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Brabus E4WD Full Electric im Fahrbericht

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Brabus E4WD Full Electric, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 13 Bilder

Für den Brabus E4WD Full Electric räumt der Mercedes-Tuner den gesamten Antrieb aus einem E-Klasse T-Modell und füllt den gewonnenen Raum mit Batterien. Dennoch ist der Kombi alles andere als schwerfällig. Vier Radnabenmotoren treiben ihn jetzt an.

06.12.2011 Marcus Peters

Von einem startenden Brabus würde man viel erwarten. Etwa, dass er einen Burnout zelebriert oder zumindest inbrünstig röhrend losstaubt. Nicht aber, dass er sich lautlos in Bewegung setzt. Doch dieses E-Klasse T-Modell des Bottroper Tuners namens Brabus E4WD Full Electric wäre die automobilgewordene Unauffälligkeit, wenn es nicht auf leuchtend-weißem Lack marktschreierisch beklebt wäre. Eine Art akustischer Tarnkappen-Kombi - elektrisch angetrieben und damit ein Beispiel dafür, dass sich Tuner nicht mehr nur mit tiefer, breiter und schneller beschäftigen, sondern auch mit der mittelfristigen Antriebs-Zukunft.

Dass die erste rein elektrisch fahrende E-Klasse als E4WD Full Electric von Brabus kommt, der Muckibude für Mercedes-Motoren schlechthin, verwundert nur auf den ersten Blick. Der Unternehmensbereich Brabus Zero Emission widmete sich bereits dem Tesla Roadster und setzte einen Smart unter Strom. Jetzt verliert ein Kombi der oberen Mittelklasse seinen kompletten Antriebsstrang, und die Techniker bauen stattdessen vier Radnabenmotoren samt Akkus und Steuerungs-Elektronik ein. Nun emittiert der Brabus E 4WD Full Electric lokal kein Gramm CO2 - und fährt sich trotzdem nicht wie ein Sparmobil.

Brabus E4WD mit Turbomotor-Charakter

Im Gegenteil: Die Leistungsentfaltung ähnelt der eines Turbomotors, hat nichts von dem stationären E-Charakter mit einem beim Anrollen als beeindruckend, anschließend als leblos empfundenen Drehmoment-Plateau. Die Radnabenmotoren des englischen Herstellers Protean Electric setzen ihre Leistung für den Brabus E4WD Full Electric in Etappen frei. So nimmt der Schub-Eindruck mit steigender Geschwindigkeit zu. Der erste Peak setzt bei etwa Tempo 80 ein, weitere dann in 20-km/h-Schritten - bis Autobahn-Richtgeschwindigkeit erreicht ist. Als hätte der Elektromotor einen Turbolader zur Unterstützung.

Wer etwa bei 60 km/h aufs Potenziometer - landläufig Gaspedal - tritt, spurtet in etwa so schnell auf Tempo 120 wie in einem Mercedes E 500. Den Standardsprint Nullhundert schafft der Brabus E4WD Full Electric in weniger als sieben Sekunden. Weil der Brabus E4WD Full Electric ohne Getriebe auskommt, ergibt sich seine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h aus der maximalen Drehzahl der Elektromotoren von 2.000/min. Für einen derart potenten Kombi muss sich also selbst ein Tuner nicht schämen.

Klar, dass bei vollem Strom-Einsatz die theoretische Reichweite des Brabus E4WD Full Electric von bis zu 350 Kilometern schnell in sich zusammensinkt; nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) sind es immerhin noch 240 Kilometer. Wer vor allem Langstrecken herunterspulen möchte, wechselt in den Eco-Modus, verfügt dann über 200 statt 320 kW Dauerleistung und schont die Reserven des 56-Kilowattstunden-Packs.

Prototyp wirkt äußerst ausgereift

Der Akku ldes Brabus E4WD Full Electric ässt sich entweder innerhalb von 19 Stunden am 230-Volt-Netz aufladen - oder ist nach eineinhalb Stunden wieder voll einsatzfähig, sofern durch 380 Volt Gleichstrom gespeist. Außerdem rekuperieren die Motoren beim Bremsen. Bei der ersten Ausfahrt von auto motor und sport steht naturgemäß das Cruisen im Brabus E4WD Full Electric nicht im Vordergrund - zu hoch ist der Spaßfaktor bei Zwischenspurts. Diese erledigt der Prototyp allerdings fast schon so unauffällig wie ein Serienfahrzeug, nervt nicht mit dem für E-Autos typischen Straßenbahn-Summen. Bei niedrigem Tempo hört man nur die Wasserpumpen des Kühlsystems, später das Abrollgeräusch der Reifen und den Fahrtwind.

Erstaunlich ist auch das Ansprechverhalten des Fahrwerks. Schließlich erhöhen sich die ungefederten Massen bei vier jeweils 31 Kilogramm schweren Motoreinheiten beträchtlich. Doch obwohl beim Brabus E4WD Full Electric aus Zeitgründen ohne weitere Feinabstimmung Federn und Dämpfer aus dem E-Klasse-Programm des Tuners zum Einsatz kommen, bietet der große Kombi einen erstaunlich guten Komfort, wobei ihm sicherlich sein Gewicht von 2,3 Tonnen zupass kommt. Theoretisch zu erwartende quer-dynamische Schwächen stören bei der ersten Ausfahrt im Brabus E4WD Full Electric praktisch nicht.

Schon im jetzigen Stadium wirkt der Brabus E4WD Full Electric so ausgereift, dass man sich ernsthaft fragt, warum noch keiner der Großserien-Hersteller eine derartige Ökovariante im Programm hat. Bisher gab es nur Absichtserklärungen in diese Richtung. Ulrich Gauffrés, Geschäftsführer des Bereichs Technik, will zumindest gewappnet sein, wenn ein Serienprodukt auf den Markt kommt und sieht den Brabus E4WD Full Electric als Übungsfeld - aber nicht nur. Sogar eine Kleinserie ist für ihn vorstellbar, sollten die Kosten für die Akkus weiter sinken. Billig wäre die Elektro-E-Klasse zwar nicht. Aber das würde man von einem Brabus ohnehin nicht erwarten.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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