Chrysler Grand Voyager & VW Multivan: Aufeinandertreffen der Großraum-Vans

VW Multivan, Chrysler Grand Voyager

Chrysler Grand Voyager Limited 2.8 CRD und VW Multivan Startline 2.0 TDI buhlen um die Gunst der Familien. Welcher Van die Nase vorn hat zeigt der Doppelfahrbericht.

Sie haben Familie und/oder andere Hobbys, brauchen Transportvolumen, haben aber keinen Bock, in kaschierten Blechkisten wie ein Kurierfahrer auf demselben zu hocken? Dann haben wir zwei interessante Angebote: Chrysler Grand Voyager und VW Multivan Startline. Beide kastenförmig, um fünf Meter lang mit bis zu sieben Sitzen zu Preisen um 40.000 Euro.

Der Chrysler wird in den USA auch als "soccer mum car" tituliert

Soweit die Gemeinsamkeiten. Spannender sind Unterschiede der beiden Vans, die wir im Fahrbericht aufzeigen: Auf der einen Seite der Chrysler Voyager, üppig ausgestattet im Stil fast unbegrenzter Möglichkeiten, in den USA als "soccer mum car" tituliert. Als geräumige Kiste, mit denen Mütter ihre Kinder samt Mannschaftskameraden zum Fussball oder sonstwohin kutschieren. Lenkpräzision oder sportives Eigenlenkverhalten spielen dabei keine Rolle, solange es genügend Platz und Cupholder gibt. So wie im Chrysler Grand Voyager, in dem die serienmäßigen Lederpolster zum Lümmeln wie auf einem weichen Familiensofa einladen. Gemütlich und heimelig, wenn auch ohne nennenswerte Körperunterstützung oder gar Seitenhalt. Holzfurnier und silbernes Plastikdekor vervollständigen den US-Stil.

Die Serienausstattung des VW Multivan fällt karg aus

Spielt der Chrysler Voyager ein bisschen American Diner, so gibt sich der VW Multivan nüchterner. Gimmicks überlässt er anderen. Dafür gibt es klare Instrumente, zahlreiche praktische Ablagen sowie eine problemlose Bedienung. Problemlose Bedienung? Kunststück - wo wenig ist, kann nicht viel verwirren. Die Serienausstattung fällt karg aus. Die Klimaanlage kostet beim VW Multivan Startline mit Zweiliter-TDI für 34.200 Euro ebenso Aufpreis (1.654 Euro) wie Bordcomputer, Radio (ab 464 Euro) oder Lederlenkrad. So bleibt Platz für persönliches Options-Rangieren, bei dem sich der VW Multivan aber leicht in familienfeindliche Preisregionen verirren kann. Apropos Familie: Zwei zusätzliche Sitze stehen mit 1.023 Euro in der Liste, eine zweite Schiebetür jedoch nicht. Was den funktionellen Charakter aber kaum mindert. Für ihn sorgen solide Kunststoffoberflächen, straff gepolsterte Vordersitze sowie eine verschieb- und demontierbare Dreierbank mit Liegefunktion. Der Bodenbelag wirkt ebenso robust wie der serienmäßige Klapptisch pfiffig.

Der Chrysler Grand Voyager kommt mit viel Ausstattung aber lässiger Verarbeitung

Mit Letzterem kann der Chrysler Grand Voyager nicht dienen, doch sonst liefert die Top-Version Limited für 45.590 Euro fast alles: Stereoanlage mit Festplatte und 500-Watt-Soundsystem, Drei-Zonen-Klimaautomatik, Parkpiepser, verschiebbare Staubox, Xenonscheinwerfer, Tempomat, Lederpolster, zweite und dritte Sitzreihe im Boden versenkbar. Dieses System (Stow ’n’ Go) ist der Clou: Statt wie beim VW Multivan die 80-Kilogramm-Bank aus der Schiebetür wuchten zu müssen, läuft die Nummer beim Chrysler kinderleicht. Knopfdruck genügt, und die Bänke nehmen die gewünschte Position ein oder versinken komplett in entsprechenden Höhlen im Wagenboden.

