Bugatti Veyron Super Sport: Fahreindrücke aus einer anderen Welt

Bugatti Veyron 16.4 Super Sport

Der rundum dynamisierte Bugatti Veyron konzentriert Tempo und Komfort unter Mithilfe eines turboberauschenden 1.200-PS-Sechzehnzylinders.

Im Juli noch auf Weltrekordfahrt, jetzt im Fahrbericht.

Wir stehen irgendwo im spanischen Hinterland, als ein leises Lachen erklingt. Von ganz oben, dort wo Ettore Bugatti auf seiner Wolke thront, während unter ihm der Bugatti Veyron 16.4 Super Sport warmläuft. Endlich, mag der Firmengründer denken, endlich haben sie dem Bugatti Veyron mal richtig Leistung gegeben.

Bugatti Veyron 16.4 Super Sports hält Geschwindigkeit-Weltrekord

Bisher 1.001 PS stark, liefert die Sportvariante 1.200 ab, ganz abgesehen von 1.500 Newtonmeter Drehmoment. Größere Turbos und Ladeluftkühler, optimierte Atmung und Aerodynamik unterscheidet den Bugatti Veyron Super Sport vom normalen Veyron. Das hätte dem Patron gefallen, schließlich gab er der Welt der dreißiger Jahre unter anderem den Royale, eine Limousine mit 12,7-Liter-Achtzylinder-Reihenmotor. Auf die Frage, wie schnell der Wagen sei, pflegte Bugatti zu bemerken: im zweiten Gang 150, im dritten so schnell Sie wollen.

Womit wir zum Bugatti Veyron Super Sport überleiten. Auch er ist jederzeit in der Lage, so schnell zu fahren, wie sein Pilot es möchte. Werksfahrer Pierre-Henri Raphanel bewies dies im Juli auf dem VW-Oval in Ehra-Lessien mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 431 km/h - Weltrekord für Serienautos.

Mindestens 40 Exemplare sollen gebaut werden

Jawohl, Serienautos, denn 40 Exemplare des Bugatti Veyron Super Sport möchten sie in der Manufaktur im elsässischen Molsheim schon bauen. Und die Nummer mit dem Rekord dürfte auch einem anderen Patron gut gefallen haben: VW-Konzernlenker Ferdinand Piëch. Er kommentierte die Rückwärtsüberschläge der Le Mans-Konkurrenz 1999, man selbst habe das diskret in Ehra getestet, wobei nicht die besten Fahrer an Bord des Bugatti Veyron Super Sport gewesen seien - was man Raphanel wohl verschwiegen haben dürfte. Egal, vor uns und dem bei 415 km/h abgeregelten Bugatti Veyron liegt keine kurvenüberhöhte Asphaltschleife, sondern eine spanische Landstraße. Der Schlüssel zum Freischalten der Höchstgeschwindigkeit bleibt im Fahrbericht  in der Tasche.

Die 200 km/h-Marke fällt nach 6,7 Sekunden

Tränen darüber verschwinden nach dem Losfahren jedoch schlagartig unter dicken Jubelbächen. Selbst Kühne, die schon mal bei einem Superbike-Motorrad den Gasgriffanschlag gespürt haben, glucksen irre, wenn der 1,8 Tonnen schwere Bugatti Veyron Super Sport Sekundenbruchteile nach dem Pedalbefehl den Horizont frisst. Ob der Start gesessen hat, würde ein Gummi-Autogramm zeigen: Sind die vier schwarzen Striche um 25 Meter lang, hat alles gepasst.

Die 200er-Marke fällt im Bugatti Veyron Super Sport nach 6,7 Sekunden, Tempo 300 knapp acht Sekunden später. Jetzt würde Ettore endgültig lachen. Als er wegen der Wirtschaftskrise auf seinen Achtzylindern sitzen blieb, steckte er sie kurzerhand in Eisenbahn-Triebwagen, mit denen Sohn Jean direkt einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Auch der bis zu vier Tonnen Luft pro Stunde atmende, beim Gaswegnehmen lüstern mit den Abblasventilen seiner Turbos zischelnde W16 fühlt sich im Fahrbericht an, als ob mit ihm die ICE endlich pünktlich kämen.

Bugatti Veyron mit nochmals steiferen Carbon-Monocoque

Vier Tonnen Luft würden uns für einen Monat reichen. Es sei denn, der Atem stockt. Wie auf einem unbeobachteten Straßenstück. Pedal am Boden, die Lader rauschen unter Volllast, als wollten sie ein Weltweit-Vakuum erzeugen, das Doppelkupplungsgetriebe schiebt die Gänge nach, und das Achtliter-Vieh zeigt, wie egal ihm die verordnete Übersetzung ist. Hinter der kilometerlangen Geraden tauchen ruckzuck ein paar flüssige Wechselkurven auf, die eine Ahnung von 1,4 g Querbeschleunigung geben und PR betreiben für die straffere Abstimmung von Federn und Stabis sowie die neuen Sachs-Dämpfer des per Allradantrieb traktionsgesicherten Bugatti Veyron mit seinem nochmals steiferen Carbon-Monocoque.

Lenkung reagiert selbst bei hohem Tempo mit limousiniger Abgeklärtheit

In diesem penibel ausbalancierten Umfeld, das selbst den Anstellwinkel des Heckflügels gradgenau einpegelt, kann die Lenkung des Bugatti Veyron im Fahrbericht selbst bei Supersport-Tempi mit limousiniger Abgeklärtheit reagieren, während die Insassen schon zur Pressatmung wechseln. Lust bekommen? Dann flugs die Anzahlung jenseits einer halben Million und Geduld bis zum kommenden Herbst mitbringen. Wobei sich der typische Super Sport-Interessent die Wartezeit mit dem bereits vorhandenen Bugatti Veyron vertreiben kann.

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Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 23 / 2010

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