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Brabus G V12 S im Fahrbericht

Mercedes G-Modell mit 700 PS

Brabus G V12 S Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Gewaltige 700 PS und 1.100 Newtonmeter Drehmoment in einem über 2,5 Tonnen schweren Mercedes Brabus G-Modell für 450.000 Euro. Wirtschaftskrise? Welche Wirtschaftskrise?

11.05.2009 Sebastian Renz

Vielleicht hätte dem Mercedes Brabus G V12 S mal jemand sagen sollen, dass die Party vorbei ist. Jetzt, da selbst der gewöhnliche russische Durchschnittsoligarch seine letzten paar Milliärdchen eisern zusammenhält, erinnert der G als Relikt daran, wie es so war - damals, als Aktien noch Wertpapiere waren und Banken noch Geld hatten, es sogar verliehen, wenn man welches brauchte. Und jetzt steht er da, der Brabus G V12 S, und guckt grimmig in eine Welt, in die er so gar nicht mehr zu passen scheint - mit der Leistung eines Formel 1-Rennwagens, dem Gewicht von drei Smart Fortwo, dem Preis einer kleinen Villa und einem CO2-Ausstoß, der sich statt in Gramm leichter in Pfund pro Kilometer bemessen lässt.

Der Fortschritt hat das Mercedes G-Modell etwas überfallen. Mit 30, in einem Alter, in dem andere Autos das 20. Jubiläum ihrer Einstellung begehen, muss er sich noch Dinge wie LED-Tagfahrleuchten, DVD-Player und 700 PS aneignen. Das klingt wie ein Komplott gegen den Methusalem des Mercedes-Programms. 1979, bei seiner Premiere, hatte er in der schwächsten Verson als 240 GD gerade mal 72 PS und bewegte sich doch – mit bis zu 117 km/h. Den Käufern eines der bisher fünf existierenden G V12 S genügen aber weder die 507 PS, die der Mercedes G 55 AMG als derzeit stärkstes Serienmodell leistet, noch die 610 PS des seit 2004 von den Bottropern angebotenen G V12. Deswegen die S-Version, bei der die Brabus-Burschen dem G den Motor des Brabus Bullit unter die platte, trapezförmige Haube packen. Als Basis dient der nicht gerade für Trägheit bekannte 5,5-Liter-V12-Biturbo aus dem Mercedes S 600 .

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Impression Brabus G V12 S
auto motor und sport 10/2009
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Bis zu 1.320 Newtonmeter wären möglich

Durch eine neue Kurbelwelle mit mehr Hub sowie größeren Kolben und Zylinderbohrungen steigt das Volumen des Mercedes auf 6,3 Liter. Um die Strömungsverluste zu verringern, führt von jedem Zylinder ein eigener Kanal zu einem der beiden vergrößerten Turbolader. Die plustern den Motor mit ihren 1,3 bar Ladedruck auf die besagten 700 PS auf. Dazu modelliert sich der Motor ein Drehmomentgebirge, dessen Gipfelkreuz auf einem Hochplateau bei 1.100 Newtonmeter über Null steht – von der Elektronik gar um 220 Nm gekappt, um Schaden vom Antrieb abzuwenden. Teile aus dem gepanzerten G stärken das Fahrwerk. Es hängt an einem Stahlrahmen, der als Brücke ganze Autobahnen über Täler tragen könnte. Den Innenraum des Mercedes verkleiden wildes und glattes Leder, nur einige Kreuzschlitzschrauben zeugen vom pragmatischen Ursprung.

Dabei kokettiert der G mit ihm und seinem Alter, brüstet sich, dass er mehr Differenzialsperren (drei) als Airbags (zwei) hat, pflegt dazu seine Erscheinung: Sie weist noch immer die formale Eleganz eines Nachtspeicherofens auf – eines mit Sidepipes getunten allerdings. Kurzer Schlüsseldreh, und das Wummern des V12 brodelt aus den vier Endrohren des Mercedes unter den Trittbrettern.

700 PS überfordern sogar den Allradantrieb des Mercedes

Der Wählhebel der Fünfgangautomatik rattert durch die Kulisse auf D. Fuß aufs Gaspedal legen. Ein leichtes Krümmen des kleinen Zehs genügt, um einen neuen Golf GTI zu demütigen. Klatscht der Fahrer das Gaspedal des Mercedes auf den Bodenteppich, steht die Welt den Bruchteil einer Sekunde still. Es fühlt sich an wie in Zeitlupe, bis das Getriebe sich ein, zwei Gänge zurücksortiert hat, die Turbolader Atem holen und das Brüllen beginnt.

Der V12 S drischt voran wie ein Fußball beim Elfmeter – mit den Passagieren innendrin. Beim Überholen empfiehlt es sich, erst auszuscheren, dann zu beschleunigen. Sonst schafft man es womöglich nicht, den G rechtzeitig auf die freie Spur zu wuchten. Bei deaktiviertem ESP überfordert die Leistung selbst den an sich unbezwingbaren Allradantrieb des Mercedes. Es kommt zu Schlupf – eine ganz neue Erfahrung für den G – und zu starken Antriebseinflüssen in der sonst so gefühlskalten und rückstellmomentarmen Lenkung.

Auf Geraden schiebt der V12 S des Mercedes mit der Wucht und Entschlossenheit eines Erdrutsches voran, lässt sich allerdings auch nur ähnlich schwer zu einem Richtungswechsel umstimmen. Kurven beherrscht der G eher nicht, die Elektronik bremst ihn so weit ein, dass er kaum schneller ist als ein 240 GD. Das Fahrverhalten fühlt sich trotz Sportfahrwerks und breiten Rädern wegen der hohen Sitzposition leicht schunkelig an.

Am Ende steht der Mercedes Brabus G V12 S im kühlen Wald, die Hitze des Triebwerks flirrt über seiner Motorhaube. Und er guckt wieder grimmig in die Welt. Vielleicht will uns der scheinbar so Unzeitgemäße mit seinen 700 PS, 1.100 Nm und 489 g CO2/km damit ja etwas sagen: Dass die Party, solange es ihn gibt, so vorbei nicht sein kann.

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