgekleideten Ladeabteils handelt.

BMW 3er und Mercedes C-Klasse mit markentypischen Fahrgefühl

Die Mercedes C-Klasse kann das alles genauso gut, seit der Überarbeitung legt sie in manchen Punkten noch mehr Wert auf ein hochwertiges Ambiente. Obwohl auch das T-Modell kein Raumwunder ist, fallen Zuladung (537 statt 502 Kilo) und Ladevolumen (485 bis 1.500 statt 460 bis1.385 Liter) ein wenig großzügiger aus. Die Passagiere finden in beiden ein ähnliches Platzangebot vor - nicht üppig, aber für vier Erwachsene ausreichend. Trotzdem entsteht nie der Eindruck, beide Autos wären austauschbar. Ganz im Gegenteil: BMW 3er und Mercedes C-Klasse entfalten das jeweils typische Fahrgefühl ihrer Marken - BMW sportlich-agil, Mercedes souverän-komfortabel -, geben sich jedoch auch in der Paradedisziplin des Konkurrenten keine Blöße.

Selbst eingefleischte Mercedes-Verfechter müssen feststellen, dass auch der BMW 3er erstaunlich komfortabel federt. Der Weg muss schon über übel geflickte Nebenstraßen dritter Ordnung führen, damit die Insassen spürbar mehr von den Fahrbahnunebenheiten mitbekommen, ohne jedoch mit derben Stößen traktiert zu werden. Seine Qualitäten als Fahrerauto unterstreicht der BMW 3er mit einer perfekten Position auf den körpergerecht geschnittenen Sportsitzen (630 Euro) und einer feinfühlig-direkten Lenkung, mit der sich der Touring geradezu intuitiv kontrollieren lässt.

BMW 3er verlangt nach hohen Drehzahlen

Nur der Motor des BMW 316d passt nicht so recht in dieses dynamische Gesamtpaket. Der Zweiliter macht seine Sache zwar ordentlich, aber weder Laufkultur noch Leistungsentfaltung können begeistern. Im Vergleich zum Mercedes C 180 CDI, dessen Bezeichnung den wahren Hubraum (2.143 cm³) ebenfalls verschleiert, muss der Fahrer häufiger zurückschalten und hohe Drehzahlen bemühen. Im Mercedes macht sich weniger die geringe Mehrleistung (120 statt 115 PS), sondern vielmehr das höhere und früher anliegende Drehmoment (300 Nm bei 1.400 U/min statt 260 Nm bei 1.750 U/min) bemerkbar. Damit erreicht die C-Klasse deutlich bessere Elastizitätswerte, die den souveränen Reisekomfort auf langen Autobahnetappen untermauern - zusammen mit dem niedrigen Geräuschniveau, wenngleich auch der Mercedes-Vierzylinder kein Flüsterdiesel ist.

Unterschiede im Handling treten wiederum nur im direkten Vergleich zu Tage. In der Mercedes C-Klasse muss sich der Fahrer subjektiv mit einer höheren Sitzposition begnügen. Schaltung und Lenkung verzichten auf höchste Direktheit, was die Agilität kaum beeinträchtigt, aber das Gefühl verstärkt, einen schweren Wagen zu bewegen - und das wird von der Mercedes-Klientel durchaus geschätzt. Tatsächlich bringt der Testwagen rund 100 Kilo mehr auf die Waage als der BMW 3er, der sich in der Endabrechnung der C-Klasse geschlagen geben muss, beim Sparen aber die Nase vorne hat.

Beim Verbrauch bewegen sich beide fast auf einem Niveau

Start-Stopp-Technik setzen beide ein, doch beim CO2-Ausstoß im Normzyklus bleibt nur der geringfügig länger übersetzte BMW 316d knapp unter der Grenze von 120 g/km. Im Alltag bewegen sich beide auf einem höheren Niveau, wahren aber die geringe Differenz (6,6 zu 6,9 L/100 km). Die Unterhaltskosten sprechen ebenfalls für den BMW, zumal er dank baldiger Ablösung mit Nachlässen von bis zu 20 Prozent zu haben ist.  Und falls sie neugierigen Nachbarn den Griff zur Einstiegs-version verheimlichen wollen - beide Kombis gibt es auch ohne Modellbezeichnung. Ohne Mehrpreis.

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Peter Wolkenstein

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