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Chevrolet Impala

Chevrolet Impala: Station im Wandel

Foto: Hardy Mutschler 19 Bilder

Mitte der 70er Jahre müssen die Amerikaner in neuen Dimensionen denken – ihre Autos werden kleiner und sparsamer. Doch auch so bleibt der Impala Station Wagon der Kombi der Nation und ein großes Auto – in jeder Hinsicht. 

08.11.2007 Sebastian Renz Powered by

Du bist Amerika. Das möchte man ihm gern mal sagen, dem Chevrolet Impala Station Wagon. Nicht Dodge Charger, Chevrolet Corvette oder Ford Mustang motorisieren in den 70er und frühen 80er Jahren eine ganze Nation, die sich nur unterwegs zu Hause fühlt.

Der Impala ist im wahren Sinne ein Mittelklassewagen

Bis zum Start des Mini-Van-Booms Mitte der Achtziger übernehmen Kombis wie der Impala Station Wagon die Rolle der All-American-Cars. Denn sie erfüllen die Anforderungen des echten Lebens. Jenseits von Viertelmeilen- Dragstrips beherrschen sie viele Millionen Kilometer Highways, Interstates, Landstraßen und Stadtrouten, die sich über sechs Zeitzonen und ein Klima von tropisch bis polar erstrecken. Der Impala ist im wahren Sinne ein Mittelklassewagen. Er gehört in den 80er Jahren vor die Doppelgarage der US-Einfamilienbungalows wie bei uns ein VW Passat Variant unter den Carport der Doppelhaushälfte. Weil der Amerikaner an sich ja gern herumfährt wie früher im Planwagen – vorn Mum und Dad, dahinter die Kinder und im Laderaum den ganzen Hausstand –, mästet General Motors seine großen Kombis immer weiter, sodass die jedes Jahr noch ein Stück größer ausfallen. 1976 erreicht der Chevrolet Caprice Station Wagon schließlich die 5,8-Meter-Marke, wiegt 2,3 Tonnen und schlabbert schon zum Frühschoppen ein kleines Ölfeld leer. Als die US-Regierung nach der Ölkrise kleinere und sparsamere Autos fordert, ist sogar GM klar, dass es so nicht weitergehen kann.

Die Abmessungen sind beachtlich

Detroit setzt den Impala auf Diät – oder auf das, was General Motors eben unter Diät versteht. Zum Modelljahr 1977 debütiert die neue Caprice/Impala-Baureihe. Im Vergleich zu ihrem Vorgänger verliert sie rund 300 Kilo Gewicht, der Station Wagon 36 Zentimeter an Länge. Aber damit ändert der Kombi sein Format nur von Triple-Whopper auf Big Mac. Unter seiner großen Motorhaube arbeitet noch immer der V8- Smallblock, der sich effizienten Umgang mit Kraftstoff noch nie nachsagen lassen musste. Mit der Konstruktion dieses Motors begann GM wohl nur wenige Tage nachdem Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 in Amerika landete. Dafür bringt es der Fünf-Liter-V8 im 77er Impala zu überragender Reife. Nur beim Anlassen schnarrt er kurz, dann erinnert er sich an seine Manieren und lässt von da an – außer bei starkem Beschleunigen – kaum mehr etwas von sich hören. Das liegt auch an der kompetenten Geräuschdämmung des Impala, auf die hinzuweisen Chevrolet im Prospekt nicht müde wird.

Mit etwas Hakeln rastet der Lenkradwählhebel in D ein. Der Fuß gibt die Bremsen frei, und der große Kombi rollt sacht und leise an. Auf den ersten Metern erschrecken die Ausmaße des Impala. Bevor man sich über die Länge Gedanken machen kann, muss erst einmal die Breite kontrolliert werden. Der Fahrer sitzt sehr weit links, der Nebenmann dagegen ganz rechts – fast schon in einer anderen Zeitzone. Zwischen ihnen bleibt viel Raum für einen weiteren Mitfahrer. Mit der optionalen dritten Sitzreihe – im Kofferraum und entgegen der Fahrtrichtung – kann der Impala acht Passagiere beherbergen. Schon deshalb nutzt Mum ihn gern, um ihre Kinder und all deren Freunde zur Schule zu chauffieren. Bei der typischen Zwei-Erwachsenezwei- Kinder-Nutzung bietet der Impala- Kofferraum noch ein Volumen, das Mum in den Wahnsinn treibt – weil sie nicht weiß, was sie für den Sechswochen-Urlaub denn noch alles einpacken soll, damit die Ladehalle voll wird. Reisen nur zwei, erpart der Impala das Motelzimmer: Die Rücksitzbank klappt mit zwei Handgriffen um und schafft eine 2,3 Meter lange und 1,2 Meter breite Ebene. Doch trotz seiner Vielseitigkeit wird ein Impala selten geliebt.

