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Chevrolet K5 Blazer

Der Asphalt-Indianer

Chevrolet Blazer Cheyenne Foto: Mutschler, Hardy 11 Bilder

Er schleicht sich leise heran, ist wendig wie eine Katze, zieht wie ein Ochse und fürchtet weder Hitze noch Kälte. Der Chevrolet Blazer ist ein Offroad Klassiker der ersten Stunde. Seine Cheyenne genannte Luxusversion macht auch in der City eine gute Figur und bietet Platz für mehrere Squaws.

02.05.2007 Franz-Peter Hudek Powered by

Falls Ihnen ein Cayenne zu langweilig, zu ungemütlich und zu unhandlich erscheint – wie wäre es mit einem Cheyenne? Der Name klingt zwar fast gleich, doch liegen Welten zwischen dem SUV von Porsche und dem Geländewagen-Klassiker von Chevrolet, dessen Luxusversion den Namen des berüchtigten Indianerstammes trägt.
 
Cheyenne statt Cayenne
 
Die kampferprobten Cheyenne hassten die Apachen und unseren Winnetou sogar noch mehr als die Bleichgesichter aus dem Osten. Dieser Cheyenne von 1978 in seiner wunderbaren, seriemäßigen blauweißen Zweifarben-Lackierung ist jedoch ein absolut friedlicher, ja sogar sanfter Typ. Er lässt sich trotz zwei Meter Breite und gut zwei Tonnen Gewicht mit der Leichtigkeit und Präzision eines Golfcar bewegen. Dabei kommt der Chevy im Gegensatz zum Nürburgring-tauglichen Cayenne ganz ohne Niveau-Ausgleich, ESP, nervende Abstandspiepser und andere Elektronik-Gimmicks aus. Der Blazer ersetzt die computergesteuerte Brachialtechnik durch simple Logik und viel Gefühl – hier der Robocop von Porsche, dort der Yogi-Bär von Chevrolet. Das fängt schon mit der kantigen Karosserie an, die sich von 1969 bis 1994, so lange gab es den großen Blazer, nur in einigen Details unterschieden hat. Seine Grundform mit der völlig waagrecht verlaufenden Motorhaube, die beinahe die halbe Wagenlänge ausmacht und den breiten Chevy sehr kurz, fast schon quadratisch erscheinen lässt, ähnelt eher einer Kinderzeichnung als einem professionellen Design-Entwurf.

Immerhin gab es alle paar Jahre anders angeordnete Frontscheinwerfer.Wesentlich mehr verändert wurde hingegen das Dach. Es war bis 1976 ein abnehmbares Hardtop, das nur die Windschutzscheibe und dessen Rahmen stehen ließ, sodass man bei schönem Wetter in einem Pick-up-Cabrio fuhr. Von 1976 bis 1991 war nur noch der hintere Teil des Kunststoff-Hardtops abnehmbar. Die so genannte Half Cab-Variante wich 1992 einem festen Dach.
 
Grandiose Übersicht und tolles Raumgefühl

 
Dieser insgesamt deutlich rundlicher gestaltete Blazer der letzten Generation hieß ab 1995 Tahoe, bis GM 1999 die Produktion des kompakten, zweitürigen Fullsize-SUV einstellte, den riesigen Viertürer bis heute jedoch als Tahoe weiter baut. Und das ist sehr schade. Denn der nur 4,7 Meter lange, jedoch zwei Meter breite und 1,8 Meter hohe zweitürige Blazer ist ein Juwel an Überschaubarkeit, Handlichkeit und Belastbarkeit – maximal  550  Kilogramm.Der Fahrer sitzt auf einem bequemen, sportlich anmutenden, manuell einstellbaren Sessel mit integrierter Kopfstütze. Der breite Innenraum, die schlanken A-Säulen und die hohen, nahezu senkrecht stehenden Fensterflächen einschließlich Windschutzscheibe ergeben ein Raumgefühl wie in einem rollenden Aquarium.Die Rundumsicht aus dem etwa ein Meter über der Fahrbahn schwebenden Fahrersessel ist im Vergleich zu modernen, aerodynamisch rundgeschliffenen SUV einfach umwerfend. Am besten ist der verliebte Blick auf das eigene Auto: Die Motorhaube breitet sich vor der Windschutzscheibe wie das frisch gemachte Doppelbett eines Ramada-Motels aus.

