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Buick Century Regal 5.7

Telly-Vision

Foto: Hardy Mutschler 14 Bilder

Wenn Telly Savalas als TV-Lieutenant Theo Kojak vom 13. New Yorker Polizeirevier zum „Einsatz in Manhattan“ gerufen wird, Verbrecher jagt und junge Damen rettet, dann nur mit Lolli. Und Buick Regal.

29.05.2008 Sebastian Renz Powered by

Erst alles vermasseln und dann noch eine blöde Ausrede an ihn hinquatschen – das mag Theo Kojak, Lieutenant vom 13. New Yorker Polizeirevier in Manhattan Süd, besonders gern. Da hat Detective Ben Braddock gerade drei Mal auf den Boden geschossen statt auf den Gangster, der seinen Partner umgelegt hat. Und dann jammert er vor Kojak herum: „Aber Theo, es war doch stockdun...“ „Jaja, ich weiß“, bellt Kojak, „es war ja so stockdunkel. Na fein, dann würd‘ ich mir doch beim nächsten Einsatz ´ne Stehlampe mitnehmen.“ In Kojaks Einsätzen in Manhattan wird nicht gekuschelt. Bei Jonathan und Jennifer Hart in „Hart aber Herzlich“ mag eine Leiche eine fesche Abwechslung zwischen Lunch und der nächsten Cocktailparty sein, für Kojak ist es tödlich ernster Alltag.
 
Hey Baby – hier der Buick Century Regal 5.7
 
Manchmal schafft er es, jemanden vor dem Tod zu retten, aber niemals vor dem Leben. „Kojak – Einsatz in Manhattan“ spielt in den düsteren Jahren 1973 bis 1978 und zeigt eine zerbröckelnde amerikanische Gesellschaft – zwischen den Luxusappartements korrupter Millionäre und den heruntergekommenen Wohnblocks der Kleinkriminellen, Dealer, Nutten und all den anderen, die nie eine ehrliche Chance bekommen. Und die deswegen eine unehrliche nutzen, wenn sich wenigstens die bietet. Wenn sie Pech haben, endet diese Chance damit, dass sie tot in einer düsteren Seitenstraße von Manhattan liegen. Wenn sie Glück haben, landen sie wie die kleine Tamy in Kojaks widerlich lindgrün gestrichenem Büro. Da steht er dann vor ihr: Kojak. Glatzköpfig. Stiernackig. In einem italienischen Anzug. Er spricht Sätze wie „Hey Baby, du landest auf dem Müll. Dafür sorge ich.“ Damit sie ihn für einen Menschenhasser hält.

Diese Century-Serie, in dieser Form von 1973 bis 1977 gebaut
 
Dabei sagt er das nur, damit er nicht am nächsten Morgen aus seinem Büro hetzen muss. Den Mantel unter dem Arm, den Lolli im Mund und den Hut in der Hand brüllt er nach den Detectives Crocker, Stavros, Saperstein und Rizzo. Schwingt sich in seinen Buick Regal und rast in eine düstere Seitenstraße. Um sich die Leiche der kleinen Tamy anzuschauen, die gestern in Kojaks Büro die Zähne nicht auseinanderbekommen hatte – weil sie dachte, dann könne ihr da draußen nichts passieren. Wenn Kojak den Buick durch die Straßenschluchten Manhattans jagt, sind das die wenigen Momente, in denen der Lieutenant mal für sich alleine ist. Er hat sonst keinen Rückzugsraum. Nur im Pilotfilm „Der Mordfall Marcus-Nelson“ sieht man Kojak privat. Da techtelmechtelt er sogar im gestreiften Bademantel mit einer Krankenschwester auf dem Sofa herum. Später kommen andere Frauen und andere Sofas, mitunter auch mal ein anderer Bademantel – aber nichts Bleibendes. Stattdessen lebt Kojak ständig unter Starkstrom im menschenwuselnden 13. Revier.
 
Nur im Auto wagt er, mal etwas entspannter dreinzuschauen. Der Lieutenant fährt Regal, das Topmodell von Buicks Century-Serie, in dieser Form von 1973 bis 1977 gebaut und jedes Jahr ein bisschen modellgepflegt. In den fünf Jahren, in denen Kojak in Manhattan aufräumt, hat er zwei Regal, einen grünen und einen braunen. Vielleicht mag er den Wagen, weil seine Linie zu ihm passt. Links und rechts an den Regal-Flanken sitzen die charakteristischen Bügelfalten – so streng gefalzt wie die an Kojaks Maßanzügen. Die GM-Innenarchitekten haben es nicht ganz so feinsinnig hinbekommen. Ein bisschen puffig schaut es drinnen schon aus, mit rotem Plüsch auf den durchgehenden Sitzbänken, weinrotem Cockpit und Plastik, das mit seiner Rolle als Holzimitat doch sehr überfordert wirkt. In der vorderen Couch versinkt der Hintern fast bis auf den Grund des Schaumstoffkerns.