Qualitätsfreaks und Feinmechanik-Pedanten müssen dabei allerdings ganz stark sein. Wie beim Rest des Chrysler Grand Voyager, der mit teils billigen Oberflächen und einer lässigen Verarbeitung auffällt. Dafür bringt die elektromotorische Sitzjonglage Kinderaugen mindestens so hell zum Leuchten wie das ebenfalls elektrische Öffnen und Schließen der beiden serienmäßigen Schiebetüren sowie der Heckklappe. Großes Kino made in USA, das sich für 2.130 Euro extra mit zwei aus dem Dachhimmel klappenden Bildschirmen im Chrysler Voyager fortsetzen lässt - inklusive getrennten Programmen für Reihe zwei und drei.

Der VW Multivan wird wieder von einem Vierzylinder angetrieben

Keine schlechte Idee, lenkt es doch vom unter Last aufheulenden 2,8-Liter-Vierzylinder-Diesel im Chrysler Voyager ab. Zwangsverheiratet mit einer bisweilen hektisch agierenden Sechsgangautomatik, verzichtet er auf einen Drehmomentbuckel, gibt seine 163 PS sowie 360 Newtonmeter über einen weich ausgelegten Drehmomentwandler weiter. Was im Fahrbericht nichts an Vibrationen und Nagelsound ändert. Beim frisch modellgepflegten VW Multivan flogen die knurrenden Pumpedüse-Fünfzylinder raus, Zweiliter-Vierzylinder mit Common-Rail kamen rein. Deren zweitstärkste Ausführung mit 140 PS arbeitet kultiviert und kräftig, verlangt zum zügigen Fortkommen speziell an Steigungen jedoch nach mittleren Drehzahlen und konzentrierter Betätigung der Sechsgang-Handschaltung. Dennoch empfiehlt sich der 140-PS-TDI als Idealmotorisierung für den 4,90-Meter-Bus.

Gegen den Chrysler Grand Voyager wirkt der Multivan geradezu sportlich

Der 25 Zentimeter längere 2,2-Tonner von Chrysler sprengt Pkw-Dimensionen und langt im Fahrbericht auch an der Tankstelle etwas großzügiger zu. Und das, obwohl er zu einer durchaus meditativen Fahrweise einlädt. Genauso wie ein gegrillter Marshmellow keinerlei Anspruch auf ausgewogenen Nährstoffgehalt erhebt, wankt der Chrysler Grand Voyager mit seiner indirekten Lenkung und dem unterdämpften Fahrwerk durch die Gegend, bleibt in ständiger Bewegung. Beim Bremsen schwächelt er ebenfalls, steht erst nach bedenklichen 44 Metern. Der VW Multivan bremst nicht nur besser (knapp 41 Meter), sondern offenbart im Vergleich regelrecht sportive Züge. Komfortabel und sauber gedämpft, passiert er im Fahrbericht Kurven ebenso routiniert wie schlecht gepflegte Oberflächen, erspart seinen Insassen harsche Stöße sowie Rollen und Stampfen. Statt an ein durchgesessenes Sofa erinnert sein Charakter an ein haltbares Zweckmöbel.

Den deutlich solideren, haltbareren Eindruck vermittelt der VW Multivan

Von denen passen wiederum eine Menge in den Laderaum: bis zu 4.300 Liter akzeptiert der konsequent kubische VW Multivan, knapp 3.300 Liter sind es maximal beim Chrysler Voyager (minimal: 638). Damit sehen beide Kontrahenten beim Euro-pro-Liter-Verhältnis ziemlich gut aus. Den deutlich solideren, haltbareren Eindruck vermittelt im Fahrbericht allerdings der VW Multivan, der überdies mit wesentlich günstigeren Unterhaltskosten aufwartet. Der Chrysler Voyager empfiehlt sich für unerschrockene US-Fans, denen verschwenderische Ausstattung und clevere Variabilität wichtiger sind als Qualität und präzises Fahrverhalten. Leckerer Marshmellow gegen ausgewogene Vollwertkost eben.

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Jörn Thomas

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