Ihr vorderes Ende ist perfekt zu erkennen, sodass sich der Blazer millimetergenau manövrieren lässt. Als Begrenzungsmarke nach hinten dient die gut einsehbare Unterkante der  Heckscheibe. Könner am Blazer-Volant bugsieren den Zweitonner mit einer Zielsicherheit an Parkschein-Automaten heran, die Smart-Fahrerinnen vor Neid erblassen lässt. Dafür sorgt auch die typisch amerikanische Antriebstechnik: ein relativ kleiner Wendekreis von 13 Meter, der je nach Gasfußimpuls sanft oder kraftvoll agierende V8-Benziner, die komfortable Dreigang-Automatik und die verblüffend hart zupackenden Bremsen. Und nach jedem kurzen Fahrmanöver schaukelt der sanfte Riese voller Ungeduld etwas nach – als wolle er wissen, wann es endlich weitergeht.
 
Gute Ausstattung und exorbitanter Verbrauch
 
Auf der Autobahn ist ein Reisetempo von 130 km/h kein Problem, der 165 PS starke 5,7-Liter-Motor dreht dann etwa 3000/min. Natürlich muss der Blazer wie fast alle Amis aus den Siebzigern mit ständigen, leichten Lenkbewegungen auf Kurs gehalten werden. Gleichzeitig bewegt sich der Aufbau sanft schaukelnd in alle Richtungen, worunter die Fahrstabilität  jedoch  kaum  leidet.Man gewöhnt sich daran und wagt sogar einen Zwischensprint mit Tempo 160. Dann verwandelt sich das leise Zischeln der V8-Maschine in ein kräftiges Brummen, und die hallig tönenden Fahrgeräusche – vornehmlich ein Pfeifen und Heulen – nehmen zu, aber auch das Vertrauen in die beiden blattgefederten Starrachsen. Sie harmonieren exzellent mit der indirekt arbeitenden Servolenkung, die abrupte Lenkmanöver zur Sicherheit der Passagiere wirkungsvoll unterbindet.

All diese Blazer-Qualitäten und noch viele andere entdeckte auch Autotester Fritz B. Busch. Er nannte den Offroad-Chevy bereits in der Überschrift und im Vorspann seines auto motor und sport-Beitrags von 1976 einen „Luxus-Traktor für Männer, die Pfeife rauchen“ – und schätzte ihn fast ebenso hoch wie den Jaguar E-Type. Beide seien Autos, „die einen nicht loslassen“. Busch über den Blazer: „Der großvolumige Motor, die fingerleichte Servolenkung und die Getriebeautomatik bereiten Fahrvergnügen. Es wird gesteigert durch das überlegene Sitzgefühl: Hoch über der Straße mit Blick auf die Dächer der anderen Autos treibt man mit Panrorama-Sicht dahin. Sitzt hinter einem instrumentenübersäten Brett aus falschem Edelholz und legt den linken Arm lässig aufs Fensterbrett.“

Die Cheyenne-Version bietet zusätzlich eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Cruise Control, eine Ablagebox zwischen den Sitzen und sechs Rundinstrumente, die in matt glänzendes Aluminium eingebettet sind und den Fahrer mit einer Eigenart konfrontieren: Rechts neben dem Tachometer ist kein Drehzahlmesser platziert, sondern die große Tankuhr. Sie ist in der Wüste von Utah genau so wichtig wie auf der A 8 – der Blazer schluckt ganz ordentlich. Der Zeiger kann trotz eines 95-Liter-Tankvolu-mens schon nach 400 Kilometer regungslos in den roten Bereich rutschen. Das wiederum ist sehr unangenehm. Denn Schieben lässt sich ein stolzer Cheyenne nur ungern.

Technische Daten
Chevrolet Blazer Cheyenne
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4680 x 2020 x 1830 mm
Hubraum / Motor5733 cm³ / 8-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit165 km/h
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