Überraschend kleiner Wendekreis

Er gilt als günstiges Ge- und Verbrauchsauto. Wie bei einer Waschmaschine wollen seine Besitzer nur eines: Dass er funktioniert, ob im Sommer in Miami oder im Winter in Anchorage. So fällt die Impala-Konstruktion robuster aus als die meisten Doppelgaragen-Bungalows. Die Karosserie sitzt auf einem stabilen Rahmen, hat genügend Bodenfreiheit, um auch mal schadenfrei über Feldwege zu schottern. Die Klimaanlage kühlt mit dem Ehrgeiz eines Blizzards, die Heizung nimmt es mit dem Valley of Fire auf. Sind seine Abmessungen verinnerlicht, freundet man sich schnell mit dem Impala an. Sein V8, wie betagt seine Konstruktion auch sein mag, schenkt ihm eine gelassene Souveränität, die nur ein Triebwerk verbreiten kann, das sich diesseits der Grenze von 30 PS pro Liter Hubraum aufhält. Statt Leistung erreicht der V8 schon bei 2400 Touren ein Newtonmetermassiv.

Die sanfte Dreigang-Automatik lässt den Motor gemütlich an diesem Drehmomentberg herumkraxeln, weshalb jede Einmischung in die Arbeit des Getriebes sinnlos erscheint. So erweist sich auch das Fehlen eines Drehzahlmessers nicht als Mangel, sondern als sinnvoller Verzicht auf Unnötiges. Mit Tacho, Tankuhr sowie ein paar Warnleuchten ist dem Informationsbedürfnis vollauf Genüge getan. Überhaupt darf der Impala als großer Meister des Weglassens gelten: kein Tempomat, Kurbel- statt E-Fenster, keine Zentralverriegelung. Jedoch lässt sich die Heckklappe vom Fahrersitz aus verriegeln und ihre Scheibe auf- und abfahren. In der Stadt überrascht der große Kombi mit einem kleinen Wendekreis. Dank der guten Übersicht und der leichtgängigen Servolenkung bekommt man ihn auch in Parklücken hineingekurbelt, die nicht die Ausmaße eines Bauplatzes haben.

Die Bedienung ist unkompliziert
 
Das gelingt, wie die gesamte Bedienung des Wagon, überragend einfach – selbst die Fahrt in einem Aufzug vom Erdgeschoss in die fünfte Etage ist komplizierter und aufreibender als eine Reise im Impala Station Wagon von New York nach Los Angeles. Für die große Transkontinentalstrecke ist der Impala ja gemacht. Er beherrscht sie souverän, verwöhnt die Passagiere dabei mit viel Platz und erfreulichem Komfort. Was die engagierte Federung an Stößen nicht abfängt, verpufft in den weichen Sitzpolstern. Der V8 bollert tief unten im Drehzahlkeller herum, hält den schweren Wagen immer mühelos bei 70 Meilen. Natürlich ist der Impala kein Kurvenheld – durch Biegungen schunkelt er sich untersteuernd, aber verlässlich. Sportlich kann er nicht. Also drehen die Hinterräder erschreckt durch und zackt das Heck aus, wenn das Gaspedal in den Flauschteppich gekickt wird. Aber das macht der Fahrer genau ein Mal.

Es bereitet nämlich kein besonderes Vergnügen – weder dem Piloten noch dem Wagen. Der unprätentiöse Impala Station erzieht zur Gelassenheit. Er will kein sportliches Auto sein – trotz des V8- Motors. Will kein schickes Auto sein – trotz des ganzen Chromschmucks, den er mit sich herumschleppt. Er will einfach nur seinen Job ordentlich erledigen. Dann beneidet man sie kurz, die Amerikaner, um ihre V8-Alltagskombis wie den Impala Station Wagon. Doch dann tut einem der Impala leid, weil er später gegen SUV und Minivans eingetauscht wurde. Die konnten doch nichts besser als er. Und immerhin war er einmal Amerika.

Technische Daten
Chevrolet Impala Station Wagon
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5440 x 1915 x 1448 mm
Hubraum / Motor5001 cm³ / 8-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit175 km/h
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