Er entlockt seinen 5,7 Litern Hubraum nur 165 PS
 
Der Sicherheitsgurt baumelt nicht an der dürren B-Säule, sondern seilt sich vom Dachhimmel ab. Wobei der Gurt bei Kojak ohnehin anstellen kann, was er will – Theo Kojak käme nie auf die Idee, sich anzuschnallen. Der Anlasser krächzt den V8-Klops wach. Er startet mit Wumms, sucht kurz nach einer bequemen Leerlaufdrehzahl, auf der er dann etwas desinteressiert herumblubbert. Der Lenkradwählhebel hakelt sich von P nach D hinunter. Als der Fuß die Bremse freigibt, kriecht der Buick wandlerschlupfend los. Etwas mehr Gas, und der Small-Block trommelfeuert aus dem Auspuff. Doch das Klangerlebnis übersteigt die Intensität der Beschleunigung ganz erheblich. Denn der Achtzylinder entlockt seinen 5,7 Litern Hubraum nur 165 PS. Er lebt vom frühen Drehmoment, und damit zeigt der Regal einen ganz anderen Charakter als Kojak. Der Lieutenant ist ja eher nicht so der Niedertourige. Viel entspannter als im Buick Regal kann Auto fahren eigentlich nicht passieren.
 
Hat sich die Automatik erst mal sanft in den höchsten ihrer drei Gänge geruckt, strömt der Regal so unerschütterlich über die Straße wie der Hudson River, wenn er zwischen Manhattan und New Jersey in den Atlantik mündet. Der Regal hat auch etwa den Platzbedarf eines Flusses. Denn ein sehr stattliches Auto ist er schon, auch wenn er nur zur Midsize-Baureihe gehört. Immerhin könnte Kojak im geräumigen Buick nicht nur Crocker, Stavros, Saperstein und Rizzo mitnehmen, sondern dazu noch seinen früheren Streifenpartner und jetzigen Boss, Captain Frank McNeil. Der Regal empfängt sechs Passagiere aber nicht nur mit viel Platz und Plüsch, sondern auch mit verweichlichtem Fahrkomfort. Zwar poltert das Fahrwerk so ungeniert über Bodenunebenheiten wie Kojak durch die Wohnungen von Drogendealern.

Auch diese Limousine darf träge sein
 
Doch das Meiste verpufft in den weichen Sitzen. Dem Fahrer gibt die wogige Abstimmung dagegen gleich zu verstehen, dass dem Regal hetziges Fahren nicht so liegt. Aber da hat er bei Kojak eben Pech gehabt, der Buick. Der Lieutenant fährt durch die Stadt, die niemals schläft, eigentlich immer mit flackerndem Rotlicht auf dem Dach, mit heulender Sirene und quietschenden Reifen. Es ist kein schöner Job, mit dem Regal dermaßen über die Straßen Manhattans zu bratschen, aber einer muss ihn ja machen. Wer unter undramatischeren Umständen auf den Buick trifft, den stört die Trägheit der Limousine nicht. Der Regal lenkt ohne jede Eile oder Ambition ein, schunkelt sich gesellig um die Kurve, mischt in sein an sich neutrales Fahrverhalten mal ein bisschen Über-, mal ein wenig Untersteuern. Besonders gern schnüffelt er Spurrillen hinterher oder lässt sich von Bodenwellen ablenken. Man kann versuchen, das Ganze mit ein bisschen Gekurbele am dünnen Zweispeichenlenkrad nach eigenen Wünschen zu beeinflussen.
 
Aber das Steuer dreht sich wegen der horrenden Servo-Einmischung ohnehin schon, wenn man auf die linke oder rechte Speiche pustet. Da schadet es also nicht, dass die Lenkung so besonders indirekt und tranig reagiert. Die Bremsen: Na gut, normalerweise machen die anderen Kojak ja Platz, wenn er von hinten angejault kommt. Und auch mit den roten Ampeln muss er es nicht so genau nehmen, dann passt das schon. Schließlich weiß man sich ja auch wohl aufgehoben im Buick. Die massiven Türen müssen zwar mit Wucht ins Schloss gedonnert werden, und obwohl die Qualität der Verarbeitung nicht das Urteil lebenslänglich verdient, fühlt sich der Regal im Grunde seines Kastenrahmens doch beinahe unverwüstlich an. Lieutenant Theo Kojak, der in all den Jahren nicht befördert wird, schenkt seinem Wagen nie besondere Beachtung. Selbst wenn es – wie fast immer – regnet oder schneit, fährt er mit offenen Fenstern. So stroboskopen New Yorks Lichter noch wilder durch den Innenraum. Es ist die Stadt die Kojak liebt, genauso wie seinen Job und die Menschen – auch wenn er es nie zugeben würde. Entzückend, der Lieutenant Kojak – ein Schatz in Manhattan.

Technische Daten
Buick Century Regal 5.7
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5425 x 2000 x 1360 mm
Hubraum / Motor5724 cm³ / 8-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit179 km/h
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